Uniklinikum Homburg (Foto: SR)

Sonderermittler im Missbrauchs-Skandal eingesetzt

Thomas Gerber   16.07.2019 | 16:41 Uhr

Die Versäumnisse der Uniklinik Homburg beim Umgang mit den Missbrauchsvorwürfen an der Kinder- und Jugendpsychiatrie soll jetzt ein Sonderermittler untersuchen. Die Saarbrücker Staatskanzlei hat den ehemaligen Kripo-Chef Harald Schnur für diese Aufgabe vorgesehen. Das wurde in der Sondersitzung des Sozialausschusses des Landtags bekannt.

Auch UKS-intern zieht der Skandal weitere Konsequenzen nach sich. So wurde der Chef der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie, von Gonthard, vorübergehend von der Leitung der Einrichtung entbunden. Auf eigenen Wunsch, heißt es offiziell. Aber von Gonthard war zuletzt zunehmend unter Druck geraten, hatte er doch möglicherweise zu lange zugewartet, bis er seinen ehemaligen Assistenzarzt trotz zahlreicher Hinweise entließ.

Video [aktueller bericht, 16.07.2019, Länge: 3:05 Min.]
Sondersitzung zum Missbrauchsskandal

Auch im Aufsichtsrat der UKS hat der Skandal Konsequenzen. Der Medizinwissenschaftler Andreas Goldschmidt hat sein Mandat niedergelegt. Er fühlt sich nach eigenen Angaben vom Klinikvorstand nicht ausreichend über die Vorgänge und deren Aufarbeitung informiert.

Wusste das Gesundheitsministerium Bescheid?

Sonderermittler im Missbrauchs-Skandal eingesetzt
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 16.07.2019, Länge: 04:19 Min.]
Sonderermittler im Missbrauchs-Skandal eingesetzt

Im Ausschuss präsentierte der Verwaltungsdirektor der Klinik am Dienstag eine Aktennotiz, wonach Ende 2014 nach einem Gespräch bei der Ärztekammer, das zur Strafanzeige gegen den Assistenzarzt geführt hatte, angeblich das Gesundheitsministerium in Kenntnis gesetzt worden sei. Das allerdings wies Staatssekretär Stephan Kolling vehement zurück. Dem SR sagte er, mit ihm sei nie in der Sache telefoniert worden. Von den Vorgängen habe er erst jetzt erfahren.

Bisher hatte es geheißen, innerhalb der Landesregierung sei lediglich das Justizministerium über die Ermittlungen informiert gewesen. Die damals zuständige SPD-Staatssekretärin Anke Morsch aber behielt die Sache für sich. Aus rechtlichen Gründen habe sie die Kollegen im Wissenschafts- oder Gesundheitsministerium über den schlimmen Verdacht nicht in Kenntnis setzen dürfen. Morsch hatte erklärt, sie sei damals davon ausgegangen, dass die Uniklinik selbstverständlich die Eltern kontaktiert habe. Allerdings lag dem Ministerium Ende 2016 ein Schreiben vor, in dem sich das UKS dafür aussprach, die Betroffenen grundsätzlich nicht zu informieren.

Hintergrund

Ende Juni war bekannt geworden, dass am Uniklinikum ein inzwischen verstorbener Assistenzarzt von 2010 bis 2014 mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll. Er soll medizinisch nicht notwendige Untersuchungen vorgenommen haben. Die Eltern wurden erst kürzlich darüber informiert.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 16.07.2019 berichtet.

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