Erika Ahlbrecht-Meditz (Foto: SR)

SR-Redakteurin Erika Ahlbrecht-Meditz liebte Abenteuer mit ungewissem Ausgang

 

(ab) Ob zum Altwerden oder zu ihrer katholischen Kirche, ob bei Vorträgen, im SWR, im Österreichischen Rundfunk oder als Märchenerzählerin für die Kinder der Pfarrgemeinde: Dr. Erika Ahlbrecht-Meditz hat etwas zu sagen. Auch heute noch, mit 80 Jahren – zwei Jahrzehnte nachdem sie beim SR in den Ruhestand ging.

Und zornig kann sie werden, die ehemalige SR-Kirchenfunk-Chefin und Leiterin der Abteilung „Bildung und Erziehung“. Wenn’s sein muss, auch über die Kirche. „Anmaßend“ nennt sie deren Haltung zur Schwangerenberatung. Und „skandalös“ die Kosten des Besuches von Papst Benedikt in Deutschland. Als Chefin beim SR sei sie sehr tolerant gewesen, sagt SR-Chefredakteur Norbert Klein. Er arbeitete bei Erika Ahlbrecht-Meditz als Jugendfunk-Redakteur.  

Von Norbert Klein

Den Start in den Journalismus hatte die Österreicherin Erika Ahlbrecht-Meditz, geboren am 24. Juli 1933, sich sicherlich anders vorgestellt. Der Chefredakteur des „Linzer Volksblatts“ schickte sie am ersten Arbeitstag zum Feuerwehrjubiläum. Da hatte die junge Juristin schon ihre Promotion hinter sich, in Bologna ein Auslandsstudium absolviert, ein Jahr am Gericht gearbeitet und einen Vertrag in einer Wiener Anwaltskanzlei in der Tasche. Aber Feuerwehrfest hin oder her – die Arbeit bei der drittältesten Tageszeitung Österreichs war spannender. „G‘schmackige G‘schichtln“ sollte sie in die Redaktion und ins Blatt bringen.

„G‘schichtln“ weiß Erika Ahlbrecht-Meditz heute noch zu erzählen, rund um die zahlreichen Interviews, die sie mit vielen prominenten Geistesgrößen geführt hat. Mit dem Zoologen Konrad Lorenz zum Beispiel. Der Verhaltensbiologe erzählte ihr beim Interview-Termin in seinem Heimatort Altenberg, dass „der Karli beim Indianerspielen immer an den Marterpfahl musste“. Der Karli, erläutert Erika Ahlbrecht-Meditz, das war sein Kinderfreund Karl Popper. Kein Wunder, ergänzt sie lakonisch, dass der Karli später lieber am Schreibtisch seine philosophischen Theorien entwickelte, während der Rabauke Konrad seine Kampffische hätschelte. Irgendwie sei der Karli seelisch immer am Marterpfahl geblieben, zu einem offenen Gespräch im Studio sei er nie bereit gewesen, höchstens einen Essay vorzutragen, und dann habe er auch noch über das Honorar gemeckert …

Die Lust am Konkreten hat Erika Ahlbrecht-Meditz in den Journalismus gelockt. Diesem Erkenntnisinteresse ist sie ein Berufsleben lang treu geblieben, auch darüber hinaus. Mit Stift und Notizblock reiste sie für das „Linzer Volksblatt“ zum Zweiten Vatikanischen Konzil nach Rom. Einen jungen, 35-jährigen Theologen hat sie dort interviewt:  Josef Ratzinger. „Es war ein interessantes Gespräch“, erinnert sie sich an dies erste Zusammentreffen mit dem späteren deutschen Papst Benedikt XVI. Auch viele weitere Interviews führte sie mit Bischöfen und Erzbischöfen der Weltkirche, die angereist waren, um neue Ideen in die erstarrte katholische Amtskirche zu bringen. Abends zog sie sich in ihr möbliertes Zimmer am Petersplatz zurück, schrieb ihre Notizen ins Reine und telefonierte ihre Berichte in die Heimatredaktion nach Österreich durch.

Die Reise nach Rom hat Erika Ahlbrecht-Meditz indirekt auch zum Saarländischen Rundfunk geführt. Programmdirektor Wilhelm Zilius hatte sie auf Empfehlung des Saarbrücker Theologie-Professors und Rundfunkratsmitglieds Dr. Heinz Schuster zu einem Bewerbungsgespräch ins Funkhaus auf dem Halberg eingeladen. Er fragte sie, ob sie sich die Leitung der Kirchenfunkredaktion vorstellen könne. Dass sie „ja“ sagte, wird er erwartet haben. Etwas überrascht dagegen habe ihn aber ihre Antwort auf die Frage, zu welcher Person sie eine gute Verbindung für ihre Arbeit als besonders wichtig ansehe. „Die zu meiner Sekretärin“, habe sie da geantwortet. Der Intendant, Dr. Franz Mai, lud sie persönlich zu einem Kennenlern-Abendessen ein. Des Intendanten Eindruck ist nicht überliefert. Ihren eigenen hat sie in Erinnerung: „Ich glaube, er hielt mich wegen meines gemütlichen österreichischen Dialekts für sehr verbindlich und konfliktscheu.“ Etwas Stolz klingt mit in der Stimme von Erika Ahlbrecht-Meditz wenn sie hinzufügt: „Da hat er sich sehr geirrt. Wegen eines mir nachgesagten Linksdralls haben wir später so machen Strauß miteinander ausgefochten “. Damals jedenfalls erreichte sie schon einen Tag danach der Anruf des Programmdirektors: „Wir haben uns für Sie entschieden.“ Der 1. September 1970 war dann ihr erster Arbeitstag als Leiterin des Kirchenfunks.

Wenige Jahre und einige Strukturreformen später übernahm sie 1978 die Abteilung „Bildung und Erziehung“ im SR-Hörfunk. Zu der gehörten der Schul-, Kinder-, Jugend- und der Frauenfunk und auch die Sprachkurse.

„Es gibt eben neben einer programmprägenden Musikfarbe auch eine entsprechende Sprachfarbe. Und damit ist in diesem Falle nicht nur der österreichische Akzent gemeint, sondern auch die inhaltliche Akzentsetzung.“ – So der ehemalige Kirchenfunkleiter Norbert Sommer über seine Vorgängerin Dr. Erika Ahlbrecht-Meditz.

Erika Ahlbrecht-Meditz war es wichtig, neben ihrer Leitungsfunktion immer auch als Programmmacherin tätig zu sein. So produzierte sie weiterhin ihre Interviewsendungen im „Abendstudio“ auf SR 2 Studiowelle Saar und später auf SR 2 KulturRadio, realisierte aber auch für SR 1 Europawelle Saar die „Elternrunde“ mit der Beantwortung von Hörerfragen und für SR 3 Saarlandwelle Ratgeberbeiträge in den „Bunten Funkminuten“. Alles jeweils „dem Format angepasst“, versteht sich.
Beliebt war auch ihre Sendung „Darüber reden“. Das war ein Familienmagazin auf SR 2 am Samstagvormittag, in dem auch regelmäßig eine Gesprächsrunde mit alten Menschen stattfand. Sie erzählten von ihren Erfahrungen und aus ihrem Wissen. Viele Junge haben es gern gehört. 

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In den Achtzigern im SR-Studio: Gesprächspartner aus dem Saarbrücker Langwiedstift in der „Altenrunde“ mit Erika Ahlbrecht-Meditz (Foto: SR)

Die journalistische Leidenschaft von Erika Ahlbrecht-Meditz galt aber zweifellos den Gesprächssendungen. Die mit der Psychoanalytikerin und Kindheitsforscherin Alice Miller sei am häufigsten bei verschiedenen Sendern wiederholt worden, sagt sie. Die meisten Hörerbriefe und Anrufe habe es nach dem Gespräch mit Viktor Frankl gegeben, dem österreichischen Neurologen und Psychiater und Begründer der Logotherapie.

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In Wien im SR-Gespräch mit Erika Ahlbrecht-Meditz: Sophie Freud, die Enkelin des Begründers der Psychoanalyse, Siegmund Freud. (Foto: Erika Ahlbrecht-Meditz/SR)

„Ein Gespräch“, sagt Erika Ahlbrecht-Meditz, „ist immer ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.“ Die Hörerinnen und Hörer des Saarländischen Rundfunks haben sich immer wieder gerne auf dieses Abenteuer eingelassen.

Redaktion für den Arbeitskreis SR-Geschichte: Axel Buchholz (ab); Mitarbeit: Sven Müller, Eva Röder, Roland Schmitt

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