Ein Husky bekommt Blut abgenommen. (Foto: Stephanie Pilick/dpa)

Hunde retten Leben – auch mit Blutspenden

Axel Wagner / Mit Informationen von Julia Becker   21.01.2020 | 11:35 Uhr

Große Hunde können anderen Hunden das Leben retten – durch eine Blutspende in der Tierklinik Elversberg. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen und warum es inzwischen eine Warteliste gibt, darüber hat sich SR3-Reporterin Julia Becker mit Tierärztin Dr. Monika Rieger unterhalten.

Vor ein paar Jahren haben Monika Rieger und ihr Kollege Dr. Alexander Pack den Bedarf von Hundeblutspenden erkannt und zuerst ihren eigenen Hunden Blut abgenommen. Das hat aber bei Weitem nicht gereicht. Ein bis zwei Vollblutspenden täglich können in der Tierklinik Elversberg durchgeführt werden.

Immunerkrankungen und Zeckenbisse

Hunde retten Leben – auch mit Blutspenden
Audio [SR 3, Julia Becker, 21.01.2020, Länge: 05:01 Min.]
Hunde retten Leben – auch mit Blutspenden

Dass ein Hund akut eine Transfusion benötigt, etwa weil er nach einem Unfall viel Blut verloren hat ist eher selten. Oft brauchen die Tiere eine Spende, weil sie krank sind und der Körper Unterstützung braucht, bis die Medikamente greifen. Autoimmunerkrankungen oder Erkrankungen als Folge von Zeckenbissen sind im Saarland besonders häufig die Ursache. Denn sie führen dazu, dass Hunde Anämien (Blutarmut) entwickeln.

In Elversberg besteht die Möglichkeit, Blut zu lagern. Hier gibt es die einzige Tierblutbank des Saarlandes – eine Besonderheit, wie Rieger erklärt. „Das Blut, das wir abnehmen, können wir auftrennen in Erythrozytenkonzentrate, also im Prinzip nur die roten Blutkörperchen, und in Plasma.“ Dadurch kann mit einer Vollblutspende zwei Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen geholfen werden. „Und das Blut haben wir hier gelagert, sodass wir im Notfall immer darauf zurückgreifen können.“

Diese Hunde können spenden

Ein Hundeblutspender muss groß sein und sollte bestenfalls über 30 Kilogramm wiegen. Pro Kilogramm Körpergewicht können die Veterinäre etwa 15 Milliliter Blut entnehmen. Mindestens 350 Milliliter müssen es sein, damit das Blut aufgetrennt und gelagert werden kann. Das Blut wird in Beutel gefüllt, wie sie auch in der Humanmedizin verwendet werden. Darin befinden sich bereits Gerinnungshemmer, sodass das frische Blut länger hält.

Einigermaßen entspannt sollte der Spender auch sein, so Rieger, denn die Blutspende dauert einige Zeit, und währenddessen liegt der Hund auf der Seite. „Die meisten, die das machen, machen das sehr gut.“ Und „erfahrene“ Spender wissen auch schon: Danach gibt’s ein Leckerli – Lyoner, Käse oder auch Katzenfutter, das wegen der Geschmacksstoffe besonders beliebt ist.“

Vorteile auch für den Spender

Und auch sonst haben Hund und Besitzer viele Vorteile durch die Spende: Vor jeder Blutentnahme wird ein Blutbild gemacht, nach jeder dritten Spende dürfen die Hundebesitzer sich umsonst eine Behandlung aussuchen, zum Beispiel eine Wurmkur oder Zeckenprophylaxe. Und natürlich retten die tapferen Spender mit ihrem Blut das Leben eines anderen Hundes.

Eine große Dogge ist auf dem Flyer der Blutbank der Elversberger Tierklinik abgebildet. „Ich habe einen Pudel gerettet“ steht darauf. Tierblutspenden werden gebraucht, doch kürzlich ging ein Aufruf durch die sozialen Medien, der in dem Ausmaß gar nicht notwendig war. Plötzlich haben sich viel zu viele Hundebesitzer in der Klinik zur Blutspende angemeldet.

Falscher Aufruf über Facebook

Doch den beschriebenen Notfall gab es gar nicht, wie Monika Rieger erklärt. „Das hat in keinster Weise gestimmt. Es gibt auch wenige Vergiftungen die eine Blutspende erfordern.“ Das gelte etwa bei Hunden, die Rattengift aufgenommen haben. Wenn der Blutverlust noch nicht zu groß sei, könne man das aber mit einem Medikament behandeln. Die wenigsten müssten wirklich transfundiert werden.

Zwar hatte die Klinik zu dem Zeitpunkt gerade erst einen Aufruf gestartet, um wieder mehr Spender für die Blutbank zu finden. Eine Notlage gab es jedoch nicht. Aber etwas Gutes hatte die Sache doch: „Prinzipiell ist es so, dass wir immer ein bestimmtes Kontingent an Spenden haben, die wir bei uns in der Blutbankkartei führen“, erklärt Rieger. „Da fallen natürlich auch immer wieder Spender raus, durch Krankheit oder Alter, sodass wir immer wieder regelmäßig Nachwuchs brauchen. Durch diese aktuellen Geschehnisse haben sich jetzt extrem viele Spenderbesitzer bei uns gemeldet, sodass wir schon eine Warteliste angelegt haben.“ Fällt nun ein Spender raus, hat die Klinik gleich einen Nachfolger zur Hand.

Blutspenden auch im Winter benötigt

Oft werden Krankheiten, die eine Blutspende erfordern, durch Zeckenbisse verursacht. Die Hundeblutspenden werden aber nicht nur im Sommer gebraucht, wenn die Zecken besonders aktiv sind, sondern das ganze Jahr über. „Grundsätzlich ist es so, dass wir die ersten Fälle häufig schon nach den ersten Wintermonaten haben“, so Rieger. „Gerade im Januar, Februar geht’s häufig schon los.“

Inzwischen sei zwar die Zeckenprophylaxe relativ weit verbreitet, sodass Hunde immer besser geschützt sind, aber der Bedarf sei immer da – auch im Winter.

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR 3 Saarlandwelle vom 21.01.2020 berichtet.

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