Die Känguru-Comics (Foto: Kissel / Kling / Zeit.de)

"Wie geil ist das denn?"

Saarländer zeichnet die Känguru-Comicstrips

Gerd Heger   01.12.2020 | 13:05 Uhr

Nicht im Zoo, sondern im Radio: Dort haben die Deutschen 2008 das anarchistische Känguru entdeckt. Der Autor, Kabarettist und Liedermacher Marc-Uwe Kling hat es erfunden – und zum Erfolg geführt. Unzählige Sketche, Hörbücher, Bücher, und auch einen Film später erklimmt das Känguru eine neue Stufe der Bekanntheitsskala. Und ein Saarländer ist dabei.

 (Foto: Kissel / Kling / Zeit.de)

Es will sich als neuer Nachbar Eier ausleihen, um ein Omelette zu braten – so entdeckte Deutschland 2008 das antikapitalistische und gerne mal schlecht gelaunt rumnölende Känguru – zunächst beim Berliner Radio Fritz. Nun gibt es das nervig-bauernschlaue Beuteltier als täglichen Comicstrip – bei Zeit Online im Netz. Und dafür greift der Saarländer Bernd Kissel zum Griffel:

„Das Känguru hat ja eine ganz spezielle Stimme, eine ganz spezielle Art zu sprechen. Ich würde schon fast sagen, etwas sehr Penetrantes, wenn man ihm zuhört. Diesem sehr extrovertierten Tier ein Gesicht zu verleihen war gar nicht das Problem. Aber dann das Känguru davon zu überzeugen, dass dieses gezeichnete Konterfei auch das Richtige ist, DAS war das Problem.“
Video [aktueller bericht, 01.12.2020, Länge: 3:51 Min.]
Bernd Kissel zeichnet Kängurus

Da haben sich zwei Grundskurrile gefunden, genauer gesagt drei: Auf der einen Seite der Bestsellerautor Marc-Uwe Kling, der sein alternatives Dasein erfolgreich kultiviert hat, zum Beispiel grundsätzlich keine Interviews gibt, und der sein Leiden an der kaputten, aber bequemen Konsumwelt auslebt über sein anderes Ich, das großmäulige, aber sympathisch alltägliche Känguru – zu unserem größten und leider auch selbsterkennenden Vergnügen.

Bernd Kissel verhilft dem Känguru zum Comic-Leben
Audio [SR 3, Gerd Heger, 01.12.2020, Länge: 03:12 Min.]
Bernd Kissel verhilft dem Känguru zum Comic-Leben

Auf der anderen Seite der perfektionistische Zeichner aus dem Saarland, der mit seinen Saarlegenden hierzulande bekannt wurde, mit seinen Comicromanen über Münchhausen und eine Episode der französischen Rheinkriege auch deutschlandweit. Und der mit dem neuen Projekt, das sein Verlag Carlsen vermittelt hat, in die Bundesliga der tagesaktuellen Cartoonzeichner aufsteigt – à la Uli Stein, Flix, Tetsche im Stern oder TOM in der TAZ. Nicht weit hinter den Peanuts und Hägar dem Schrecklichen.

„Das erfordert zu übersehen, was das für ein Riesenerfolg ist, der da bereits erreicht worden ist. Da sind die Bücher, die Hörbücher, der Film, die Fangemeinschaft ist riesengroß. Die Herausforderung liegt hier darin, eben genau das nicht zu sehen, sondern sich nur auf das Kreative zu konzentrieren.“
 (Foto: Kissel / Kling / Zeit.de)

Das Känguru als Strip zeichnen - eine Ehre für den Berusser mit der typischen Batschkapp. Aber ein bisschen auch eine Plage. Denn natürlich gibt es nicht nur tägliche Telefonkonferenzen mit Autor Marc-Uwe Kling, sondern es muss nun ein seltsames, im Endeffekt doch ganz schön wirkliches Fantasiewesen zufriedengestellt werden.

„Kängurus, wie ich jetzt festgestellt habe, sind sehr, sehr eitel.“

Marc-Uwe Kling (Foto: Henning Kaiser - dpa/Bildfunk)
Marc-Uwe Kling

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