Collage zu Datenjournalismus (Foto: Imago/Ikon Image)

Wie aus großen Datenmengen Nachrichten werden

Thomas Braun  

Rückgang der Arbeitslosigkeit, Entwicklung der Zahlen bei Einbrüchen oder ein Vergleich der Kita-Gebühren im Saarland: Viele unserer täglichen Nachrichten basieren auf Zahlen. Während große Zahlenmengen in einem Fernseh- und Radiobeitrag aber oft nur schwer vermittelt werden können, gibt es online vielfältige und übersichtliche Darstellungsformen. Dieser sogenannte Datenjournalismus gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Große Daten- und Zahlenmengen so aufzubereiten, dass Zusammenhänge und Entwicklungen auf den ersten Blick ersichtlich sind, kann eine große Herausforderung sein. Schnell verliert sich der Leser in einem Zahlenwirrwarr. Bei solchen zahlen- und datenlastigen Themen haben Online-Medien mit ihren interaktiven Darstellungsformen klare Vorteile. In keinem anderen Medium lassen sich beispielsweise interaktive Karten oder Charts erstellen - oder per einfachem Klick umfangreiche Zusatzinformationen anzeigen.

Auch beim SR kommen zunehmend datenjournalistische Werkzeuge zum Einsatz - sei es in der Berichterstattung über die Kriminalität im Saarland, den Stand der Energiewende, der Entwicklung des Biolandbaus oder bei der Analyse von Wahlen.

Technik, Mathematik - und journalistisches Gespür

Die Vorgehensweise beim Umgang mit großen Datenmengen ist immer ähnlich: Erst müssen die Daten verifiziert und erfasst werden. Anschließend werden sie in eine Form gebracht, in der sie später weiterverarbeitet werden können. Gute Excel-Kenntnisse sind hierbei unabdingbar. Bei der anschließenden Analyse wird es interessant: Was verraten die Daten? Gibt es auffällige Entwicklungen oder einzelne Ausreißer? Was verbirgt sich hinter diesen Entwicklungen?

War die Vorgehensweise bislang stark mathematisch geprägt, sind nun die journalistischen Qualitäten gefragt: Tiefergehende Recherchen oder Gespräche mit Experten beispielsweise helfen weiter, die Daten und daraus gewonnene erste Erkenntnisse richtig zu werten. Denn: Die Zahlen können immer nur einen Hinweis auf eine Story liefern - ohne weitergehende Recherche entsteht daraus keine Nachricht.

Datenjournalismus in der praktischen Umsetzung

Ein Beispiel aus der Praxis: Eine umfassende Gegenüberstellung von Steuern und Gebühren in den einzelnen saarländischen Kommunen hatte gezeigt, dass beide in Wallerfangen deutlich niedriger sind als in allen anderen saarländischen Gemeinden. Statistischer Zufall - oder kennt die Wallerfanger Verwaltungsspitze ein Geheimrezept? Gemeinsam mit Kollegen des aktuellen berichts haben wir genauer hingeschaut: Tatsächlich waren die Gebühren in Wallerfangen deutlich unterdurchschnittlich - mit einem fortschreitenden Verfall der Infrastruktur gleichzeitig aber auch teuer erkauft. Kein Geheimrezept also, aber ein interessanter Blick hinter die Kulissen der Kommunalfinanzen.

Statistiken richtig verstehen und bewerten

Manchmal kommen datenjournalistische Arbeitsmethoden und Werkzeuge bei großen Investigativgeschichten zum Einsatz - als Beispiel seien nur die Panama Papers oder LuxLeaks genannt - oft werden sie aber zur Analyse bereits öffentlicher Daten genutzt. So ist etwa die jährlich erscheinende Polizeiliche Kriminalstatistik frei im Netz verfügbar. Ähnlich verhält es sich mit Landtags- und Bundestagsanfragen. Auch die Arbeitsagenturen und nicht zuletzt die statistischen Ämter bieten umfangreiche Daten an. Diese Daten aufzubereiten, Besonderheiten herauszufiltern und letztlich auch die spannenden Geschichten dahinter zu erzählen, ist Aufgabe des Datenjournalisten.

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