Ein Screenshot einer mutmaßlichen Betrüger-Website (Foto: SR)

So erkennen Sie unseriöse Anbieter

J. Strozyk / N. Resch / C. Deker / C. Uhl   03.07.2019 | 06:00 Uhr

Unzählige Online-Plattformen locken Kunden mit angeblichen Wettgeschäften etwa auf Aktienkurse. Sie versprechen das schnelle Geld. Doch am Ende verlieren Kunden oft alles, weil Betrüger am Werk sind. So erkennen Sie die windigen Anbieter.

Fallen stellen bei Facebook, Twitter und Co.

Die Masche der Betrüger
Audio [SR 1, Niklas Resch / Kerstin Mark, 03.07.2019, Länge: 02:12 Min.]
Die Masche der Betrüger

Ein wichtiger Kanal für Betrüger sind insbesondere die sozialen Medien. Dort werden arglosen Nutzern vielversprechende Werbeanzeigen in die Timeline gespült. Eine Masche dabei: Das ungefragte und unerlaubte Werben mit den Namen von Promis – beispielsweise Günther Jauch, Dieter Bohlen oder die Promis aus der VOX-Sendung "Höhle der Löwen". Diese Artikel sind komplett erlogen! SR und NDR haben zu einer Reihe von Opfern Kontakt, die aber genau auf solche Artikel oder Videoclips reingefallen sind.

Neben dem Internet versuchen die unseriösen Anbieter außerdem, über E-Mail oder per Telefon Opfer zu finden.

Vernunft vor Gier und Neugier

Auch wenn Angebote zum Online-Trading noch so attraktiv erscheinen, sollten Sie immer den gesunden Menschenverstand einschalten! "Es kann keine geheime Zauberformel geben, wie man eben schnell zu großem Reichtum kommt", sagt Thomas Beutler, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Und bei Finanzwetten immer auf der Siegerstraße zu sein, ist schon in der Theorie mehr als unwahrscheinlich.

Informieren, aber richtig!

Eine ganze Reihe der Anbieter will zum Handel mit binären Optionen verleiten, dem Wetten also auf das Steigen oder Fallen von Kursen. Verkauf, Vertrieb und Vermarktung von binären Optionen sind in Deutschland aber gar nicht erlaubt! Die Finanzaufsicht BaFin sagt: "zu komplex und wenig transparent". Eigentlich dürfte keinem deutschen Kunden so etwas angeboten werden. Von Anbietern, die das dennoch tun also: Finger weg!

Geht es um andere Wettgeschäfte, so raten Verbraucherschützer auch da zur Vorsicht: Selbst wer glaubt, sich gut informiert zu haben, der irrt womöglich. Finanzexperte Beutler warnt ausdrücklich vor der sonst so hilfreichen Google-Suche. "Dann landet man aber genau auf der Seite, die die Anbieter schon geschaltet haben." Solche Seiten geben sich als objektives Info-Portal aus und bescheinigen die angebliche Seriosität der Trading-Plattform. "Und das ist fatal in dem Moment“, warnt Beutler. Der Verbraucher wiegt sich in trügerischer Sicherheit.

Verbraucherschützer und BaFin raten zu einem Blick ins Impressum. Wo hat der Plattform-Anbieter seinen Sitz? Und handelt es sich um ein Unternehmen, das von der BaFin oder in einem anderen EU-Land lizenziert ist? Zur Abfrage bietet die BaFin eine Unternehmensdatenbank an: https://portal.mvp.bafin.de/database/InstInfo/

Auf Abstand halten

Kunden zwielichtiger Trading-Plattform stehen oft im regelmäßigen Kontakt zu ihrem vorgeblichen Berater. Dieser verleitet die Nutzer mit ganz verschiedenen Tricks dazu, möglichst viel Geld einzuzahlen. Manche "Berater" versuchen es mit einer freundschaftlichen Ansprache, manche erzählen sogar angeblich Privates aus dem Urlaub oder von der Familie. Sie locken mit "genialen" Trading-Ideen, gaukeln den Kunden eine Sonderbehandlung vor oder gewähren angebliche Bonuszahlungen auf das Trading-Konto.

In der Regel stimmt nichts davon. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden stimmen häufig noch nicht einmal die Namen der "Berater". Sie sind darin geschult, Druck auszuüben und ihre Opfer regelrecht zu manipulieren. Kommt einem als Kunde etwas komisch vor, auf nichts mehr einlassen! Vor allem: Kein weiteres Geld mehr einzahlen!

Achtung vor Wiederholungstätern

Die persönlichen Daten, die Kunden bei der Anmeldung auf unseriösen Plattformen eingegeben haben, sind für die Plattform-Betreiber bares Geld wert. Ermittler gehen davon aus, dass in zwielichtigen Kreisen mit den Kundendaten gehandelt wird. Tatsächlich erzählen Betroffene häufig davon, dass plötzlich auch Vertreter anderer Trading-Seiten bei ihnen anrufen. Manche Kunden berichteten von regelrechtem "Telefonterror" mit zehn oder mehr Anrufen am Tag.

Eine besonders gemeine Taktik: Unbekannte rufen ungefragt bei geprellten Kunden an und geben sich als Helfer aus. Sie verlangen die Zahlung einer bestimmten Geldsumme und versprechen, dafür das über die Trading-Plattform verlorene Geld wieder zu besorgen. Auch das, so warnen BaFin und Ermittlungsbehörden, ist die Masche von Betrügern!

Hilfe und Rat

Wer um sein Geld gebracht wurde, sollte Strafanzeige bei der Polizei stellen. Rat können auch die Finanzexperten der Verbraucherzentralen geben. Zudem gibt es Anwaltskanzleien, die sich auf Finanzbetrüger spezialisiert haben. In Wien sitzt außerdem die Initiative EFRI (European Funds Recovery Initiative), bei der man sich online registrieren kann. Ziel der Initiative ist es, Betroffene dabei zu unterstützen, Geld zurückzubekommen. Mittlerweile vertritt EFRI bereits mehrere hunderte Opfer aus dem In- und Ausland mit einer gesamten Schadenssumme von über 17 Millionen Euro.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 03.07.2019 berichtet.


Wenn’s kompliziert wird – das SR-Rechercheteam
Komplizierte Sachverhalte und investigative Berichte: Das sind die Themen für das SR-Rechercheteam. Wir bringen Relevantes ans Tageslicht, machen Missstände öffentlich und suchen nach den Hintergründen. Sie haben Informationen für uns? Dann melden Sie sich – auch vertraulich.

Artikel mit anderen teilen