Sondersitzung zum Missbrauchsskandal (Foto: SR)

Weitere Verdachtsfälle in Homburg

  19.07.2019 | 12:33 Uhr

Im Missbrauchsskandal an der Homburger Uniklinik hat sich die Zahl der Verdachtsfälle auf 58 erhöht. Zur Meldepflicht sagte Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling (CDU), die Klinik habe gegen das Krankenhausgesetz verstoßen.

Uniklinik Homburg: Mehr Opfer als gedacht
Audio [SR 2, Peter Weitzmann / Thomas Gerber, 19.07.2019, Länge: 04:40 Min.]
Uniklinik Homburg: Mehr Opfer als gedacht

In der Strafanzeige des Uniklinikums war noch die Rede von 34 konkreten Verdachtsfällen gewesen. Insgesamt seien inzwischen 280 ehemalige Patienten angeschrieben worden, die bei dem beschuldigten Assistenzarzt in Behandlung waren. Nun hat sich die Zahl der betroffenen auf 58 erhöht, teilte die Uniklinik mit. In 44 Fällen sind Gespräche erfolgt oder geplant. Eine externe Gutachterin soll den Fall nun aufarbeiten.

Kolling: Verstoß gegen Krankenhausgesetz

Der saarländische Gesundheits-Staatssekretär Stephan Kolling (CDU) hat als Konsequenz aus dem Missbrauchs-Skandal eine Gesetzesverschärfung angekündigt. Schon jetzt müssten Kliniken nach dem Saarländischen Krankenhausgesetz Verdachtsfälle an die Aufsichtsbehörde melden. „Dagegen hat das UKS verstoßen“, sagte Kolling dem Saarländischen Rundfunk. Das Problem: Das Gesetz sieht keine Sanktionen vor. Kolling will erreichen, dass Kliniken, die gegen die Meldepflicht verstoßen, künftig mit Geldbußen in fünfstelliger Höhe und Strafverfahren rechnen müssen.

Nach Kollings Angaben droht dem beurlaubten Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Homburg jetzt auch der Entzug der Zulassung. Der Mediziner habe sich bisher geweigert, in dem Skandal eine ausführliche Stellungnahme abzugeben. Sollte er das bis Ende des Monats nicht nachholen, werde man das sofortige Ruhen seiner Approbation anordnen.

Neues Kinderschutzkonzept

Die Uniklinik hat außerdem ein neues Kinderschutzkonzept vorgestellt. Darin seien Empfehlungen unterschiedlicher Fachgesellschaften eingearbeitet. Es soll Übergriffen vorbeugen und Mitarbeitern Handlungssicherheit in schwierigen Situationen geben. Zum Konzept gehören ein neuer Verhaltenskodex, Schulungen und ein Interventionsplan, der festlegt, wann wer informiert werden muss.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 19.07.2019 berichtet.

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