Ein Bewohner eines Pflegeheims stützt sich auf seinen Rollator (Foto: dpa/Sebastian Willnow)

Ministerium bewertet Lage in Altenheimen als "stabil"

Thomas Gerber   31.03.2020 | 17:17 Uhr

In saarländischen Altenheimen sind bislang 19 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Ein Aufnahmestopp wie ihn Niedersachsen bereits verfügt hat, ist derzeit allerdings nicht geplant.

Zehn der 19 mit dem Coronavirus infizierten Altenheim-Bewohner mussten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Akutkrankenhäuser verlegt werden. Zwei Betroffene seien inzwischen verstorben.

Insgesamt seien sieben Einrichtungen von den Infektionen betroffen - wobei es in einem Seniorenheim allein acht infizierte Bewohner gebe. Dabei handelt es sich nach Angaben des Regionalverbands Saarbrücken um die AWO Seniorenresidenz „Viktoria“ in Püttlingen. Außerdem seien drei Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Ein Bewohner sei stationär im Krankenhaus, die übrigen seien bereits einzeln untergebracht worden und dürften ihre Zummer für 14 Tage nicht verlassen. Zudem sei allen Bewohnern und der Hälfte der Mitarbeiter ein Abstrich genommen worden. Die übrigen Mitarbeiter sollen am Mittwoch kontrolliert werden. Neufnahmen in die AWO-Seniorenresidenz seien für die kommenden zwei Wochen nicht erlaubt.

Zwölf Mitarbeiter positiv getestet

Außer den 19 Bewohnern seien bis zum 31. März zwölf Mitarbeiter von Senioreneinrichtungen als positiv getestet gemeldet worden. Diese arbeiteten in fünf unterschiedlichen Einrichtungen. Die Betroffenen befänden sich alle in häuslicher Quarantäne. Wobei es sich in einem Heim insbesondere um mehrere Mitarbeiter der Verwaltung und Leitung handele.

Das Gesundheitsministerium bezeichnete die Lage in den Altenheimen im Saarland als "stabil". Lediglich in einer Einrichtung habe es eine "besondere Steigerung" der Fallzahlen gegeben. Die restriktive Besuchsregelung habe sich weitgehend als wirksam erwiesen. An weitergehende Maßnahmen sei derzeit nicht gedacht. Insbesondere seien aktuell keine Belegungsstopps wie etwa in Niedersachsen geplant. Die Heimaufsicht des Ministeriums habe vielmehr Empfehlungen für Neuaufnahmen gemacht, die eine zweiwöchige "Aufnahmephase" mit reduzierten Kontakten vorsähen.

Akuter Mangel an Desinfektions- und Hygienematerial

Mehrere Träger von Senioren- und Behinderteneinrichtungen berichten unterdessen von einem akuten Mangel an Desinfektions- und Hygienematerial. So reichen die Vorräte beim Saarländischen Schwesternverband mit seinen 1500 Heimplätzen im Saarland nur noch maximal bis Ostern. Dort ist man dazu übergegangen, Mund-Nasen-Schutzmasken selbst herzustellen.

Schutzausrüstung wird knapp
Schwesternverband fordert konsequentere Coronatests
Der Ottweiler Schwesternverband - einer der größten Träger von Einrichtungen der Alten- und Behindertenbetreuung im Saarland - hat konsequentere Coronatests gefordert. Außerdem verfüge der Verband nur noch über Restbestände bei der Schutzausrüstung.

Auch beim Träger pro seniore mit knapp 700 Plätzen in fünf Seniorenheimen reicht der Vorrat nach eigenen Angaben gerade noch aus, "um den aktuellen Zustand zu beherrschen". Sollte "sich die Pandemie erwartungsgemäß ausweiten", sei man darauf angewiesen, dass die Regierung die Nachschubwege für Schutz- und Desinfektionsmaterial offen halte.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 31.03.2020.

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