Inklusion: "Was wollen die in unserem Leben?"

Inklusion im Saarland: "Was wollen die in unserem Leben?"

Erfahrungen einer Erwachsenen mit Down-Syndrom

Julia Becker/ Onlinefassung: Nadja Schmieding   09.08.2023 | 12:15 Uhr

Wie ist es um die Inklusion im Saarland bestellt? Angebote für Kinder mit Beeinträchtigungen gibt es viele: Tanzen, Singen, Schwimmen. Doch wie sieht es bei den Erwachsenen aus? Wie sehr sind sie integriert?

Eva Simon hat eine erwachsene Tochter mit Down-Syndrom. Julia ist 30 Jahre alt und lebt seit neun Jahren in einer Wohngruppe der Lebenshilfe in St. Wendel.

Julia arbeitet auf dem Wendelinushof. Mama Eva ist stolz, dass ihre Tochter so selbstständig ist. Das war ihr von Anfang an wichtig, dass Julia trotz ihrer Beeinträchtigung ihren Platz im Leben findet.

Fehlende Kursangebote

Eva ist Kursleiterin eines Wassergymnastikkurses und dort macht auch Julia mit. Sie sollte etwas gegen ihre Osteoporose tun und es war schwierig, einen Kurs für sie zu finden. Da habe sie die Sache selbst in die Hand genommen und hat ihre Tocher mit in ihren Kurs genommen, erzählt Eva. Mit Erfolg: Jetzt sind es schon acht Teilnehmer mit Beeinträchtigung. Für Eva kein Problem, hier sei es doch einfach, sie zu integrieren, sagt sie.

Leben mit dem Downsyndrom (Foto: Julia Becker-Maleska/ SR )

Vereine kaum auf Inklusion ausgerichtet

Julia einfach so in einem Verein anmelden, weil sie vielleicht Theater spielen oder ein Instrument erlernen will, das sei schwierig, berichtet Eva Simon. Sie kenne kaum einen Verein, wo es möglich sei, als erwachsener Mensch mit Behinderung mitzumachen.

Tolle Unterstützung durch die Lebenshilfe

Seit Julia in St. Wendel lebt, ist sie selbstbewusster und eigenständiger geworden. Sie habe einen tollen Entwicklungssprung gemacht, freut sich Mama Eva.

Sie arbeite auf dem Wendelinushof und kann an vielen Freizeit- und Ferienaktivitäten teilnehmen, wie in den Märchenpark fahren oder das Prähistorium besichtigen.

Leben mit dem Downsyndrom (Foto: Julia Becker-Maleska/ SR )

Julia lebe in ihrer Wohngruppe in ihrer eigenen kleinen Welt, beschreibt Eva Simon. Zwar breche sie gerne mal daraus aus, aber "nur" inklusiv leben, das wolle Julia nicht. Das würde auch gar nicht funktionieren. Soweit sei die Gesellschaft noch nicht.

Noch ein langer Weg zu erfolgreicher Inklusion

Kinder mit Down-Syndrom würden immer akzeptiert, doch sobald die Betroffenen älter und erwachsener werden, sei es schwierig, sagt Eva Simon. Man hätte mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Das sei schon sehr verletzend.

Ihr Fazit: Eine umfassende Inklusion ist für erwachsene Beeinträchtigte nicht möglich. Es gebe immer noch zu viele Menschen, die sagen "Was wollen die in unserem Leben?"

Weitere Infos

Ein inklusives Musicalprojekt
"Alles ist möglich"
„Wir wollen mitmachen!“ - unter diesem Motto stellen wir inklusive Projekte im Saarland vor. Ein solches Projekt ist beispielsweise das Musical-Projekt "Alles ist möglich".

Projekt "Handball verbindet!"
Gelebte Inklusion im Sportverein
Inklusion bedeutet eine Umgebung zu schaffen, die allen Menschen gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht - auch im Hobby-Bereich. Der katholische Sportverband "Deutsche Jugendkraft" und die HG Saarlouis haben "Handball verbindet!" ins Leben gerufen. Ein Projekt für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung.

Welt-Down-Syndrom-Tag am 21.03.
Inklusive Tanzstunde in Lebach
Der "Saar 21 Down-Syndrom Saarland e.V." kümmert sich um die Belange von Menschen mit Down-Syndrom im Saarland. Der Verein arbeitet unter anderem auch mit einer Tanzschule in Lebach zusammen. Sie gehört zu den wenigen Einrichtungen, die inklusiven Tanzunterricht anbietet.

Ein Thema in der "Region am Mittag " am 09.08.2023 auf SR 3 Saarlandwelle.

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