Das Flachdach eines Stadthauses ist begrünt um der fortschreitenden Flächenversiegelung in Ballungsräumen entgegenzuwirken (Foto: IMAGO / BSIP)

Wie sich Städte im Saarland gegen Klimawandel-Folgen wappnen

Tabea Prünte   27.08.2023 | 08:35 Uhr

Neben dem Klimaschutz wird auch die Klimaanpassung immer wichtiger. Denn einige Folgen der Erderwärmung lassen sich kaum noch aufhalten oder sind schon jetzt spürbar: durch Hitzewellen, langanhaltende Trockenheit oder Überschwemmungen. Um Menschen davor zu schützen, ergreifen Städte und Gemeinden im Saarland verschiedene Maßnahmen.

Weltweit werden Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Hitze immer wahrscheinlicher. In Deutschland gehen Risiken laut Bundesumweltministerium vor allem von Stürmen, extremer Hitze und Trockenheit, Starkregen und damit häufig einhergehenden Überschwemmungen aus. Auch im Saarland nimmt seit Jahren etwa die Zahl der Hitzetage zu.

Um Bürgerinnen und Bürger vor den Folgen zu schützen, müssen sich Städte diesen Klimafolgen und Extremwetterereignissen anpassen. Maßnahmen können verschieden aussehen: Weniger asphaltierte Flächen oder mehr Schattenplätze dämmen etwa die Hitze in Städten ein und können Überschwemmungen verhindern; begrünte Flächen können bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen.

Klimaanpassung Teil der Stadtplanung?

Klare und fertige Konzepte dazu gibt es allerdings bislang in keinem einzigen Landkreis im Saarland. Das hat eine bundesweite Recherche von Correctiv, NDR, BR und WDR ergeben, bei der alle deutschen Landkreise befragt wurden. Einige Landkreise verweisen auf die Zuständigkeit der Gemeinden.

Auch laut Umweltbundesamt zählen Kommunen zu den Schlüsselakteuren bei der Klimaanpassung, da viele Bereiche der Infrastruktur, beispielsweise Straßen, Kanalisation, öffentliche Gebäude oder Krankenhäuser, meist in kommunaler Hand liegen. Wie sieht es also auf dieser Ebene im Saarland aus?

Eine SR-Umfrage unter den zwölf größten Städten und Gemeinden zeigt: Größtenteils scheint das Thema durchaus Teil der Stadtplanung zu sein. Aus verschiedenen Kommunen heißt es, man denke bei aktuellen, künftigen oder kürzlich fertiggestellten Bauprojekten stets daran, öffentliche Gebäude an die Auswirkungen der Klimakrise anzupassen.

Wo Flächen entsiegelt werden

Zu den Maßnahmen gehöre etwa die Entsiegelung von asphaltierten Wegen und Plätzen. Das erfüllt laut Umweltbundesamt mehrere Zwecke, etwa dass Wasser bei Starkregen besser versickern kann oder dass es in Städten weniger heiß wird.

Neunkirchen hat das Thema Flächenentsiegelung nach eigenen Angaben etwa bei der Neugestaltung des Arno-Spengler-Platzes in Furpach mitgedacht, in St. Wendel sind entsiegelte Flächen am neu geschaffenen Rezé-Platz entstanden, in Dillingen sind Flächen bei der Sanierung des Lokschuppen-Geländes entsiegelt worden, außerdem sei dies im Rahmen der Neugestaltung des Odilienplatzes geplant.

Lebach sorgt im Rahmen der Neugestaltung der Innenstadt für mehr grüne Flächen, Blieskastel will auch Verkehrsinseln grüner gestalten, in Merzig sei das Thema bei der Neugestaltung der Ortsmitte Besseringen aufgeschlagen - hier sowie auf öffentlichen Parkplätzen sollen unter anderem mehr Bäume gepflanzt werden. In Homburg soll am Vorplatz der Hohenburgschule "aus einer ‚Betonwüste‘ eine attraktive und lebendige Wohnumgebung werden".

Lediglich in Wadern gebe es bislang keine Pläne, Flächen gezielt zu entsiegeln, heißt es von der Pressestelle der Stadt.

Dillingen ist die am meisten versiegelte Stadt im Saarland
Audio [SR 3, Kerstin Gallmeyer, 04.05.2023, Länge: 03:34 Min.]
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Wie außerdem vor Hitze geschützt wird

Hitze kann besonders für ältere und kranke Menschen, aber auch für Kinder gefährlich werden. Schattenorte und Plätze, an denen es Abkühlung gibt, sind auch in Innenstädten wichtig.

In Dillingen wurden entsprechend Kinderspielplätze mit schattenspendenden Bäumen bepflanzt, ähnlich in Saarlouis, St. Ingbert, Blieskastel oder Lebach. Auch extra Sonnensegel bieten auf Schulhöfen oder im Außenbereich von Kindergärten Schatten. In Wadern sollen an Schulen und Kitas darüber hinaus Fenster mit Sonnen- und Wärmeschutzverglasung eingebaut werden, auch in Merzig sind neue dämmende Fenster an der Grundschule St. Josef vorgesehen.

Damit Bürgerinnen und Bürger in Neunkirchen bei heißen Temperaturen nicht dehydrieren, gibt es in der Fußgängerzone einen Trinkwasserbrunnen. Ottweiler verfolgt das Ziel, in allen Stadtteilen öffentliche Trinkwasserstationen aufzubauen und auch in Saarbrücken gibt es nach Angaben der Stadt neue Brunnen an verschiedenen Stellen. Hier werde außerdem bei der Neugestaltung von Plätzen auf helle Oberflächen geachtet und ein Hitzealarmplan sei in Arbeit.

Schutz vor Starkregen und Überschwemmungen

Welche dramatischen Folgen Starkregen mit sich bringen kann, zeigen noch immer die Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021. Neben der Entsiegelung von Flächen, wodurch Regenwasser besser versickern kann, denken einige Städte im Saarland das Thema auch durch andere Maßnahmen mit.

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In Neunkirchen etwa sollen städtische Gebäude besonders abgedichtet werden, damit kein Wasser eindringen kann. Auf Flächen, die neu bebaut werden, sollen Gefälle und Gräben geschaffen werden, damit das Wasser bei Starkregen gut abfließen könne.

In verschiedenen Städten sollen außerdem begrünte Dächer als "Wasserrückhalteflächen" dienen, das heißt, sie können Regenwasser speichern. In Dillingen wurde im Stadtteil Diefflen ein extra Regenrückhaltebecken gebaut, außerdem in Ottweiler und St. Ingbert und auch in Saarbrücken sei das in Planung.

In St. Ingbert sei die Feuerwehr für Starkregenereignisse ausgestattet worden und Sandsäcke stünden als Dämmmaterial an "neuralgischen Punkten" bereit. Außerdem werde hier das Kanalsystem erneuert, um große Wassermassen aufnehmen zu können.

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Die Stadt Saarbrücken teilt außerdem mit, sogenannte Baumrigolen einzusetzen - das sei eine Kombination aus einer mit Bäumen bepflanzten Versickerungsfläche und einem unterirdischen Auffangbecken (einer Rigole). Diese Systeme würden nach Angaben der Stadt auch die Kanalsysteme vor Überlauf schützen. Am Rohrbach gebe es in Saarbrücken außerdem ein Starkregenfrühwarnsystem, das in Echtzeit die Wasserstände misst.

Die Städte Neunkirchen, St. Wendel, Dillingen, Ottweiler, Homburg, Saarlouis, St. Ingbert, Merzig, Wadern, Lebach und Blieskastel wollen außerdem ihre Bürgerinnen und Bürger für Starkregenereignisse sensibilisieren, außerdem seien etwa Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte schon beschlossen worden oder derzeit in Planung.

Städte wollen Bäume pflanzen

Sowohl zum Schutz vor Hitze als auch vor Überschwemmungen kündigen die Städte an, gezielt Bäume zu pflanzen, Fassaden oder Dächer zu begrünen. Saarlouis will dabei nicht nur im öffentlichen Raum für mehr Grün sorgen, sondern auch in den Vorgärten der Menschen und verweist dabei auf die Aktion "Hausbäume für Saarlouis". Die Stadt Blieskastel betont, dass sie hauptsächlich Bäume auswählt, die mit dem Klimawandel besser klarkommen und zum Beispiel Hitzeperioden überstehen.

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Auf kommunaler Ebene wird entsprechend schon einiges getan, um sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen. Trotzdem bleibt das ganze Thema wohl eine große Aufgabe nicht nur für Städte und Kommunen, sondern auch für die Landkreise und die Landesregierung.

Denn das Saarland erreicht im Bundesvergleich noch das ein oder andere Extrem: So war etwa 2022 der Sommer im Saarland so warm und trocken wie in keinem anderen Bundesland und erst im Mai hat eine Studie gezeigt, dass Dillingen zu den am stärksten versiegelten Kommunen deutschlandweit gehört.


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