Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (Foto: imago images/Becker & Bredel)

Kolling bleibt im U-Ausschuss bei seiner Aussage

Thomas Gerber   09.06.2020 | 19:38 Uhr

Gesundheitsstaatssekretär Kolling blieb im Untersuchungsausschuss zum Missbrauchsverdacht an der Homburger Uniklinik bei seiner Aussage, erst vergangenes Jahr über den Vorgang informiert worden zu sein.

Kolling erklärte am Dienstag im Ausschuss, erst im April vergangenen Jahres von dem Missbrauchsverdacht erfahren zu haben - wie die Staatskanzlei und Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auch.

Allerdings heißt es in einem Vermerk über ein Gespräch zwischen Uniklinik und Ärztekammer, Kammerjustiziar Partzsch habe Kolling bereits im Dezember 2014 telefonisch über den Verdacht in Kenntnis gesetzt.

Juristin bleibt beim Vermerk

U-Ausschuss Missbrauchsskandal Homburger Uniklinik: Kolling bleibt bei seiner Aussage
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 10.06.2020, Länge: 01:08 Min.]
U-Ausschuss Missbrauchsskandal Homburger Uniklinik: Kolling bleibt bei seiner Aussage

Wie die Bemerkung seines Studienfreunds Partzsch, mit dem er als Gesundheitspolitiker seit 20 Jahren vertrauensvoll zusammenarbeite, in das Gesprächsprotokoll gelangte, kann sich Staatssekretär Stephan Kolling nicht so recht erklären.

Die Verfasserin des Vermerks, eine frühere Juristin der Uniklinik, blieb aber dabei. Sie habe bei dem Treffen nur das aufgeschrieben, was gesagt worden sei. Und auch ein zweiter Gesprächsteilnehmer, der eine nahezu gleichlautende handschriftliche Notiz verfasst hatte, blieb bei dieser Version.

Justiziar erinnert sich nicht

Justiziar Partzsch, der ebenfalls als Zeuge vernommen wurde, konnte sich an das Treffen, bei dem es um eine Strafanzeige gegen den Assistenzarzt ging, nur noch schemenhaft erinnern. Es sei zwar der bisher einzige Pädophiliefall in seiner Kammerkarriere gewesen.

Warum er aber ausgerechnet den und das Treffen nicht mehr präsent habe, könne er sich selbst nicht so recht erklären. Aussage steht also ein Stück weit gegen Aussage.

Die Sitzung des Untersuchungsausschusses wurde am Dienstagabend nach rund zehn Stunden abgebrochen. Nach Angaben der SPD soll die Befragung Kollings Anfang Juli fortgesetzt werden. Die Linke schließt eine Gegenüberstellung der Zeugen nicht aus.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 09.06.2020 berichtet.

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