Das LSVS-Gelände  (Foto: SR)

Polizei nutzte Sportschule kostenfrei

Thomas Gerber / Onlinefassung: Markus Person   02.10.2018 | 13:52 Uhr

Im Rahmen des Finanzskandals um den Landessportverband Saarland (LSVS) sind weitere Einzelheiten bekannt geworden. So hat die Bundespolizei Bexbach offenbar über Jahre hinweg die Einrichtungen der Landessportschule in Saarbrücken kostenlos nutzen können. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Interview: "Knapp 100.000 Euro gingen dem LSVS möglicherweise seit 2010 flöten"
Audio [SR 3, Gerd Heger sprach mit Thomas Gerber, 02.10.2018, Länge: 03:18 Min.]
Interview: "Knapp 100.000 Euro gingen dem LSVS möglicherweise seit 2010 flöten"

Demnach hielten sich die Bundespolizisten sechs Stunden pro Woche in den Einrichtungen der Landessportschule fit. An drei Tagen in der Woche sollen die Beamten für sechs Stunden die Judohalle für Kampfsport zwecks Selbstverteidigung sowie den Kraftraum genutzt haben. Seit April dieses Jahres findet dort nun kein Training der Bundespolizei mehr statt. In einer Email an die Bundespolizei kündigte der LSVS die bisher geltende Nutzungsvereinbarung mit sofortiger Wirkung.

Vereinbarung aus dem Jahr 2010

Die Vereinbarung stammt aus dem Jahr 2010 und sah die "kostenfreie Nutzung" von Halle und Kraftraum des LSVS vor. Diese Regelung galt zwar offenbar schon seit Mitte der 2000er Jahre, war zunächst aber lediglich mündlich verabredet worden. Zumindest konnte die Bundespolizei auf SR-Nachfrage keine schriftlichen Dokumente für die Jahre vor 2010 vorweisen.

Für den saarländischen FDP-Bundestagsabgeordneten Oliver Luksic, der die Anfrage seiner Fraktion angeregt hatte, passen die kostenlosen Trainings der Bundespolizei ins katastrophale Bild, das der LSVS die letzten Monate abgibt. Luksic fordert Aufklärung über die Verantwortlichkeiten und die Höhe der Einnahmeausfälle, die dem LSVS durch das kostenlose Polizistentraining entstanden sind.

Bundespolizei mit neuer Trainingsstätte

Die Einnahmeausfälle dürften nicht zu knapp sein.  Unter Führung des Konsolidierungsberaters berechnete der LSVS der Bundespolizei Mitte 2018 - so die Antwort der Bundesregierung auf die FDP-Anfrage - für die Nutzung seiner Einrichtungen etwa 65 Euro pro Stunde. Rechnet man diesen Wert auf die jahrelang kostenlosen Trainings der Bundespolizisten hoch, ergibt sich schnell ein sechsstelliger Betrag.

Die Bundespolizisten haben die Trainingsstätte inzwischen gewechselt. Sie halten sich nun gegen eine entsprechende Hallennutzungsgebühr in der Saarbrücker ATSV-Halle fit.

Timeline
Finanzaffäre beim LSVS
Der Landessportverband für das Saarland (LSVS) ist von einer Finanzaffäre betroffen. Seit Bekanntwerden im Dezember vergangenen Jahres dringen immer mehr Details an die Öffentlichkeit. Wir zeichnen die bisherige Entwicklung in unserer Zeitleiste nach.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 02.10.2018 berichtet.

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