Bundeskanzler Konrad Adenauer (l) wird am 21.01.1963 vom französischen Ministerpräsidenten Charles de Gaulle (r) im Pariser Élyseé-Palast empfangen.  (Foto: picture alliance / AFP | AFP)

Der Élysée-Vertrag - Manifest einer Freundschaft

  16.01.2023 | 08:00 Uhr

Lange Zeit waren Deutschland und Frankreich verfeindet. Zwei Weltkriege spielten sich auch auf französischem Boden ab. Umso schwerer vorstellbar war nach 1945 eine Aussöhnung. Dennoch wurden schließlich aus Erbfeinden Freunde.

Die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich begann nach 1945 - dem Höhepunkt der „Erbfeindschaft“ nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch zwischen den Zivilgesellschaften. Am 22. Januar 1963 gab es den entscheidenden politischen Akt: Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle unterzeichneten im Pariser Élysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

Ziel des „Élysée-Vertrags“ war eine enge Partnerschaft und eine intensive politische Kooperation beider Länder. Dazu sollten regelmäßige Konsultationen auf allen politischen Ebenen stattfinden. Außerdem wurden im Rahmen der Partnerschaft gemeinsame Institutionen gegründet. Beispiele: das deutsch-französische Jugendwerk (DFJW/OFAJ), ARTE, der Wirtschafts-, Umwelt- und der Sicherheitsrat.

Die Fakten zum Élyséevertrag
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 16.01.2023, Länge: 01:12 Min.]
Die Fakten zum Élyséevertrag

Der Élysée-Vertrag wirkt bis heute nach

Mit dem Élysée-Vertrag, dem heutigen Symbol der deutsch-französischen Versöhnung, wurde auch ein Mythos begründet. 2003, zum 40. Jahrestag des Élysée-Vertrags, unterzeichneten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Staatspräsident Jacques Chirac eine Erklärung, die Beziehungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weiter zu intensivieren - unter anderem wurden halbjährlich tagende Ministerräte eingerichtet.

Zentral war von Anfang an die Abstimmung der Positionen in der Europapolitik. Immer wieder gingen von Deutschland und Frankreich gemeinsame Initiativen zur Europäischen Integration aus. Das deutsch-französische Tandem wurde zum Motor der EU.

Seit dem Jubiläum 2003 wird der 22. Januar als „deutsch-französischer Tag“ gefeiert. Als Fortschreibung des Élysée-Vertrags gilt der Aachener Vertrag, den Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron am 22. Januar 2019 (zum 56. Jahrestag des Élysée-Vertrags) unterzeichnet haben.

Die Unterschriften und die Siegel des damaligen deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (l) und des französischen Präsidenten Charles de Gaulle sind auf dem Originaldokument des Elysée-Vertrages zu sehen. (Foto: picture-alliance / dpa | Andreas Altwein)
Die Unterschriften und die Siegel des damaligen deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (l) und des französischen Präsidenten Charles de Gaulle auf dem Originaldokument des Élysée-Vertrages.

Bedeutung des Vertrags

Mit dem Élysée-Vertrag wurde die Aussöhnung besiegelt und der Grundstein für die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich gelegt - und damit für den dauerhaften Frieden in Europa. Hintergrund des Abkommens war die Erkenntnis auf beiden Seiten, dass nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland ein vereintes und damit friedliches Europa zu erreichen sei.

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (r) und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (l) umarmen sich nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages über die Zusammenarbeit in Paris am 22. Januar 1963.  (Foto: picture alliance / dpa | UPI)
Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (r) und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (l) umarmen sich nach der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages über die Zusammenarbeit in Paris am 22. Januar 1963.

Was wird geregelt?

Im Élysée-Vertrag sind die Hauptziele der deutsch-französischen Zusammenarbeit und die institutionellen Regeln für deren Umsetzung festgelegt.

Der Vertrag enthält drei Kernvereinbarungen:

  1. Staats- und Regierungschefs treffen sich mindestens zweimal jährlich; die Außenminister mindestens alle drei Monate; Direktoren anderer Ministerien treffen sich monatlich.
  2. Die Regierungen verpflichten sich, sich in allen wichtigen Fragen der Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik abzusprechen und wenn möglich zu einer gemeinsamen Haltung zu gelangen.
  3. Die Länder widmen sich Erziehungs- und Jugendfragen gemeinsam. Das soll eine Brücke für die Zukunft zwischen beiden Ländern schlagen.



Übersichtsseite zum SR-Thementag
60 Jahre Élysée-Vertrag
Spätestens seit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags sind Deutschland und Frankreich Freunde. Aus diesem Anlass blickt der SR mit einem Themenschwerpunkt auf die deutsch-französische Freundschaft.

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