Medizinisches Personal bereitet eine Spritze mit Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus vor. (Foto: picture alliance/dpa/PA Wire | Owen Humphrey)

Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

  15.04.2021 | 18:40 Uhr

Im Saarland sind die Corona-Impfungen gestartet. Wer wird zuerst geimpft? Wo finden die Impfungen statt? Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Und darf mich mein Arbeitgeber zur Impfung verpflichten? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.



Wer wird zuerst geimpft?

Da die Zahl der verfügbaren Impfstoffe anfangs sehr begrenzt war und sich erst nach und nach erhöht, wird in vier Abstufungen nacheinander geimpft. Gesundheitsminister Jens Spahn hat dazu am 18. Dezember einen Corona-Impfplan vorgestellt.

  • Zunächst wurden Pflegeheimbewohner, Notärzte und andere Menschen mit engem Kontakt zu gefährdeten Gruppen und allgemein Menschen über 80 Jahre geimpft werden.

Die genaue Einteilung der Priorisierungsgruppen ist in der Corona-Impfverordnung des Bundes geregelt.

Die zur Coronaimpfung berechtigten Personen werden im Saarland nicht angeschrieben. Vor der Impfung ist aber eine Registrierung notwendig. Diese erfolgt über die Webseite impfen.saarland.de oder über die Telefonhotline 0681 501 4422.

Schwerkranke müssen bei der Anmeldung einen "Priorisierungscode" eingeben. Diesen Code und ein dazugehöriges Formular erhalten die Betroffenen über ihren behandelnden Arzt.


Werden auch Kinder geimpft?

Nein, vorerst nicht. Nach Angaben des RKI stehen die Impfstoffe zunächst nur für Erwachsene zur Verfügung. Der Grund dafür ist in erster Linie, dass die derzeitigen Impfstoffkandidaten bei Kindern und Jugendlichen noch nicht ausreichend auf Wirksamkeit und Sicherheit untersucht wurden. Alleine schon aus ethischen Gründen seien Kinder nicht für frühe Tests vorgesehen.

Mittlerweile laufen aber Studien mehrere Impfstoffhersteller auch bei Kindern.


Wer entscheidet, wie viele Impfstoff-Dosen das Saarland bekommt?

Das Saarland hat keine eigenen Liefervereinbarungen mit Herstellern geschlossen. Das übernehmen nach Angaben des Gesundheitsministeriums die EU bzw. der Bund. Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe werden nach einem festen Verteilschlüssel unter den Bundesländern aufgeteilt.

Die EU hat bislang mit sechs Unternehmen Liefervereinbarungen geschlossen:

  • Biontech/Pfizer
  • Moderna
  • Astra-Zeneca/Oxford University
  • Sanofi/GSK
  • Janssen / Johnson & Johnson
  • Curevac

Am 21. Dezember hat die EU als ersten Impfstoff den von Biontech und Pfizer zugelassen. Bis Ende Januar haben auch die Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca eine EU-Zulassung erhalten. Seit Anfang März ist auch der Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson in der EU zugelassen. Zudem befindet sich der Impfstoff von Curevac aktuell im beschleunigten Prüfverfahren bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

Damit es bei Impfstoffen möglichst nicht zu unnötigen Lieferengpässen kommt, dürfen Transporte mit Impfstoff und Impfzubehör auch an Sonn- und Feiertagen per Lkw im Saarland transportiert werden. Das Fahrverbot ist dafür vorerst bis zum 30. Juni 2021 ausgesetzt. Unter Zubehör fallen beispielsweise Kanülen oder Desinfektionsmittel.


Kann man sich den Impfstoff aussuchen?

Nach Angaben des saarländischen Gesundheitsministerium ist es derzeit nicht möglich, sich seinen "Wunsch-Impfstoff" auszusuchen. Welches Medikament verimpft werde, richte sich vielmehr nach der Verfügbarkeit und einer möglichen Priorisierung.


Wo kann man sich im Saarland impfen lassen?

Im Saarland erfolgt die Impfung in vier speziell dafür aufgebauten Impfzentren sowie durch mobile Teams für Pflegeeinrichtungen.

  • Das saarlandweit größte Impfzentrum wurde auf dem Saarbrücker Messegelände eingerichtet.
  • Die Einwohner der zwei westlichen Landkreise Saarlouis und Merzig-Wadern können sich in Saarlouis, im ehemaligen Industriekomplex der Firma Braun CarTec direkt in Autobahnnähe impfen lassen.
  • Das Impfzentrum Ost befindet sich im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Neunkirchen-Sinnerthal.
  • Am 1. März hat zudem das Impfzentrum der Bundeswehr in Lebach den Betrieb aufgenommen.
  • In der Woche nach Ostern sollen die Hausärzte in ihren Praxen Impfungen gegen das Coronavirus durchführen können. Entsprechende Termine sollen von den Praxen ab dem 1. April vergeben werden. Patienten sollen sich laut Kassenärztlicher Vereinigung ausdrücklich nicht bei den Praxen für eine Terminvereinbarung melden.

Mehrere Kommunen und Hilfsorganisationen haben Fahrdienste eingerichtet oder unterstützen bei der Anmeldung. Eine Übersicht über die Hilfsangebote gibt es hier.


Sind Impfungen zuhause möglich?

Für Über-80-Jährige, die nicht in Heimen leben, aber auch nicht mehr so mobil sind, dass sie zu einem Impfzentrum kommen können, gibt es zurzeit noch keine Impfmöglichkeit.

Das Gesundheitsministerium teilte dem SR auf Anfrage mit, dass einzelne Impfungen bei Menschen zuhause aus logistischen Gründen nicht möglich seien. Erst wenn es robustere Impfstoffe gebe, die nicht so intensiv gekühlt werden müssen, könnten auch Hausärzte diese verwenden. Sie sollen dann immobile Menschen zuhause impfen.


Wie funktioniert die Terminvergabe?

Das saarländische Gesundheitsministerium hat sein Impftermin-Vergabesystem nach massiver Kritik umgestellt. Seit dem 11. Januar ist nun der Eintrag in eine Impfliste möglich.

Seit dem 16. Februar können sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums Personen aus der Priorisierungsgruppe 2 im Internet auf der Webseite impfen.saarland.de selbst eintragen oder über die Telefonhotline 0681 501 4422 eintragen lassen.

Direkte Terminbuchungen sind nicht möglich. Stattdessen erfolgt nach einem erfolgreichen Eintrag eine automatisierte Benachrichtigung über die Aufnahme auf die Impfliste per E-Mail, SMS oder Brief. Über den konkreten Impftermin wird erst später informiert. Die Zweitimpfungen werden jeweils mit eingeplant.

Bei der Terminvergabe spielt der Zeitpunkt der Eintragung laut Gesundheitsministerium keine Rolle. Die Termine werden nach dem Zufallsprinzip vergeben – und nicht etwa nach der Reihenfolge.

Betroffene, deren Buchungsprozesse aufgrund technischer Probleme nicht abgeschlossen und der Termin nicht bestätigt werden konnte, können sich telefonisch bei der Hotline unter der 0681 501 4422 oder per E-Mail an info-impfen@soziales.saarland.de wenden.  


Wie läuft die Impfung ab?

In den drei saarländischen Impfzentren können täglich bis zu 4000 Menschen geimpft werden. Wie das genau abläuft, erklärt beispielhaft Alexander Koch, der Leiter der Stabsstelle Katastrophenschutz in Neunkirchen: Am Einlass finde zunächst eine Temperaturmessung statt. Dann werde man am Check-in registriert und in einen ersten Wartebereich geführt, von wo aus man in die Impfkabine gebeten wird.

Nach der Impfung geht es in einen zweiten Wartebereich, wo man 30 Minuten lang daraufhin überwacht wird, ob sich Reaktionen auf die Impfung zeigen. Wenn nicht, kann man am Check-out das Impfzentrum wieder verlassen.


Welche Unterlagen müssen zur Impfung mitgebracht werden?

Wer zur Impfung in eines der Impfzentren kommt, soll laut Landesregierung seinen Personalausweis, seine Versicherungskarte, seinen Impfpass und seinen Anmeldecode mitbringen. Menschen mit Vorerkrankungen sollen zudem verfügbare Unterlagen wie beispielsweise einen Allergiepass, Dialysepass, Nachsorgepass von einer Organtransplantation oder Nachweis einer bestehenden Chemotherapie mit dabei haben.


Kann mich mein Arbeitgeber zur Impfung verpflichten?

Nein, die aktuelle Corona-Impfverordnung regelt laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) nur das Recht auf eine Schutzimpfung. Eine Impfpflicht sehe die Verordnung nicht vor. Der Arbeitgeber könne auch keine Maßnahmen gegen die Mitarbeiter ergreifen, die nicht geimpft sind oder es nicht vorhaben.


Wer sollte sich besser zunächst einmal nicht impfen lassen?

Der derzeit verfügbare Impfstoff ist für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren aktuell nicht zugelassen. Sie sollten laut RKI nicht geimpft werden. Für Schwangere und Mütter in der Stillzeit wird eine Impfung nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung empfohlen, da hierzu noch nicht ausreichende Erfahrungen vorlägen.

Wer akut erkrankt ist und an Fieber über 38,5 Grad leidet, sollte sich erst nach seiner Genesung impfen lassen. Eine einfache Erkältung oder leicht erhöhte Temperatur sei jedoch kein Grund, einen Impftermin zu verschieben, so das RKI.


Ab wann setzt die Wirkung des Impfstoffes ein?

Ein ausreichender Impfschutz setzt laut RKI und dem Deutschen Grünen Kreuz bei den derzeit verfügbaren Impfstoffen sieben bzw. 14 Tage nach der zweiten Impfung ein. Nach bisherigen Studienergebnissen sind 95 Prozent der geimpften Personen vor einer Erkrankung geschützt. Noch nicht bekannt ist, wie lange dieser Schutz anhält und ob ggf. Auffrischungsimpfungen nötig sind.


Werden auch Grenzgänger geimpft?

Ja, unter der Voraussetzung, dass sie in Deutschland krankenversichert sind. Grenzgänger werden laut Gesundheitsministerium in diesen beiden Fällen in saarländischen Impfzentren geimpft:

  • Deutsche Staatsbürger mit Wohnsitz in der französischen Grenzregion, die in Deutschland krankenversichert sind.
  • Französische und luxemburgische Staatsangehörige, die für ein saarländisches Unternehmen arbeiten und in Deutschland krankenversichert sind.


Das Corona-Impf-ABC
Audio [SR 3, Steffani Balle, 01.03.2021, Länge: 02:48 Min.]
Das Corona-Impf-ABC
Das Impfen soll nun endlich in die Gänge kommen, die Kapazitäten an den Impf- Zentren ausgeweitet werden und auch niedergelassene Ärzte werden in einer Pilotphase ins Impfen einbezogen. Was man fürs Impfen wissen solle.


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