Klaus Meiser (Foto: imago/Becker&Bredel)

SPD fordert schnellen Rücktritt von LSVS-Präsident Meiser

Uli Hauck   26.04.2018 | 07:00 Uhr

Nach den jüngsten Vorkommnissen um den Heimatverein Klaus Meisers, die SpVgg Quierschied, wächst der politische Druck auf den LSVS-Präsidenten. Die SPD, die Meiser noch immer als Strippenzieher im Hintergrund wähnt, fordert seinen sofortigen Rücktritt.

SPD-Chefin Rehlinger, Generalsekretär Petry, Fraktionschef Pauluhn, Wirtschaftsstaatssekretär Barke: Sie alle fordern, unterschiedlich offen, den sofortigen Rücktritt von LSVS-Präsident Klaus Meiser. Die jüngsten Vorkommnisse um Meisers Heimatverein SpVgg Quierschied haben dabei offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht. Am Dienstag haben deshalb bereits zum vierten Mal Durchsuchungen beim Landessportverband stattgefunden. Gegen den stellvertretenden LSVS-Hauptgeschäftsführer André F. wird wegen möglicher Untreue ermittelt. 

Meiser noch immer der Strippenzieher?

Studiogespräch: "Die SPD hat kein Vertrauen mehr"
Audio [SR 3, Studiogespräch: Gerd Heger/Ulli Hauck, 26.04.2018, Länge: 03:07 Min.]
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Die SPD vermutet zudem, dass Meiser, entgegen der offiziellen Absprachen, offenbar weiterhin beim Landessportverband Strippen zieht. Ein Vorwurf: Er habe eben jenem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer André F. immer noch Anweisungen gegeben. So existieren beispielsweise Blanko-Formulare, auf denen die Vereine, die Schecks von Meiser und Co. bekommen haben, bestätigen sollen, dass sie das Geld über den Landessportverband von Saartoto erhalten haben. 

In der SPD vermutet man deshalb, dass Klaus Meiser damit den Vorwurf, er habe „politische Landschaftspflege“ für die CDU betrieben, entkräften will. Insgesamt wurden rund um die Landtagswahl im vergangenen Jahr 81 Schecks im Gesamtwert von knapp 85.000 € an Sportvereine verteilt. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft. Wegen all dieser Vorfälle ist Meiser, nach Ansicht der SPD-Spitze, zunehmend eine Belastung und trage nicht mehr zur Aufklärung beim Landessportverband bei.

Politisches und betriebswirtschaftliches Chaos

Neben den täglich neuen Schlagzeilen kritisiert SPD-Generalsekretär Christian Petry auch das „politische und betriebswirtschaftliche Chaos“, das kaum mehr zu überblicken sei. Noch sind Meiser und sein Präsidium im Amt, viele Mitglieder haben eine Entscheidung über ihre Zukunft an der LSVS-Spitze auch noch nicht abschließend getroffen. Und dennoch werden im Hintergrund längst Gespräche über neue personelle Lösungen geführt.  

Ministerpräsident Hans hält sich offiziell noch zurück

Auch wenn die Staatskanzlei sehr viel vorsichtigere Worte wählt, der dauernde Ärger um LSVS-Präsident Meiser kommt auch bei Ministerpräsident Hans nicht gut an. Er fordert in einer schriftlichen Stellungnahme für den SR aber lediglich einen „raschen Neuanfang“ - auch beim LSVS-Präsidium. Zeitlich konkreter wird er allerdings nicht. Anders als CDU-Fraktionschef Funk sieht der Ministerpräsident zudem den saarländischen Steuerzahler auch weiterhin nicht in der Pflicht: „Oberstes Ziel bleibt beim LSVS die Sanierung aus eigener Kraft“, so Hans.

Gleichzeitig dürfte aber auch der CDU-Ministerpräsident wissen, dass sich eine Nibelungentreue zu Klaus Meiser zunehmend negativ auf die Stimmung in der Großen Koalition auswirken könnte. Der Vorstoß der SPD, Meiser zum Rücktritt zu drängen, könnte Hans somit durchaus gelegen kommen: Der Koalitionspartner liefert ihm ein weiteres Druckmittel. Denn CDU-Schwergewicht Meiser kämpft beharrlich für seine Posten - ob im gut bezahlten Aufsichtsrat der RAG oder ehrenamtlich als LSVS-Präsident. Sein Vorteil: Er dürfte die kompletten Hintergründe für das Finanzdesaster beim Landessportverband kennen. Dieses mögliche Wissen könnte er im Ernstfall auch gegen die eigenen Parteifreunde zum Einsatz bringen. 

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 25.04.2018 berichtet.

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