Samuel Yeboah (Foto: Landespolizeipräsidium Saarland)

Zeugin im Yeboah-Prozess verstrickt sich in Widersprüche

Mit Informationen von Jochen Marmit   26.06.2023 | 19:37 Uhr

Mehrere Stunden lang ist am Montag eine Zeugin im Mordfall Yeboah befragt worden. Nachdem sie sich in Widersprüche verstrickte, bestätigte die Zeugin ihre früher bei der Polizei gemachte Aussage. Die grausame Tat sei damals in einer Szene-Kneipe bejubelt worden.

Im Rahmen des Prozesses um den Brandanschlag auf eine Unterkunft für Geflüchtete in Saarlouis vor über 30 Jahren sind am Montag zwei weitere Zeuginnen befragt worden. Darunter eine mittlerweile 56-jährige Kinderpflegerin, die fast vier Stunden lang vernommen wurde. Sie war seit Ende der 80er-Jahre in Saarlouis mit den Nazi-Skinheads sowie mit dem engeren Kreis um den Angeklagten Peter S. unterwegs.

Zunächst bekräftigte sie immer wieder, sie sei vom Tod des Ghanaers Samuel Yeboah geschockt gewesen. Doch dann verstrickte sie sich immer tiefer in Widersprüche, bezeichnete die Nazi-Skinheads als unpolitisch, ebenso die rechtsterroristische Vereinigung "Blood and Honour", zu der sie ebenfalls gehörte und die mittlerweile verboten ist.

Zeugin im Yeboah-Prozess verstrickt sich in Widersprüchen
Audio [SR 3, (c) Jochen Marmit, 26.06.2023, Länge: 01:19 Min.]
Zeugin im Yeboah-Prozess verstrickt sich in Widersprüchen

Laut Gericht offensichtliche Lügen

Das Gericht, Generalbundesanwaltschaft und Nebenklagevertreter warfen ihr vor, offensichtlich zu lügen. Mehrfach gab es Druck auf die verunsichert und teilweise überfordert wirkende Zeugin. Am Ende bestätigte die Zeugin dann doch ihre Aussagen aus den vorangegangenen Polizeivernehmungen. Demnach habe es eine aggressive Stimmung in der Szene gegeben, so etwas wie in Hoyerswerda auch mal im Saarland durchzuführen.

Dabei fielen auch die Namen von Heiko S. und Peter St. Vor allem in der Szenekneipe "Spinnrädchen" in St. Ingbert sei wörtlich gejubelt worden, "da haben sie einen abgefackelt".

Ex-Punkerin mit Kontakten zur Skinhead-Szene

Als zweite Zeugin wurde eine mittlerweile 46-jährige Ex-Punkerin aus Saarlouis befragt, die bereits mit 14 Jahren Kontakte zu den Nazi-Skinheads hatte. Sie bezeichnete den Angeklagten Peter S. als "Stiefellecker" und Lakai des mittlerweile in U-Haft sitzenden Peter St.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 26.06.2023 berichtet.

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