Dieter Wedel (Foto: dpa)

SR veröffentlicht vorläufigen Bericht zum Fall Wedel

Nadine Thielen / Onlinefassung: Anne Staut   12.04.2018 | 10:19 Uhr

Der Saarländische Rundfunk hat einen vorläufigen Abschlussbericht rund um die Vorwürfe gegen den Regisseur Dieter Wedel vorgelegt. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, der SR und die Produktionsfirma Telefilm Saar seien in den 80er Jahren ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Wedel soll damals während der Dreharbeiten zur SR-Fernsehserie "Bretter, die die Welt bedeuten" Schauspielerinnen sexuell belästigt haben.

Vorgänge im Zusammenhang mit Serienproduktion "Bretter, die die Welt bedeuten"
Vorläufiger Abschlussbericht

Die betroffenen Schauspielerinnen seien alleine gelassen worden, Strukturen innerhalb des SR und der Telefilm hätten die Vorfälle begünstigt. So kann man den Abschlussbericht der SR-Task Force zusammenfassen. So habe Wedel als Regisseur, Drehbuchautor und faktischer Produzent der Serie "Bretter, die die Welt bedeuten" eine große Machtfülle am Set erhalten. Zwar verstieß das schon damals gegen Regeln des SR. Trotzdem sei die "Aussicht der Beteiligten, 'sich im Glanz des schon damals berühmten Regisseurs'  sonnen zu können", ein Motiv gewesen für ein Weitermachen mit Wedel, heißt es darin.

Video [aktueller bericht, 12.04.2018, Länge: 2:13 Min.]
Vorläufiger Abschlussbericht im Fall Wedel

Die Task Force geht hart ins Gericht mit den Verantwortlichen von damals. Aber sie zieht auch Schlüsse für die Zukunft. Sie betont, dass es wichtig sei, eine unabhängige Anlaufstelle in der Filmbranche einzurichten. Außerdem schlägt sie für zukünftige Verträge zwischen Sendern und Produktionsfirmen eine Transparenzklausel vor. So sollen Sender als Auftraggeber die Chance haben, Einblicke in Vorgänge zu bekommen, wenn zum Beispiel eine Sexualstraftat im Raum steht.

Hilfe für Betroffene

SR-Intendant Thomas Kleist erklärte, man müsse davon ausgehen, dass Macht- und Funktionsmissbrauch in jedem Unternehmen von der Größenordnung des SR vorkommen könne. "Wir müssen deshalb einerseits alles daran setzen, dass Betroffene Hilfe bekommen, und dies auch nachhaltig geschieht. Andererseits brauchen wir in den Unternehmen Angstfreiheit im täglichen Umgang miteinander, Respekt voreinander und ein Klima, das Betroffenen wie Verursachern widerspiegelt, dass Macht- und Funktionsmissbrauch nicht toleriert werden", betonte Kleist.

Im Rahmen des Berichts hat die Task Force, eine Mitarbeitergruppe aus der Unternehmensleitung, zahlreiche Akten aus dem SR-Archiv untersucht und mit Zeitzeugen von damals gesprochen – unter anderem auch mit den beiden Hauptdarstellerinnen der SR-Produktion. Sie werfen Wedel sexuelle Belästigung bis hin zur versuchten Vergewaltigung vor.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 12.04.2018 berichtet.

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