Foto: dpa

Hier wird der Salat gefaltet! - Restaurant-Knigge Frankreich 

Anne Christine Heckmann   20.01.2016 | 10:44 Uhr

Santé, Gesundheit, wünscht man in sich in Frankreich, wenn man zum traditionellen Apéritif anstößt. Das tut man allerdings nicht mit Sekt. Wenn es prickeln soll, MUSS es Champagner sein. Alles andere wäre ein völliger „Faux Pas“.

Wer Weinschorle bestellt, beleidigt den Wirt. Der Weinkenner und Pariser Bistrot-Chef Cyril Dos Santos erklärt, warum: "Es ist verboten, Wein mit etwas anderem zu mischen. Einzige Ausnahme ist der „Kir“ - Wein aus dem Burgund, den man mit Johannesbeer-Likör mischt und als Apéritif trinkt. Aber sonst ist es undenkbar."

Die Franzosen sind stolz auf ihre Weine und ihre Küche. Sie respektieren und genießen sie. Morgens, mittags und abends. Essenszeiten sind heilig. Die Mittagspausen in französischen Unternehmen sind so großzügig kalkuliert, dass ein Drei-Gänge-Menü problemlos zu schaffen ist. Und ein Gläschen Wein ist auch mittags nicht tabu, im Gegenteil, das hat sogar Tradition.

Nicht zu früh und nicht zu schnell

Nach dem üppigen Mittagsmahl dauert es eine Weile, bis der nächste Appetit kommt. Und deshalb gehen die Franzosen selten vor 20.00 Uhr abends zum „Dîner“. Als Deutscher sollte man nicht den Fehler machen, schon um sieben im Restaurant zu sitzen. Dann kann es passieren, dass noch die Kochmannschaft am Nebentisch zu Abend isst. Auch sollte man im Restaurant nicht gleich an einen Tisch stürmen. Der Gast wartet am Eingang und bekommt einen Platz zugewiesen. Das gilt auch im Bistrot. Und dann heißt es: Haltung bewahren - denn Schlürfen und Schmatzen kommen in Frankreich gar nicht gut an! Die Franzosen respektieren, was auf den Tisch kommt, das Umfeld und die Menschen drumherum. Tischmanieren sind wichtig. Das gehört zur Tischkultur dazu.

Wichtig ist: Nicht gleich das Brotkörbchen plündern, weil man ausgehungert ist. Von der Käseplatte nicht alles probieren, sondern höchstens drei Sorten. Messer und Gabel nach jedem Gang akkurat nebeneinander auf den Teller legen um zu signalisieren: Fertig. Und ein Anstandsrest macht sich auch immer gut. Restaurant-Chef Cyril Dos Santos weiß worauf  in Frankreich außerdem zu achten ist: "Beim Salat muss man eine französische Besonderheit beachten: Man schneidet ihn nicht, man faltet die Blätter. Das ist Tradition."

Finger weg vom Essen!

Und man  fasst kein Essen mit den Fingern an. So was gibt’s in Frankreich nicht.  Weder beim Stück Pizza, noch beim Hähnchen-Knochen. Man isst alles mit Messer und Gabel - und nichts mit den Händen. Außer Brot - das darf man abbrechen. Und auch bei Meeresfrüchten wird eine Ausnahme gemacht: Austern, Muscheln, Krebse oder Hummer darf man natürlich mit den Fingern anpacken. Werden Garnelen aber als Beilage auf dem Teller serviert, sollte man sie mit Messer und Gabel bändigen. Wer jetzt denkt, mit dem Essen seien alle Fettnäpfchen überwunden, kennt die Franzosen schlecht. Denn auch beim Zahlen gibt es einiges zu beachten. „Zusammen oder getrennt“ - die Frage gibt es in Frankreich nicht. "Einmal zahlt der eine für alle, am nächsten Tag der andere. Wenn man zu mehreren ist, zahlt einer oder man legt grob zusammen", erklärt Cyril Dos Santos.

Rechnung, Trinkgeld und der richtige Abgang

Es kommt ohnehin nur eine Rechnung pro Tisch. Man regelt das dann so pi-mal Daumen. Cent-genau würde das kein Franzose auseinander rechnen - schon gar nicht auf dem Papiertischtuch. Das Trinkgeld schlägt man nicht auf den Endbetrag drauf, sondern lässt Kleingeld im kleinen Schälchen liegen. Etwas weniger übrigens als in Deutschland. Und beim Aufstehen lassen die Franzosen ihre Serviette nicht zusammengeknautscht auf dem Tisch zurück - sie falten sie wieder fein säuberlich. Wer das alles beherrscht ist für den Frankreich-Urlaub bestens gerüstet - und darauf lässt sich anstoßen. Mit Champagner - nicht mit Sekt!

Artikel mit anderen teilen