Karl Mages, Portrait um 1938 (Foto: Fritz Mittelstaedt)

„Rücksichtslos im Einsatz für den Führer“

Karl Mages, zweiter Intendant des „Reichssenders Saarbrücken“

 

Der „Reichssender Saarbrücken“, der erste der beiden Vorgänger-Sender des Saarländischen Rundfunks, wurde 1935 gegründet – kurz nachdem die Saarländer sich in einer Volksabstimmung für Deutschland entschieden hatten. Damit herrschten die Nationalsozialisten nun auch an der Saar. Das galt uneingeschränkt auch beim „Reichssender Saarbrücken“. Die beiden Intendanten des neuen Senders dienten der NS-Diktatur als willfährige Propagandisten im Dienst des Systems: Dr. Adolf Raskin und sein Nachfolger Karl Mages.

Von Axel Buchholz

Der „Reichssender Saarbrücken“, der erste der beiden Vorgänger-Sender des Saarländischen Rundfunks, wurde 1935 gegründet – kurz nachdem die Saarländer sich in einer Volksabstimmung für Deutschland entschieden hatten. Damit herrschten die Nationalsozialisten nun auch an der Saar. Das galt uneingeschränkt auch beim „Reichssender Saarbrücken“. Die beiden Intendanten des neuen Senders dienten der NS-Diktatur aus voller Überzeugung: Dr. Adolf Raskin und sein Nachfolger Karl Mages.

Sowohl für Intendant Dr. Adolf Raskin als auch für dessen Nachfolger Karl Mages war die Radio-Karriere zum Teil ein „Dankeschön“. Wie sein Amtsvorgänger Dr. Adolf Raskin hatte sich auch Karl Mages Propaganda-Meriten beim „Abstimmungskampf“ für die Saar-Rückgliederung erworben. Er bei der Presse, sein Vorgänger beim Rundfunk. Und beide machten Karriere.

Der Lebenslauf von Karl Mages ist ein interessantes Beispiel für eine nationalsozialistische Partei- und Pressekarriere im Gefolge eines mächtigen Gauleiters in einem ereignisreichen Abschnitt saarländischer und deutscher Geschichte. 

Karl Mages wurde am 12. Februar 1905 in Lambsheim im jetzigen Rhein-Pfalz-Kreis geboren. Sein Vater war Oberpostschaffner. Sohn Karl schrieb zu seinem eigenen beruflichen Werdegang am 1. 10. 1935 im Lebenslauf für den Reichsrundfunk Saarbrücken (Bundesarchiv RSS/24319): „Nach dem Besuch der Realschule sollte ich Kaufmann werden und trat in die Schnellpressenfabrik Albert & Co. A. G., Frankenthal ein. Inzwischen aber wendete ich mich der Journalistik zu.“ Mages schrieb dann für „Heimatzeitungen Gedichte und Aufsätze heimatlicher Art“.

Nachdem der Betrieb in der Inflation stillgelegt worden sei, habe er „ausschließlich für Zeitungen“ geschrieben. „Nach Beendigung der Inflationszeit“ zog Mages (lt. Lebenslauf) nach Kaiserslautern und „arbeitete in der Firma Pfaff, redigierte aber eine Heimatzeitschrift, die sich der Pflege der Mundart und der heimatlichen Gebräuche widmete. Die Zeitschrift ging ein“.

In dieser sicherlich finanziell kaum auskömmlichen beruflichen Situation hat Mages wohl zur rechtsradikalen Szene gefunden. Als 23-Jähriger meldete er sich 1928/9 jedenfalls „zu dem damals verpönten Freiwilligen Arbeitsdienst (Bund Artam) und kam auf diese Weise zur SA“. Bei der „Sturmabteilung (SA)“ blieb er bis 1931 und wurde dann 1939 wieder aufgenommen. Als paramilitärisch aufgebaute Ordnertruppe der NSDAP ist die SA auch heute noch für viele ein Begriff. Beim Bund Artam dürfte das kaum noch der Fall sein. Er war ein völkisch-rassistischer Teil der Bündischen Jugendbewegung. Die „ritterliche deutsche Kampfgemeinschaft auf deutscher Erde“ motivierte zuerst junge Leute zu freiwilliger Arbeitsdienstleitung auf großen Landgütern. Später versuchte sie Güter zu kaufen, sie in kleinere Höfe aufzuteilen und an bäuerliche Siedler zu vergeben. Die Artamanen standen den Nationalsozialisten ideologisch und personell sehr nahe. Sie waren die einzige bündische Jugendbewegung, die 1934 nicht aufgelöst, sondern insgesamt in die Hitlerjugend (HJ) übernommen wurde.

Mages wurde seinem Lebenslauf zufolge von Artam 1929/30 auf dem Land in Brandenburg eingesetzt und brachte es bis zum Gruppenleiter. Laut Meldekarte seiner Heimatgemeinde Lambsheim war er allerdings mit seiner Schwester Anna am 11. Januar 1929 ins mittelfränkische Rothenburg ob der Tauber (Bayern) umgezogen. Ist er im Zusammenhang mit oder nach seinem Arbeitseinsatz also auch in Rothenburg gewesen? Und wenn ja, warum? Oder wollte er nur seinen Arbeitsdienst verschleiern, weil die Artamanen „verpönt“ waren, wie er schreibt?

Karl Mages (Foto: SR/Fritz Mittelstaedt)
Karl Mages.

In seinem Lebenslauf erwähnt er einen Aufenthalt in Rothenburg nicht, obwohl die mittelalterliche Kleinstadt bei den Nationalsozialisten einen hohen Stellenwert hatte. Der Sozialwissenschaftler Bodo Kahmann schreibt in seiner Doktorarbeit dazu: „Im Einklang mit den großstadtfeindlichen Ansätzen in der Siedlungs-, Raum- und Agrarpolitik stilisierte die nationalsozialistische Geschichtspolitik die mittelalterliche (Klein-)Stadt zum Symbol eines goldenen Zeitalters des deutschen Städtewesens. Die mittelfränkische Stadt Rothenburg ob der Tauber wurde von der Propaganda zu einem Sinnbild für eine gesunde deutsche Stadt und zum Ideal einer nationalsozialistischen Gemeinschaft erklärt“ (Kahmann, S. 99). Jedenfalls sollte Rothenburg in Mages weiterem Leben noch eine wichtige Rolle spielen.

Gut ein Jahr später, am 1. Oktober 1930, trat Mages in Neustadt/Weinstraße in die NSDAP ein (Pieroth, S. 199 u. Mages, Lebenslauf). Wie bei Raskin fällt auch bei ihm sein Parteieintritt zeitlich mit einem neuen beruflichen Abschnitt zusammen: „Gegen Ende 1930 bewarb ich mich als Schriftleiter (= Redakteur) bei der gerade gegründeten Parteizeitung der NSDAP („NSZ-Rheinfront“) und trat 1931 in den ersten Monaten ein.“ Seine Tätigkeit dort beschrieb die Zeitschrift „Der Rundfunk, Blätter für nationalsozialistische Kulturgestaltung“ 1938 so: „Mages ,kämpfte‘ auch als „Schriftleiter … für die nationalsozialistische Weltanschauung“. Und wie er kämpfte: „Sein rücksichtsloser Einsatz für das Werk des Führers trug ihm eine Reihe von Prozessen und zahlreiche Strafen ein“. Mages selbst wurde in seinem Lebenslauf präziser: „Während meiner Tätigkeit als NS-Schriftleiter wurde ich 14 mal bestraft.“

Karl Mages wurde ein so vorbehaltloser und gläubiger Verkünder von Hitlers Heilslehre, dass er offenbar sogar an der bedingungslosen Linientreue seines Amtsvorgängers beim Rundfunk gewisse Zweifel hegte. Noch 40 Jahre nach Kriegsende sagte er jedenfalls in einem Recherche-Interview mit dem Verfasser (SR-Archiv), dass Raskin „im Grunde genommen“ gar kein Nationalsozialist gewesen und vorher sogar als „Salonbolschewist“ verfolgt worden sei. In die NSDAP eingetreten war Raskin erst 1933 – kurz nachdem die Nazis die Macht in Deutschland übernommen hatten. Da war er bereits fast drei Jahre lang ein sehr aktiver Parteigänger der Nazis.

Dr. Adolf Raskin (Foto: Deutsches Rundfunkmuseum)
Dr. Adolf Raskin.

Bei Mages' Einstellung als Zeitungsredakteur musste NSDAP-Gauleiter Rheinpfalz Josef Bürckel (*30. 3. 1895; ꝉ 28.9.1944) als (Mit-)Eigentümer/Verleger des Blattes seine hilfreiche Hand im Spiel gehabt haben. Und womöglich hatte er dies auch bei seinem Eintritt in die Partei, denn Bürckel war sein Arbeitgeber und als Gauleiter zugleich sein Parteichef. Vielfach wird behauptet, Bürckel soll zudem der Schwager von Karl Mages gewesen sein (Jacoby, S. 14; Mallmann/Paul, S. 126; Muskalla, S. 593; Pieroth, S. 199; Wettstein, S. 247). Wie die beiden verschwägert gewesen sein sollen, hat der Verfasser aber nirgendwo finden können.

Mages‘ Anfänge als Redakteur dürften 1931 „im materiellen Nichts“ der „NSZ Rheinfront“ „unter dem Damoklesschwert des wirtschaftlichen Ruins“ äußerst schwierig gewesen sein. „Die Verbote, Prozesse, die fast täglichen Besuche des Gerichtsvollziehers schmücken als ehrenvolle Erinnerungsnarben das Geschichtsbild unserer Zeitung“ (Zitate aus Hünerfauth, Josef, „Betriebsgemeinschaft“, S. 3).

Bürckel war bereits 1921 in die NSDAP eingetreten und 1926 NSDAP-Gauleiter geworden. Parallel zur Parteikarriere hatte der gelernte Volkschullehrer auch an seinem wirtschaftlichen Erfolg und publizistischen Einfluss gearbeitet. Zuerst engagierte er sich maßgeblich bei der NSDAP-Wochenzeitung „Der Eisenhammer“ (1926 – 1932), ein „Revolverblatt“ – sehr robust und knallig in Aufmachung und Sprache“ (a. a. O.). Daraus ging ab Ende Oktober/November 1930 die Parteizeitung „NSZ Rheinfront“ hervor. Die erste Ausgabe erschien am 25. Oktober 1930 (Pieroth, S. 180). Verlagsort für beide Titel war Haßloch.

Josef Bürckel (Foto: Sammlung Landesarchiv)
Josef Bürckel.

Bürckels Blatt warb bereits damals damit, dass es die „größte pfälzische antisemitische Tageszeitung“ sei (Pieroth a. a. O.). Gerade erst zusätzlich kommissarischer Leiter des Gaues Saar geworden, rief Bürckel dann am 17. März 1933 in seiner „NSZ Rheinfront“ zum Boykott jüdischer Geschäftsleute und Rechtsanwälte auf – schon kurz bevor dies auch im übrigen „Reich“ geschah (Martin, S. 142). 1940 schließlich ließ er im Rundfunk verkünden (a. a. O., S. 150), er habe dem „Führer“ gemeldet, dass sein Gau „judenrein“ sei – als einer der beiden ersten Gauleiter. Karl Mages, selbst „Fachredner“ der NSDAP für die Freimaurerei und das Judentum (Mages, Lebenslauf v. 24. März 1938), war da bereits längst der Intendant des Reichssenders Saarbrücken.

Logos Reichsfunkgesellschaft 1926 und Reichssender 1933 - 1945 (Foto: SR)
Logos der Reichsfunkgesellschaft 1926 und des Reichssenders 1933 - 1945.

Nach und nach wurde die „NSZ Rheinfront“ in Bürckels späterem Machtbereich vom Rhein bis nach Metz an der Mosel parallel zu seiner politischen Karriere zu „einer der größten und bedeutendsten Zeitungen des neuen Reiches“. Und laut Hühnerfauth (a. a. O., S. 4) zu einer „schlagkräftige(n) Waffe im Geisteskampf um den Aufbau des nationalsozialistischen Staates“. Die „NSZ Rheinfront“ habe „als Organ des Gauleiters … einen besonderen geistigen Standort und eine ausgeprägte politische Eigenart“.

Der Gauleiter, der bei seinem Organ das uneingeschränkte Sagen hatte, beförderte Karl Mages bereits nach knapp zwei Jahren zum Hauptschriftleiter (Chefredakteur). Im selben Jahr 1932 wurde Kaiserslautern der neue Verlagsort. Mages‘ „rücksichtsloser Einsatz“ hatte ihm also das volle Vertrauen seines Über-Chefredakteurs (Pieroth, S. 196) und zugleich Gauleiters eingebracht.

Das zeigt sich auch daran, dass Bürckel den bewährten Mages bereits nach wenigen Monaten Tätigkeit als Chefredakteur (vom 16. 6. bis zum 23. 10. 1932) in eine für ihn selbst noch wichtigere Position „versetzte“. Mages wurde zur „zentralen Figur des publizistischen Kampfes an der Saar“ (Pieroth, SS. 199, 200). Mages selbst schreibt in seinem Lebenslauf, dass er im Spätsommer (1932) von Bürckel „mit der Organisation einer Parteizeitung an die Saar beordert“ worden sei. Dort habe er die „NSZ Saarfront“ redigiert, „die nach der Machtübernahme immer wieder verboten“ worden sei. Er selbst habe nur „unter falschem Namen arbeiten“ können. Am 1. März 1934 sei die „NSZ Saarfront“ dann „umgeleitet“ worden in die „Deutsche Front“, deren Hauptschriftleiter er ebenfalls gewesen sei.  

NZZ Werbenummer (Foto: SR)
Eine Werbenummer der NSZ-Rheinfront 1932.

Bürckels NSDAP-Parteizeitung „NSZ Rheinfront“ trug schon zu Anfang im Titel die Unterzeile „für die Rheinpfalz und das deutsche Saargebiet“. Dann erschienen speziell für die Saar Nebenausgaben dieses Blattes. Zuerst war das die „NSZ-Saarfront“ (ab Juli 1932) beziehungsweise „Saarfront“ (ab 11. August 1933). Offizieller Verleger der „Saarfront“ war die „Saardeutsche Verlagsanstalt GmbH Alois Spaniol“. Der NSDAP-Landesleiter Saar Spaniol war so etwas wie der politische Strohmann Bürckels im Saargebiet. Bürckel durfte als Reichsdeutscher an der Saar nicht offiziell agieren. So wird auch Spaniols Verlegertätigkeit einzuordnen sein. Sie setzte sich fort nachdem die „NSZ-Saarfront“ ab 1. 3. 1934 (Zeitangaben nach Pieroth, Parteien und Presse in Rheinland-Pfalz, S. 729) „für das Völkerbundregime als ,Deutsche Front‘ firmiert(e)“ (Hühnerfauth, a. a. O.). Es waren politisch-taktische Gründe aus denen heraus die Nebenausgaben unter wechselnden Titeln erschienen. Sie kooperierten inhaltlich dennoch eng mit der Hauptausgabe der „NSZ Rheinfront“. Hauptschriftleiter dieser Saar-Nebenausgaben war Karl Mages.    

NSZ Rheinfront (Foto: SR)
NSZ Rheinfront: die nationalsozialistische Parteizeitung für die "Rheinpfalz und das deutscheSaargebiet".

Die „Deutsche Front“ war Mages zufolge (SR-Recherche-Interview) das „Kampforgan erst der NSDAP und später der ganzen ,Deutschen Front‘“. Unter demselben Namen „Deutschen Front“ hatten sich die konservativen Parteien für den Kampf um die Rückkehr des Saargebietes nach Deutschland zusammengeschlossen. In dieser Sammlungsbewegung gaben die Nationalsozialisten den Ton an, obwohl sie ihre Partei – wie die anderen auch – für das gemeinsame Ziel im Saargebiet offiziell aufgelöst hatten.

In der auch als „Saarkampf“ bezeichneten Propagandaschlacht vor der Saarabstimmung am 13. Januar 1935, schrieb Hauptschriftleiter Karl Mages Leitartikel mit Erkenntnissen wie diesen (1934): „Das Prinzip des Guten … (fand) in Adolf Hitler seine einzigartige Verkörperung“. Ein Kampf gegen das „neue Deutschland“ sei folglich „der Kampf des Bösen gegen das Gute“. Deshalb rufe „das Volk an der Saar … mit klarer Stirne und blanken Augen … seinen Willen … Alles für Deutschland und nur für Deutschland.“

Neben seiner Tätigkeit für die „Deutsche Front“ redigierte Mages „im Auftrag des Gauleiters die Kampfzeitungen: ,Der deutsche Kumpel‘ und ,Maske runter‘, die Aufgaben hatten die separatistischen Drahtzieher im Saarkampf zu entlarven. Die Auflagen stiegen sprunghaft bis die Regierungskommission dagegen einschritt“ (wörtlich aus Mages, Lebenslauf, a. a. O.).

Zudem war Mages zusammen mit Rupert Rupp auch Schriftleiter des Jahrbuchs 1935 „Unsere Saar“. Darin gab er sich (S. 34) bereits vor der Abstimmung siegessicher: „Die deutsche Front an der Saar steht als eine unüberwindliche Trutzburg deutschen Glaubens und deutscher Treue.“

Cover Unsere Saar (Foto: SR)

Ein Sieg in dieser Propagandaschlacht vor der Saarabstimmung war für Bürckels eigenen politischen Erfolg mitentscheidend. Nachdem Hitler am 31. Januar 1933 im Deutschen Reich an die Macht gekommen war, hatte er seinen Gauleiter Rheinpfalz nämlich offiziell zusätzlich auch zum (kommissarischen) Gauleiter Saar der NSDAP und zum Beauftragten der Partei im Saargebiet ernannt. Kommissarisch deshalb, weil das Saargebiet zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder zum Reichsgebiet gehörte. Dass das bald anders sein würde, dafür sollte und wollte Bürckel sorgen. Den Wahlkampf für die Volksabstimmung am 13. Januar 1935 zu organisieren und mit einem Wahlsieg zu krönen, war seine neue große politische Herausforderung. Sie erfolgreich zu bestehen, war für sein eigenes politisches Ansehen sehr wichtig – besonders aber für seinen „Führer“, den neuen Reichskanzler Adolf Hitler, von eminenter Bedeutung. Dass Mages dabei in herausgehobener Funktion helfen sollte, darf als ein großer Vertrauensbeweis in dessen „Kampfesgeist“ und propagandistische Kompetenz verstanden werden.

Für seine neue Aufgabe zog Mages am 25. April 1934 nach Saarbrücken um. Zuvor hatte er in Kottweiler-Schwanden gewohnt (Auskunft Stadtarchiv Saarbrücken). Der Ort liegt etwa auf halbem Weg zwischen dem Verlagsort Kaiserslautern, wo Mages zuvor für die „NRZ-Rheinfront“ bzw. „NRZ-Saarfront“ gearbeitet hatte, und dem damaligen Saargebiet, über und für das er berichtete. Am 18. Mai 1934 heiratete er in Kottweiler-Schwanden seine Frau Gerda, deren Mutter aus diesem Ort stammte.

Als die Bevölkerung des Saargebietes sich mit der überwältigenden Mehrheit von über 90 % für „Heim ins Reich“ entschieden hatte, sonnte sich Adolf Hitler in seinem ersten großen außenpolitischen Erfolg. Die wärmenden Sonnenstrahlen förderten auch Bürckels Karriere. Er wurde ab Anfang März 1935 erst Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes, am 13. Januar (!) 1936 Gauleiter beider Gaue der NSDAP unter dem Namen „Gau Saarpfalz“ und ein halbes Jahr später Reichskommissar für das Saarland.

Wie Hitler seinen Helfer Bürckel mit mehr Macht belohnte, so bedankte sich Bürckel auch bei seinem Getreuen Mages. Dessen Aufgabe bei der „Deutschen Front“ war beendet, die Zeitung hatte ihren politischen Zweck erfüllt. Allein die „NSZ Rheinfront“ erschien nun ab 1. März 1935 mit mehreren Bezirksausgaben und eigener Filialschriftleitung an der Saar. Karl Mages wurde dort vorübergehend als zweiter Hauptschriftleiter beschäftigt.

Außerdem wurde er noch „mit der Hauptschriftleitung der Kulturzeitschrift ,Die Westmark‘ beauftragt, die eine der besten deutschen Kulturzeitschriften ist“ (Mages, Lebenslauf). Als Autor dieser „Monatszeitschrift für Deutsche Kultur“ verfasste Beiträge wie „Das deutsche Blut siegt! Die Saarknappen unter französischer Verwaltung“ (4. Heft, Januar 1935). Über Emigranten, die vor Hitlerdeutschland geflohen waren, schrieb er unter der Überschrift „Der Schicksalsweg des Verrats“ (10. Heft, Juli 1935).

NSZ Westmark (Foto: SR)
Titel der internen NSZ Betriebszeitung.

Das Fazit des Saarbrücker Lokalhistorikers Stefan Weszkalnys nach Lektüre auch noch weiterer Beiträge aus seinem Privatarchiv ist eindeutig: „Karl Mages ist als Autor unmissverständlich auf Parteilinie und Propagandist Adolf Hitlers.“

Ab 1. Dezember 1940 (Pieroth, S. 197) trug die „NSZ Rheinfront“ den neuen Titel „NSZ Westmark“. Zu ihrem Verbreitungsgebiet gehörte nun auch das besetzte Ostfrankreich.

Mages arbeitete aber bereits seit dem 1. Juni 1935 beim Reichssender Saarbrücken. Dazu sagte er im Interview, Intendant Dr. Raskin habe ihn „angefordert“. Warum, wisse er (1985) immer noch nicht. Er sei zuerst aber auch „gar nicht gerne hingegangen“, weil er „lieber Journalist geblieben wäre“.

Auf die Frage, wie Raskin auf ihn gekommen sei, antwortete Mages: „Der Dr. Raskin hat damals im Rundfunk für die Saarabstimmung geworben und lernte mich damals kennen als Journalist an der „Deutschen Front“. Er selbst habe mit diesen Sendungen „gar nichts zu tun“ gehabt (SR-Recherche-Interview).

Im Gegensatz dazu ist aber auch zu lesen (Mallmann/Paul, S. 126; Jacoby, S. 141), Mages sei schon der Stellvertreter von Raskin gewesen als dieser den „Westdeutschen Gemeinschaftsdienst“ vor der Saarabstimmung leitete. Davon schreibt allerdings der Rundfunkhistoriker Dr. Ansgar Diller, der ansonsten Jacoby häufiger zitiert, nichts.

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Diese Arbeitsgruppe, mit Sitz zuerst beim Reichssender Frankfurt und dann beim Reichssender Stuttgart, organisierte (und teilweise auch produzierte) im gesamten Reichsrundfunk ab 1934 die Propagandasendungen für die Saarabstimmung. Sie unterstand dem allein für den Rundfunk zuständigen Reichspropagandaminister Goebbels und bestand aus Rundfunkfachleuten überwiegend vom Reichssender Köln. Dazu passte der Zeitungsjournalist Mages nicht, der zudem ja auch noch ein Bürckel-Vertrauter war und von diesem als Pressemann gebraucht wurde.

Plausibler ist dagegen, dass der dankbare Bürckel sich dafür eingesetzt hat, dass Mages zum Sender wechseln konnte. Er sicherte sich mit seinem „Gefolksmann“ eigenen regionalen Einfluss im neu entstehenden „Reichssender Saarbrücken“, der von dem Goebbels-Vertrauten Raskin geleitet wurde. Vergeblich versucht hatte er das schon vorher (Diller, Der Frankfurter Rundfunk 1923 – 1945, S. 125). Außerdem war Bürckel das Problem los, zwei Hauptschriftleiter bei der „NSZ-Rheinfront“ bezahlen zu müssen.

Für Mages allerdings bedeutete die Arbeit beim Reichssender Saarbrücken erst einmal einen Abstieg – wenn sicher auch verbunden mit dem Versprechen seines Förderers Bürckel für einen baldigen Wiederaufstieg. Darum ist durchaus glaubhaft, dass Mages gar nicht so gern in das damalige Erfolgsmedium Radio wechselte. Zu seiner Karriere dort und seiner Nachkriegstätigkeit in der rechtsradikalen Szene ist ein weiteres Fundstück in Arbeit.

Zitierte Quellen:

„Betriebsgemeinschaft, NSZ-Westmark“, „Neue Arbeitsräume in Saarlautern“ (damals der Name von Saarlouis), S. 11f.

„Der Rundfunk, Blätter für nationalsozialistische Kulturgestaltung“, 1938.

Diller, Ansgar, Rundfunkpolitik im Dritten Reich, München 1980 (Rundfunk in Deutschland, hrsg. von Hans Bausch, Bd. 2).

Ders., Der Frankfurter Rundfunk 1923 – 1945 unter besonderer Berücksichtigung der Zeit des Nationalsozialismus, Diss. Wiesbaden 1975.

Hühnerfauth, Josef, „Vom ,Revolverblatt' zur führenden Zeitung“, in: „Betriebsgemeinschaft, Werkszeitung der „NSZ Rheinfront“ und der angeschlossenen technischen Betriebe, Folge 1, November 1936. Der Artikel ist mit J. H. gezeichnet. Dabei dürfte es sich um Josef Hühnerfauth, den damaligen stv. NSZ-Hauptschriftleiter und Hauptschriftleiter der Anfangszeit gehandelt haben.

Jacoby, Fritz, „Die nationalsozialistische Herrschaftsübernahme an der Saar”, Saarbrücken 1973.

Kahmann, Bodo, Feindbild Jude, Feindbild Großstadt. Antisemitismus und Großstadtfeindschaft im völkischen Denken, Diss. Göttingen 2016.

Mages, Karl, Lebenslauf vom 1. 10. 1935 für den Reichssender Saarbrücken. Quelle: Bundesarchiv, Bestand R 55 (Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda), Nr.24319.

Ders., Frankreichs Pläne an der Saar, in: Unsere Saar. Jahrbuch 1935, Verlagsgemeinschaft Verlag der Deutschen Arbeitsfront Berlin, „NSZ Rheinfront“-Verlag Neustadt an der Haardt, Kurt Vowinckel-Verlag Berlin, Schriftleitung Karl Mages und Rupert Rupp.

Recherche-Interview Axel Buchholz vom 5.1.1985 mit Karl Mages (SR-Archiv).

Mallmann, Klaus Michael; Paul, Gerhard, Herrschaft und Alltag ein Industrierevier im Dritten Reich, Bonn 1991

Martin, Michael, Bürckel und die Verfolgung der Juden, in: Pia Nordblom, Walter Rummel und Barbara Schuttpelz (Hrsg.), Josef Bürckel Nationalsozialistische Herrschaft und Gefolgschaft in der Pfalz, 2. verbesserte und ergänzte Auflage, 2020.

Muskalla, Dieter, NS-Politik an der Saar unter Josef Bürckel, Saarbrücken 1995.

Pieroth, Stephan, Presse unterm Hakenkreuz, in: Gerhard Nestler, Roland Paul und Hannes Ziegler (Hrsg.): Braune Jahre in der Pfalz. Neue Beiträge zur Geschichte einer deutschen Region in der NS-Zeit (Beiträge zur pfälzischen Geschichte, Bd. 29), Kaiserslautern 2016.

Ders., Parteien und Presse in Rheinland-Pfalz 1945 – 1971, Mainz 1994.

Wettstein, Lothar: Josef Bürckel: Gauleiter Reichsstatthalter Krisenmanager Adolf Hitlers, 2. überarbeitete Ausgabe 2010.

Für hilfreiche Unterstützung bei der Recherche bedankt sich der Verfasser insbesondere bei:
Dieter Balb (langjähriger Redaktionsleiter des „Fränkischen Anzeigers“), Ruth Bauer (Stadtarchiv Saarbrücken), Eberhard Dittus (Gedenkstätte Neustadt/Weinstraße), Michael Geib (Dokumentations- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz), Dr. Bärbel Hanemann (Stadtarchiv Neustadt/Weinstraße), Florian Hüttenberger (Stadtarchiv Rothenburg o. d. T.), Dr. Roger Münch (Deutsches Zeitungsmuseum, Wadgassen), Dr. Stephan Pieroth, (Redakteur der Rheinfalz in Frankenthal und Historiker), Gerald Schleiwies (Stadtbibliothek Saarbrücken), Wolf Stegemann (Journalist und Ko-Herausgeber der Internet-Reihe „Rothenburg unterm Hakenkreuz“), Synagogengemeinde Saar, Stefan Weszkalnys (Saarbrücker Lokalhistoriker), Renate Young (ehrenamtliche Archivpflegerin der Gemeinde Lambsheim).

Redaktion für den Arbeitskreis SR-Geschichte: Axel Buchholz; Eva Röder (Gestaltung/Layout); Burkhard Döring (Illustrationen, Recherche SR-Archiv).

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