Training auf einem Sportplatz (Foto: Imago/Matthias Koch)

LSVS: Muss nun der Steuerzahler in die Bresche springen?

Caroline Uhl / mit Informationen von Uli Hauck und Thomas Gerber   25.04.2018 | 07:13 Uhr

Die Misswirtschaft beim Landessportverband im Saarland LSVS fiel offenbar noch deutlich schlimmer aus, also bisher bekannt. Der externe Sanierer legte am Montagabend erstmals Zahlen vor, laut denen dem Verband Geld in zweistelliger Millionenhöhe fehlt. Über eine finanzielle Unterstützung des Landes, und damit des Steuerzahlers, wird inzwischen diskutiert. Unterdessen gab es beim stellvertretenden Landesgeschäftsführer am Dienstag eine Razzia: wegen eines offenbar feucht-fröhlichen Fußballerausflugs auf Kosten des Sportverbands.

Interview mit ATSV-Vorsitzendem Schaeidt
Audio [SR 3, Michael Friemel, 25.04.2018, Länge: 03:38 Min.]
Interview mit ATSV-Vorsitzendem Schaeidt

Beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) herrschte über Jahrzehnte hinweg das betriebswirtschaftliche Chaos: keine aussagekräftige Buchhaltung, keine verlässliche Kostenrechnung - und offenbar auch kein Überblick darüber, was sich der Verband leisten konnte und was nicht. Am Montagabend legte der Konsolidierungsberater Michael Blank, der wochenlang gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern, Steuerberatern und Juristen die LSVS-Zahlen durchforstet hatte, eine erste Auflistung vor.

Ergebnis: Trotz bereits erfolgter Einsparungen über 624.000 Euro hat der Verband ein strukturelles Defizit von 2,5 Millionen Euro. Bei der Sportplanungskommission (PlaKo) steht der LSVS zudem nicht mit vier Millionen Euro in der Kreide, wie bisher geheißen, sondern mit 8,5 Millionen. Mehrfach hatte der LSVS laut Blank PlaKo-Geld an die Hermann-Neuberger-Sportschule übertragen, ohne einen entsprechenden Beschluss der Sportplanungskommission. Zudem bestehen Verbindlichkeiten beim Finanzamt (870.000 Euro) und 400.000 Euro weitere Auslagen. Weil auch noch ein hoher Sanierungsbedarf an Hallen und Gebäuden besteht, rechnen Kenner der Zahlen mit einem zusätzlichen Kreditbedarf von 25 Millionen Euro. Dabei kämpft der Verband schon mit den laufenden Forderungen: Am 30. Juni wird eine Kreditrate über 260.000 Euro bei der SaarLB fällig. Die Liquiditiät über dieses Datum hinaus ist derzeit die dringendeste Aufgabe.

Steuergeld, ja oder nein?

Video [aktueller bericht, 24.04.2017, Länge: 3:15 Min.]
Neue Schlagzeilen beim LSVS

Muss beim LSVS am Ende also doch das Land und damit der Steuerzahler einspringen? Bisher hatten Politiker aller Couleur das entschieden abgelehnt. Auch am Dienstag verweisen Vertreter von CDU und SPD auf die Äußerung Blanks, der LSVS könne sich aus eigener Kraft sanieren. Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) betonte: "Da bleibe ich bei den Aussagen des Ministerpräsidenten: Zuallererst muss die Sanierung aus eigenen Kraft des LSVS geschaffen werden. Üblicherweise würde man auch sagen: Diejenigen, die uns die Suppe eingebrockt haben, müssen sie auch wieder auslöffeln."

Andere sind sich da nicht mehr so sicher. Der Einsatz von Steuermitteln sei "Stand heute bei diesen Zahlen nicht ausschließbar", sagt CDU-Fraktionschef Alexander Funk. Die Linke bleibt trotz der neuerlichen Zahlen bei ihrem Nein zu Steuergeld für den Sportverband. "Wir lehnen das strikt ab", sagt der parlamentarische Geschäftsführer der Linken-Fraktion im Landtag, Jochen Flackus.

Video [aktueller bericht, 24.04.2017, Länge: 4:54 Min.]
Interview mit Jürgen Barke, Staatssekretär Wirtschaftsministerium

Unionspolitiker Funk präsentiert indes einen Vorschlag, wie sich die Last des LSVS drücken ließe - und macht eine ganz eigene Rechnung auf: Da nun bekannt sei, dass die Sportplanungskommission nicht vier, sondern 8,5 Millionen Euro vom Verband zu bekommen habe, habe diese ja quasi mehr Geld zur Verfügung, also bisher angenommen. "Sollte man sich entscheiden, dass die Mittel der Sportplanungskommission in dieser Größenordnung nicht für neue Hallen im Land verwandt werden, sondern man noch ein Investitionsprogramm an der Sportschule zur Verfügung stellt, dann würde sich auch der Kreditbedarf des LSVS reduzieren", schlägt Funk vor. Der LSVS würde dann also das Geld, das er der Sportplanungskommission für die Sportschule weggenommen hat, und nun zurückzahlen soll, wieder von der Kommission bekommen, um es dann erneut in die Sportschule zu stecken.

Wo sparen?

Wo der Verband in Zukunft sparen kann, wird nun Thema der politischen Debatten werden. Mensa privatisieren? Immobilien veräußern? LSVS-Personal entlassen? Diese und weitere Optionen sind derzeit in der Diskussion. Nur eines ist schon klar: "Dramatische Einschnitte beim LSVS, die scheinen unabwendbar", formuliert SPD-Fraktionschef Stefan Pauluhn. Er summiert den Finanzierungsbedarf für Sanierung und laufende Kredite auf 42,8 Millionen Euro.

Dem amtierenden LSVS-Präsidium um den ehemaligen Landtagspräsidenten Klaus Meiser traut der SPD-Politiker die Sanierung nicht mehr zu, sie sollten umgehend zurücktreten. Das fordert auch die Linke. CDUler Funk ist da reservierter: "Es ist auch die Frage, ob man ein neues Präsidium mit diesen schwierigen Aufgaben beauftragt, oder ob man nicht diejenigen, die in der Verantwortung sind, diese Entscheidungen treffen müssen", sagt er. Die Entscheidung aber obliege sowieso dem LSVS.

Training oder "Saufgelage"?

Während sich die Politik über die Zahlen beugt, war die Staatsanwaltschaft Saarbrücken am Dienstag zu einer neuerlichen Razzia in der Causa LSVS unterwegs. Die Ermittler führen nun den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer André F. als Beschuldigten. Es besteht der Verdacht der Untreue. Konkret soll F. Kosten für Trainingslager des Fußball-Verbandsligisten Spvgg Quierschied in den Jahren 2015 und 2017 nicht dem Verein selbst, sondern dem LSVS in Rechnung gestellt haben. Die Rede ist von einer Summe von rund 5400 Euro. Dabei soll es auch um ein Abendessen im Sommer 2017 von Spielern, Vereinsvorstand und Fans gehen, in dem laut Staatsanwaltschaft ordentlich Alkohol floss. 65 Gäste aus dem Heimatort von LSVS-Präsident Klaus Meiser wurden bewirtet.

Ein Sprecher des Fußballvereins weißt den Vorwurf zurück, es habe dabei ein Saufgelage gegeben, wie es offenbar in den Unterlagen der Staatsanwaltschaft heißt. Es habe stets das Sportliche im Vordergrund gestanden. Zudem habe der Verein alle gestellten Rechnungen bezahlt. Für zwei Trainingseinheiten an der Sportschule inklusive Mannschaftsvorstellung in der Mensa seien Kosten von knapp 3370 Euro angefallen. Diese habe der Verein abzüglich einer vom LSVS gewährten Ehrenamtspauschale von 500 Euro gezahlt und könne das auch nachweisen. Eine weitere von der Staatsanwaltschaft genannte Rechnung über 1300 Euro aus dem Jahr 2015 habe der Verein bislang nicht erhalten.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 24.04.2018 berichtet.

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