Etienne François (Foto: Privat)

ici et là

Das deutsch-französische Magazin auf SR 2 KulturRadio

Lisa Huth et al.  

Sendung: Dienstag 27.08.2019 19.15 bis 20.00 Uhr

Alles ganz anders
100 Jahre Vertrag von Versailles und die Folgen


Gesprächspartner: Der emeritierte Historiker Etienne François

2019 jähren sich viele für Deutschland bedeutsame Daten. 30 Jahre Mauerfall im November; im September vor 80 Jahren begann der 2. Weltkrieg; im Mai wurde das Grundgesetz 70 und im Juni vor 100 Jahren wurde der Versailler Vertrag unterzeichnet. Der emeritierte französische Historiker Etienne François lebt in Berlin. Er hat als einer von wenigen Geschichtswissenschaftlern hat er in Frankreich und Deutschland gelehrt und geforscht.

Etienne François hat sich auf gemeinsame Erinnerungsorte spezialisiert, etwa den Waggon im Wald von Compiègne, oder den Spiegelsaal in Versailles. Er wartet mit zum Teil überraschenden Thesen auf. So sagt er klar: Den ersten Weltkrieg hat Frankreich gewollt – genauso wie  Deutschland oder Russland. Auf den zweiten Weltkrieg, sagt er, seien die Franzosen politisch, aber nicht militärisch vorbereitet gewesen.

Dazwischen, bis zur Weltwirtschaftskrise 1929, habe es eine deutliche Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland gegeben. Bis 1929 habe es zudem eine deutliche Reduzierung der Schuldenlast gegen. Die Verhältnisse seien sogar so gewesen, so Etienne François, „dass eine friedensfertige Zukunft zwischen Frankreich und Deutschland in einem friedlichem Europa die größte Wahrscheinlichkeit war.“

Die Reparationszahlungen seien verständlich wegen der ungeheuren Verluste Frankreichs, der Krieg habe ja fast ausschließlich in Frankreich gewütet.

Im Versailler Vertrag sieht Etienne François jedoch nicht die Ursache für den Aufstieg Hitlers und des Nationalsozialismus, sondern vor allem eben in der Weltwirtschaftkskrise.

Ein Interview mit zum Teil höchst unerwarteten Wendungen.


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Am Mikrofon: Lisa Huth

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Wie ticken die Franzosen? Das fragen unsere Korrespondenten, das versuchen wir in Beiträgen, Interviews, Hintergründen oder Reportagen zu ergründen. Dabei spielt das aktuelle Geschehen in Politik, Wirtschaft und Kultur ebenso eine Rolle wie alles, was das "normale Leben" ausmacht.

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