Medizinisches Personal bereitet eine Spritze mit Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus vor. (Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Owen Humphrey)

Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

  01.03.2021 | 18:28 Uhr

Im Saarland sind die Corona-Impfungen gestartet. Wer wird zuerst geimpft? Wo finden die Impfungen statt? Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Und darf mich mein Arbeitgeber zur Impfung verpflichten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.



Wer wird zuerst geimpft?

Da die Zahl der verfügbaren Impfstoffe anfangs sehr begrenzt ist, wird in vier Abstufungen nacheinander geimpft. Gesundheitsminister Jens Spahn hat dazu am 18. Dezember einen Corona-Impfplan vorgestellt. Zunächst sollen Pflegeheimbewohner, Notärzte und andere Menschen mit engem Kontakt zu gefährdeten Gruppen und allgemein Menschen über 80 Jahre geimpft werden. Danach folgen abgestuft weitere Altersgruppen und Menschen mit höherem Ansteckungsrisiko.

Seit dem 16. Februar können sich auch Saarländerinnen und Saarländer, die 70 Jahre oder älter sind, für einen Impftermin in einem der saarländischen Impfzentren anmelden. Gleiches gilt für Schwerkranke aus der Priorisierungsgruppe 2. Dazu gehören Menschen mit bestimmten schweren Krankheiten wie Krebs und Menschen mit schweren Lungenerkrankungen, schwerem Diabetes und chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen.

Die genaue Einteilung der Priorisierungsgruppen ist in der Corona-Impfverordnung des Bundes geregelt.

Die zur Coronaimpfung berechtigten Personen werden im Saarland nicht angeschrieben. Vor der Impfung ist aber eine Registrierung notwendig. Diese erfolgt über die Webseite impfen.saarland.de oder über die Telefonhotline 0681 501 4422.

Schwerkranke müssen bei der Anmeldung einen "Priorisierungscode" eingeben. Diesen Code und ein dazugehöriges Formular erhalten die Betroffenen über ihren behandelnden Arzt.


Werden auch Kinder geimpft?

Nein, vorerst nicht. Nach Angaben des RKI stehen die Impfstoffe zunächst nur für Erwachsene zur Verfügung. Der Grund dafür ist in erster Linie, dass die derzeitigen Impfstoffkandidaten bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausreichend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht wurden. Alleine schon aus ethischen Gründen seien Kinder nicht für frühe Tests vorgesehen. Außerdem geht man davon aus, dass durch die Impfstoffe für Erwachsene das Infektionsgeschehen insgesamt gesenkt werde - und dadurch dann auch Kinder geschützt werden.

Zukünftig könnte es aber auch Impfstoffe für Kinder und Jugendliche geben. Das US-Unternehmen Moderna hat laut Medienberichten von Anfang Dezember eine entsprechende Studie angemeldet, die allerdings noch nicht begonnen hat und sich zudem über einen längeren Zeitraum streckt. Auch für den Impfstoff von AstraZeneca ist eine Studie mit Kindern geplant.


Wer entscheidet, wie viele Impfstoff-Dosen das Saarland bekommt?

Das Saarland hat keine eigenen Liefervereinbarungen mit Herstellern geschlossen. Das übernehmen nach Angaben des Gesundheitsministeriums die EU bzw. der Bund. Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe werden nach einem festen Verteilschlüssel unter den Bundesländern aufgeteilt.

Die EU hat bislang mit sechs Unternehmen Liefervereinbarungen geschlossen:

  • Biontech/Pfizer
  • Moderna
  • Astra-Zeneca/Oxford University
  • Sanofi/GSK
  • Janssen / Johnson & Johnson
  • Curevac

Am 21. Dezember hat die EU als ersten Impfstoff den von Biontech und Pfizer zugelassen. Bis Ende Januar haben auch die Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca eine EU-Zulassung erhalten. Mitte Februar hat der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson in der EU eine Zulassung beantragt. Eine Entscheidung darüber wird Mitte März erwartet. Zudem befindet sich der Impfstoff von Curevac aktuell im beschleunigten Prüfverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

Damit es bei Impfstoffen möglichst nicht zu unnötigen Lieferengpässen kommt, dürfen Transporte mit Impfstoff und Impfzubehör auch an Sonn- und Feiertagen per Lkw im Saarland transportiert werden. Das Fahrverbot ist dafür vorerst bis zum 30. Juni 2021 ausgesetzt. Unter Zubehör fallen beispielsweise Kanülen oder Desinfektionsmittel.


Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Nach Angaben des saarländischen Gesundheitsministerium ist es derzeit nicht möglich, sich seinen "Wunsch-Impfstoff" auszusuchen. Welches Medikament verimpft werde, richte sich vielmehr nach der Verfügbarkeit und einer möglichen Priorisierung.


Wo kann man sich im Saarland impfen lassen?

Im Saarland erfolgt die Impfung in vier speziell dafür aufgebauten Impfzentren sowie durch mobile Teams für Pflegeeinrichtungen.

  • Das saarlandweit größte Impfzentrum wurde auf dem Saarbrücker Messegelände eingerichtet.
  • Die Einwohner der zwei westlichen Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern können sich in Saarlouis, im ehemaligen Industriekomplex der Firma Braun CarTec direkt in Autobahnnähe impfen lassen.
  • Das Impfzentrum Ost befindet sich im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Neunkirchen-Sinnerthal.
  • Am 1. März hat zudem das Impfzentrum der Bundeswehr in Lebach den Betrieb aufgenommen.

Der saarländische Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling hofft zudem darauf, dass im Laufe des Jahres auch die Hausarztpraxen Impfungen übernehmen können - wenn die verfügbaren Impfstoffe "einfacher zu handhaben" sind. Im Saarland ist dazu demnächst ein Pilotprojekt geplant.

Mehrere Kommunen und Hilfsorganisationen haben Fahrdienste eingerichtet oder unterstützen bei der Anmeldung. Eine Übersicht über die Hilfsangebote gibt es hier.


Sind Impfungen zuhause möglich?

Für Über-80-Jährige, die nicht in Heimen leben, aber auch nicht mehr so mobil sind, dass sie zu einem Impfzentrum kommen können, gibt es zurzeit noch keine Impfmöglichkeit.

Das Gesundheitsministerium teilte dem SR auf Anfrage mit, dass einzelne Impfungen bei Menschen zuhause aus logistischen Gründen nicht möglich seien. Erst wenn es robustere Impfstoffe gebe, die nicht so intensiv gekühlt werden müssen, könnten auch Hausärzte diese verwenden. Sie sollen dann immobile Menschen zuhause impfen.


Wie funktioniert die Terminvergabe?

Das saarländische Gesundheitsministerium hat sein Impftermin-Vergabesystem nach massiver Kritik umgestellt. Seit dem 11. Januar ist nun der Eintrag in eine Impfliste möglich.

Seit dem 16. Februar können sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums Personen aus der Priorisierungsgruppe 2 im Internet auf der Webseite impfen.saarland.de selbst eintragen oder über die Telefonhotline 0681 501 4422 eintragen lassen.

Direkte Terminbuchungen sind nicht möglich. Stattdessen erfolgt nach einem erfolgreichen Eintrag eine automatisierte Benachrichtigung über die Aufnahme auf die Impfliste per E-Mail, SMS oder Brief. Über den konkreten Impftermin wird erst später informiert. Die Zweitimpfungen werden jeweils mit eingeplant.

Bei der Terminvergabe spielt der Zeitpunkt der Eintragung laut Gesundheitsministerium keine Rolle. Die Termine werden nach dem Zufallsprinzip vergeben – und nicht etwa nach der Reihenfolge.

Betroffene, deren Buchungsprozesse aufgrund technischer Probleme nicht abgeschlossen und der Termin nicht bestätigt werden konnte, können sich telefonisch bei der Hotline unter der 0681 501 4422 oder per E-Mail an info-impfen@soziales.saarland.de wenden.  


Wie läuft die Impfung ab?

In den drei saarländischen Impfzentren können täglich bis zu 4000 Menschen geimpft werden. Wie das genau abläuft, erklärt beispielhaft Alexander Koch, der Leiter der Stabsstelle Katastrophenschutz in Neunkirchen: Am Einlass finde zunächst eine Temperaturmessung statt. Dann werde man am Check-in registriert und in einen ersten Wartebereich geführt, von wo aus man in die Impfkabine gebeten wird.

Nach der Impfung geht es in einen zweiten Wartebereich, wo man 30 Minuten lang daraufhin überwacht wird, ob sich Reaktionen auf die Impfung zeigen. Wenn nicht, kann man am Check-out das Impfzentrum wieder verlassen.


Welche Unterlagen müssen zur Impfung mitgebracht werden?

Wer zur Impfung in eines der Impfzentren kommt, soll laut Landesregierung seinen Personalausweis, seine Versicherungskarte, seinen Impfpass und seinen Anmeldecode mitbringen. Menschen mit Vorerkrankungen sollen zudem verfügbare Unterlagen wie beispielsweise einen Allergiepass, Dialysepass, Nachsorgepass von einer Organtransplantation oder Nachweis einer bestehenden Chemotherapie mit dabei haben.


Kann mich mein Arbeitgeber zur Impfung verpflichten?

Nein, die aktuelle Corona-Impfverordnung regelt laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) nur das Recht auf eine Schutzimpfung. Eine Impfpflicht sehe die Verordnung nicht vor. Der Arbeitgeber könne auch keine Maßnahmen gegen die Mitarbeiter ergreifen, die nicht geimpft sind oder es nicht vorhaben.


Wie sicher sind die in Rekordzeit entwickelten Impfstoffe?

Normalerweise benötigt die Entwicklung eines neuen Impfstoffes mehrere Jahre - in der Coronapandemie stehen nun schon nach wenigen Monaten mehrere Kandidaten zur Verfügung. Experten betonen allerdings immer wieder, dass an der Sicherheit bei der Zulassungsprüfung nicht gespart wurde.

Dass es trotzdem so schnell ging, begründet das in Deutschland für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut mit mehreren Faktoren. Zum einen hätten die Forscher auf früheren Forschungsarbeiten zu anderen Coronaviren aufbauen können, zudem sei der Austausch mit den Arzneimittelbehörden früh intensiviert worden, klinische Prüfungsphasen kombiniert und bereits während dieser Phasen erste Ergebnisse und Daten begutachtet worden.

Erstmals kommen auch sogenannte mRNA-Impfstoffe zum Einsatz. Die von Biontech und Moderna entwickelten Impfstoffe basieren zum Beispiel darauf. Dabei werden anders als bei vielen herkömmlichen Impfungen keine abgeschwächten oder getöteten Erreger injiziert, sondern nur eine Art Bauanleitung für Teile des Virus. Wie bei vielen medizinischen Behandlungen gibt es auch bei diesen mRNA-Impfstoffen das Risiko von Nebenwirkungen. Meist handele es sich dabei um Kopfschmerzen, Schlappheit oder Schmerzen an der Einstichstelle, erklärt der Impfstoffforscher Carlos A.Guzmán im rbb. Ernsthafte Nebenwirkungen wie etwa hohes Fieber wurden in den klinischen Tests von Biontech und Moderna in etwa zwei Prozent der Fälle beobachtet. Kurz nach dem Start der Massenimpfungen in Großbritannien mit dem Impfstoff von Biontech wurden zudem bei zwei Personen allergische Reaktionen festgestellt - beides Personen, die schon in der Vergangenheit sehr anfällig für allergische Reaktionen waren. Aus diesem Grund gab die britische Arzneimittelbehörden eine Warnung vor der Impfung von Personen "mit erheblicher allergischer Vorgeschichte" heraus.

Sehr ausführlich mit der Wirkungsweise und Gerüchten rund um die neuen Impfstoffe hat sich unter anderem der BR in einem Faktenfuchs beschäftigt. Für einen schnellen Ersteindruck bietet sich auch der Beitrag des Tagesschau-Faktenfinders dazu an. Weitere Informationen zur Impfstoffsicherheit gibt es zudem hier bei tagesschau.de, hier beim NDR, hier bei BR.de und hier in einem sehr ausführlichen FAQ bei rbb24.de.


Wer sollte sich besser zunächst einmal nicht impfen lassen?

Der derzeit verfügbare Impfstoff ist für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aktuell nicht zugelassen. Sie sollten laut RKI nicht geimpft werden. Für Schwangere und Mütter in der Stillzeit wird eine Impfung nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung empfohlen, da hierzu noch nicht ausreichende Erfahrungen vorlägen.

Wer akut erkrankt ist und an Fieber über 38,5 Grad leidet, sollte sich erst nach seiner Genesung impfen lassen. Eine einfache Erkältung oder leicht erhöhte Temperatur sei jedoch kein Grund, einen Impftermin zu verschieben, so das RKI.


Ab wann setzt die Wirkung des Impfstoffes ein?

Ein ausreichender Impfschutz setzt laut RKI und dem Deutschen Grünen Kreuz bei den derzeit verfügbaren Impfstoffen sieben bzw. 14 Tage nach der zweiten Impfung ein. Nach bisherigen Studienergebnissen sind 95 Prozent der geimpften Personen vor einer Erkrankung geschützt. Noch nicht bekannt ist, wie lange dieser Schutz anhält und ob ggf. Auffrischungsimpfungen nötig sind.


Werden auch Grenzgänger geimpft?

Ja, unter der Voraussetzung, dass sie in Deutschland krankenversichert sind. Grenzgänger werden laut Gesundheitsministerium in diesen beiden Fällen in saarländischen Impfzentren geimpft:

  • Deutsche Staatsbürger mit Wohnsitz in der französischen Grenzregion, die in Deutschland krankenversichert sind.
  • Französische und luxemburgische Staatsangehörige, die für ein saarländisches Unternehmen arbeiten und in Deutschland krankenversichert sind.


Das Corona-Impf-ABC
Audio [SR 3, Steffani Balle, 01.03.2021, Länge: 02:48 Min.]
Das Corona-Impf-ABC


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