Conny Plank (Foto: SR)

Conny Plank über sich: Pop non stop

 

“In meinem Elternhaus bin ich eigentlich sehr von der klassischen Musik geprägt worden. Mein Vater war Organist in einer Kirche, und in einem Streichquartett hat er Bratsche gespielt. Ich lernte mit sechs schon an Knöppen drehen, am Radioapparat. Und fand heraus, dass die Militärsender zu der Zeit immer scharfe Musik spielten.” Es setzte die erste Ohrfeige des Vaters, aber der kleine Conny Plank war an die “Teufelsmusik” verloren.

Von Katja Preißner

So erinnerte sich Conny Plank in einem Interview mit seinem Freund Erich Werwie an seine frühe Musikbegeisterung. Die Sendung „Pop non stop“ (Ausgabe vom 29. 12. 1979) der Europawelle Saar hat den Untertitel: “Der Musiker hinter der Scheibe. Der fünfte Mann in der Band.” Knapp 90 Minuten lang dreht sich alles um die Gedankenwelt des einflussreichsten deutschen Musikproduzenten.

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Europawellen-Moderator Erich Werwie

“Erich Werwie war mit seiner Frau in der Kante um Köln rum”, so Frank Laudenklos, der frühere SR1-Technikchef. “Conny hatte etwas Zeit, und Erich hat einfach Interviews mit ihm gemacht. Dann brachte er das ganze Material zurück und sagte: 'Frank, guck mal'. Ich sprach mit Hermann Stümpert, dem damaligen SR1-Unterhaltungs-Chef. Der meinte: 'Macht doch ein Special drüber'.”

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Hermann Stümpert: Unterhaltungschef  der Europawelle Saar bis 1986

Laudenklos suchte vor allem die passende Musik aus, die er mit den Interview-„Blöcken“ verwob: Charles Mingus, Velvet Underground, Beatles, Chuck Berry, Fats Domino, Aretha Franklin... und Jimi Hendrix! Der spielte für Conny Plank eine große Rolle, wie man ihn selbst in der Sendung sagen hört: “Das war für mich eine Inspiration, Technik und Musik noch besser zusammen zu bringen. In meiner weiteren Arbeit hab ich immer nur versucht, Methoden zu finden, wie sich Musiker und die Technik am besten vertragen.”

Auch die Beach Boys mit “Good vibrations” waren ein wichtiger Impuls für den Mann, der so gern Maschinen und Elektronik die unglaublichsten Klänge entlockte: “Zu der Zeit war ich in Wortproduktionen eingespannt. In jeder freien Minute hab ich mich in ein Studio eingesperrt und hab mit Bändern rumexpertimentiert, mit Filtern gespielt, mit Feedbacks. Hab mir gedacht, das ist ein toller Effekt, den merk ich mir mal, wenn ich in die Situation kommen sollte, Platten zu produzieren. Zwei Jahre später kamen die Pretty Things mit einem Titel raus, auf dem genau dieser Effekt drauf war, und so kam ich mir vor wie ein Erfinder, der sein Patent nicht angemeldet hatte.”

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Tontechniker Frank Laudenklos

Jede Menge Musik aus “Connys Studio” kommt in der Sendung natürlich ebenfalls vor: von Michael Rother und Devo zum Beispiel. Aber Werwie und Plank sprechen vor allem über Planks Philosophie: “Oft sind Musiker sehr drauf konzentriert, musikalische Konzepte zu erfinden, die von ihren Instrumenten abhängen. Für mich ist sehr interessant, einen Musiker in eine Situation zu bringen, die er nicht kennt. Da passieren neue Sachen.” Und es klingt wie eine Ermunterung, es ihm nachzutun, wenn der Studiotüftler Conny Plank den Europawellen-Hörern mitgibt: “Es muss nicht immer mit den letzten Spitzenprodukten der Technologie versehen sein. Sondern es kann ganz simpel sich darstellen. Es ist die Art, wie man diese Sachen benutzt.”

Ein rarer Schatz, den der Saarländische Rundfunk da in seinem Fundus hat. Und das Ergebnis gefiel offenbar auch der Hauptperson selbst. Frank Laudenklos erinnert sich an ein Feedback von Conny Plank: “Ja, er hat zu mir gesagt, 'Frankie, so stell ich mir Rundfunk vor'. Die Musik zum Ausdruck bringen lassen, was derjenige fühlt. Das fand er prima.”

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