Grubenwasser unter Tage (Foto: dpa/Jan-Peter Kasper)

Grubenwasser-Pumpen laufen wieder

Caroline Uhl / mit Informationen von Uli Hauck   14.04.2015 | 14:55 Uhr

Die Grubenwasser-Pumpen in der Ensdorfer Schachtanlage Duhamel laufen wieder. Hintergrund ist der Widerspruch der Gemeinde Nalbach gegen die Genehmigung zur Teilflutung ehemaliger Baufelder, wie das Wirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Nalbach ist die erste Gemeinde, die in Sachen Grubenwasser eingeschritten ist.

Der Widerspruch der Nalbacher gegen die Genehmigung der Pläne des RAG-Konzerns zur Teilflutung der ehemaligen Baufelder Primsmulde und Dilsburg hat aufschiebende Wirkung. Die RAG musste deshalb auf Geheiß des Bergamts vom vergangenen Donnerstag vorerst die Pumpen wieder anstellen, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Inhaltlich befasst sich nun das Oberbergamt mit dem Widerspruch aus Nalbach.

Für den Nalbacher Bürgermeister Peter Lehnert (Grüne) ist das neuerliche pumpen ein erster Erfolg. Es sei von hoher Wichtigkeit, den heutigen „Status Quo“ in der Wasserhaltung zu erhalten, betonte Lehnert. Er hoffe, dass sich jetzt auch andere Gemeinden gegen die Grubenflutung engagierten.

Bei der RAG wiederum ist man vom erneuten Hochfahren nicht überrascht. Ein Unternehmenssprecher sagte dem SR, man habe damit gerechnet, die Pumpen wieder anstellen zu müssen. Der Konzern will jetzt den Antrag stellen, den Widerspruch der Gemeinde Nalbach zurückzuweisen.

Genehmigung umstritten

Politik & Wirtschaft
Neue Vorwürfe gegen RAG wegen PCB im Grubenwasser
In NRW war die PCB-Belastung in Flüssen durch eingeleitetes Grubenwasser in der Vergangenheit höher, als der Bergbaukonzern RAG einräumt. Diesen Vorwurf erhebt der Spiegel in seiner jüngsten Ausgabe. Auch in saarländischen Flüssen waren vereinzelt erhöhte PCB-Konzentrationen gemessen worden.

Über alle Parteigrenzen hinweg hatte sich der 27-köpfige Gemeinderat Ende März dazu entschieden, offiziell gegen die Grubenflutung in der eigenen Umgebung vorzugehen. Der Widerspruch richtet sich gegen eine im Februar 2013 genehmigte Flutung ehemaliger Abbaufelder. Die Genehmigung ist nach wie vor umstritten, sogar offenbar innerhalb der Behörden, wie Recherchen des SR gezeigt hatten.
Die RAG will das Wasser unter Tage steigen lassen und nicht ewig abpumpen lassen. Kritiker befürchten aber, dass es durch eine zu starke Wasserzu- oder Abnahme wieder zu Grubenbeben kommen könnte. Vor allem aber besteht die Sorge, dass mit dem Grubenwasser giftige Stoffe ins Trinkwasser gelangen könnten. Die RAG kann bislang keine konkreten Angaben darüber machen, wo genau im Saarland wie viele giftige Stoffe unter Tage verblieben sind.

Wasser bisher um 370 Meter gestiegen

Seit Genehmigung der Grubenflutung im Februar 2013 ist das Wasser in der Primsmulde um etwa 370 Meter angestiegen. Nach Angaben der RAG liegt der Wasserspiegel derzeit bei etwa minus 1100 Meter unter Normalnull.

Nalbach ist die erste Kommune im Land, die aktiv gegen die Flutung vorgeht und sich stark mit den möglichen Folgen für Mensch und Umwelt auseinandersetzt. Mit der Grubenflutung wird sich bald auch ein Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigen. Am 5. Mai wird er voraussichtlich unter Leitung des Grünen Hubert Ulrich seine Arbeit aufnehmen.

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