Mitarbeiter der SR.de-Redaktion (Foto: SR.de)

Arbeiten in der Onlineredaktion des SR

Thomas Braun   04.09.2018 | 16:47 Uhr

Sieben Tage die Woche, vom frühen Morgen bis in die späten Abendstunden, informiert die Onlineredaktion des SR die Saarländer auf SR.de über alle wichtigen Ereignisse in der Region. Doch wie kommt eine Nachricht ins Netz? Und welche Anforderungen muss ein Online-Redakteur erfüllen? An unserem Thementag "Die Programm-Macher - Ein Tag beim SR" werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der Onlineredaktion.

Der Arbeitstag in der Redaktion von SR.de beginnt um 6.30 Uhr. Kaum ist der Rechner hochgefahren, checkt der Frühredakteur die ersten E-Mails und Agenturmeldungen. Täglich laufen in der Redaktion hunderte Infos ein, seien es E-Mails, Agenturmeldungen, Beiträge von Radio- und Fernsehreportern, Polizeimeldungen, Presseinfos etc. Alles muss gesichtet, bewertet und gegebenenfalls nachrecherchiert, geschrieben, gefilmt, bebildert und anschließend veröffentlicht werden.

Wie in vielen Medienhäusern gilt auch beim SR mittlerweile "Online First". Bei uns gibt es keine festen Sendeplätze. Wenn etwas Wichtiges im Land passiert, informieren wir schon wenige Minuten später online - und das auf allen Online-Kanälen: als Beitrag auf der Homepage, als Posting bei Facebook und Twitter und natürlich auch in unserer App. Über besonders wichtige Ereignisse informieren wir mit einer Eilmeldung auf der Homepage oder über unsere App als Push-Nachricht direkt aufs Smartphone.

Planer, Redakteur und Contentpartner: Wer macht was?

Damit das alles reibungslos funktioniert, ist die Arbeit in der Redaktion aufgeteilt. Dreh- und Angelpunkt ist der Planer: Er behält die E-Mails und Agenturen im Auge, tauscht sich mehrmals täglich auf Redaktionssitzungen mit den Kollegen von Radio, Fernsehen und Saartext aus, verteilt die Arbeitsaufträge an seine Redakteure, nimmt Beiträge und Texte ab und veröffentlicht sie schließlich auch auf der Homepage SR.de.

Um ihn herum arbeitet ein kleines Team von Redakteuren, Assistenzkräften, einer Grafikerin und die so genannten Contentpartner der Radiowellen und des Fernsehens. Diese Contentpartner haben einen direkten Draht zu den jeweiligen Radio- und Fernsehredaktionen und betreuen die Inhalte auf den jeweiligen Homepages der Wellen und Fernsehsendungen. Als Onlineredaktion sind wir einer der Vorreiter bei der crossmedialen Zusammenarbeit innerhalb des SR.

Nachrichten aus der Region – sieben Tage die Woche

Die Contentpartner stimmen sich mehrfach täglich mit der Kernredaktion von SR.de ab. Diese Kernredaktion ist von 6.30 Uhr bis 22.30 Uhr besetzt. Den Anfang macht morgens der Frühredakteur, später stoßen der Chef vom Dienst, der Planer, der Tagesredakteur, die Grafikerin und eine Assistenzkraft dazu, die Spätschicht übernimmt ein weiterer Redakteur zusammen mit einer zweiten Assistenz.

Die Assistenzen kümmern sich beispielsweise um das Einpflegen von Fernseh- und Radiobeiträgen in die Mediathek, um das Erstellen von Bildergalerien oder den Versand des Newsletters. Die Redakteure sorgen für die Inhalte. Aus der Masse an Infos, die täglich in der Redaktion einlaufen, entstehen die Beiträge. Natürlich greifen wir auch die Themen auf, die gerade in den sozialen Medien oder ganz klassisch „auf der Straße“ Gesprächsthema sind und recherchieren die Fakten dazu. Insbesondere in der heutigen Zeit, in der Fake News sich wie ein Lauffeuer verbreiten können, ist diese genaue Recherche eine unserer wichtigsten Aufgaben. Manche Fakten kann man online nachprüfen, sehr häufig sind aber das Telefon und ein Interview mit einem Experten unabdingbar.

Guter Onlinetext ist mehr als nur eine gute Überschrift

Hat der Redakteur alle Informationen recherchiert und gegebenenfalls durch mehrere Quellen geprüft, beginnt das Schreiben. Texte im Netz benötigen eine aussagekräftige Überschrift und einen guten "Teaser" – eine Art „Anreißer“, der den Kern der Nachricht auf den Punkt bringt und den Leser dazu bringt, den ganzen Artikel zu lesen. Keine leichte Aufgabe in einer Zeit, in der sich viele Nutzer bei Facebook schon damit zufrieden geben, eine Überschrift überflogen zu haben. Dann muss das passende Bild zur Meldung gefunden werden und der Text durch Audios und Videos ergänzt werden. Nicht aus dem Auge verlieren darf der Autor auch, dass sein Beitrag später über Suchmaschinen gefunden werden soll. Will etwa ein Lebacher wissen, warum in der Nacht so viele Martinshörner zu hören waren, sollte er mit seiner Suche bei Google auch die Meldung von SR.de über den Großbrand in Lebach finden können.

Vielfältiges Aufgabenspektrum

Wie eine Suchmaschine funktioniert, gehört zum Grundwissen eines Onlineredakteurs. Überhaupt sollte er technisch sehr affin sein: Er muss in der Regel zwar keine HTML-Seiten mehr selbst bauen – sollte diese so genannte Textauszeichnungssprache (engl.: Hypertext-Markup-Language) aber dennoch beherrschen. Auch wenn leistungsstarke Redaktionssysteme den Redakteuren heute viel Arbeit bei der Seitengestaltung abnehmen, ab und an kommt man um ein paar Zeilen HTML nicht herum. Und das Redaktionssystem muss schließlich auch erst einmal beherrscht werden. Hinzu kommen Recherchetools, Eingabetools für die Mediathek, Programme zur Bildbearbeitung oder spezielle Programme, mit denen Videos, Audios oder auch Sendepläne bearbeitet, gespeichert und innerhalb des SR untereinander ausgetauscht werden können.

Rasante technische Entwicklung

Regelmäßig kommen neue Programme hinzu. Der ganze Onlinebereich ist von ständigen Aktualisierungen geprägt – in keinem anderen Bereich in einem Medienunternehmen verläuft die Entwicklung so rasant. Zwischen den ersten „Online-Gehversuchen“ mit sehr textlastigen Seiten und wenigen Zusatzinhalten und dem heutigen Standard mit hochwertigen Bildern, Webvideos, exklusiven Livestreams, interaktiven Webdokus und datenjournalistisch aufbereiteten Grafiken oder Virtual Reality und 360-Grad-Videos liegen nur wenige Jahre. Außerdem sollte man nicht vergessen, welche zentrale Bedeutung die sozialen Netzwerke mittlerweile erlangt haben und wie sie unseren Alltag prägen.

Zunehmende Spezialisierung

Neben dem journalistischen Know-How ist die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit an die technischen Neuerungen eine Kernkompetenz von guten Onlineredakteuren. Mittlerweile ist das Spektrum der Aufgaben im Onlinebereich so groß, dass zunehmend auch eine Spezialisierung stattfindet. Es gibt beispielsweise spezielle Social-Media-Redakteure oder Fotoreporter und Videojournalisten. Denn auch die Produktion von exklusiven Onlinevideos stellt besondere Anforderungen an Schnitt, Bild, Grafik und Ton und Untertitelung.

Zulieferung an den ARD-Verbund

Neben der alltäglichen Berichterstattung über die Ereignisse im Saarland kümmert sich das Redaktionsteam von SR.de auch um Zulieferungen an die ARD, an tagesschau.de und an sportschau.de. Das fängt bei einzelnen Beiträgen aus der Region von bundesweitem Interesse an, geht über die ausführliche Wahlberichterstattung, umfasst gemeinsame Projekte wie die regelmäßigen ARD-Themenwochen und reicht bis hin zur Tour de France-Berichterstattung, die federführend vom Saarbrücker Halberg kommt.

Sie haben eine Frage zu SR.de? Schreiben Sie an die Redaktion:
Redaktionsleitung: Anja Geis

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