Standbild aus „LIVE“ (Foto: LIKEFILM)

Live

Eine Rezension von Leonie Rottmann  

Der Terror hat die Welt fest im Griff: Deshalb sind in der Zukunft Versammlungen jeder Art verboten. Psychologin Claire beschließt trotzdem, mit ihrem trompetenspielenden Bruder Abel ein geheimes Konzert zu veranstalten. Nach dem Vorbild der Geschichte von Kain und Abel beschäftigt sich „Live“ in düsterer Stimmung und mit überzeugenden Schauspielern mit der Frage, wer für den Terror verantwortlich ist.

Bewertung: Zwei von drei Herzen

Interview mit der Regisseurin und der Komponistin des Films
"LIVE"

Claire (Karoline Marie Reinke) arbeitet vor allem mit Anschlagsopfern direkt nach einem Anschlag. Als sie bei einem ihrer Einsätze eine Eintrittskarte findet, entscheidet sie sich, gegen die Isolation vorzugehen. Da Zusammentreffen von mehreren Personen in Zeiten von Terror und Angst verboten sind, plant sie ein geheimes Konzert mit ihrem Bruder Abel (Anton Spieker), der als Star-Trompeter schon lange nur noch vor virtuellem Publikum gespielt hat.

Unterstützung bekommen die beiden von den staatlich anerkannten Hackern Ada (Sonja Dengler) und Maximus (Corbinian Deller). Gemeinsam schaffen sie es, dass das geheime Konzert ein voller Erfolg wird. Die Pläne scheinen gut, bis Claire plötzlich ihr wahres Gesicht zeigt.

Wer macht den Terror?

Eine Welt voller Einsamkeit und Angst: Terror ist allgegenwärtig und die Frage, wie unsere Zukunft aussehen wird, beschäftigt die Menschheit. Mit eindrucksvollen Aufnahmen und authentischen Schauspielern schafft es Regisseurin Lisa Charlotte Friedrich, den Zuschauer zu packen und auf beängstigende Weise zu zeigen, wie sich das Leben in Isolation anfühlen könnte.

Dabei legt sie den Fokus nicht auf unnötige Gewaltszenen von Terrorangriffen, sondern sucht nach Erklärungen. Es geht um eine zentrale Frage: Wer macht den Terror? „Jeder ist dazu in der Lage, wenn die Bedingungen schlecht genug sind.“ Claire hat über Täterprofile promoviert und beantwortet diese Frage ganz konkret. Wie wichtig diese eher unscheinbare Szene noch für die Geschichte sein wird, ahnt der Zuschauer an dieser Stelle allerdings noch nicht.

Komplizierte Hinweise

Es ist spürbar, dass Regisseurin Lisa Charlotte Friedrich die Geschichte bis ins kleinste Detail durchdacht hat, um die Leitfrage zu beantworten. Dabei schafft sie es aber nicht, alle Teile verständlich an den Zuschauer weiterzugeben. Die Hinweise sind so versteckt, dass sie in der Geschichte teilweise untergehen.

So findet Claires Persönlichkeit wenig Beachtung, obwohl die Psychologin die Schlüsselrolle spielt. Als der Film eine dramatische Wendung nimmt, ergeben sich einige Fragen – um die Antworten zu finden, darf der Zuschauer keine Sekunde unaufmerksam gewesen sein.

Regie: Lisa Charlotte Friedrich
Deutschland 2020


Die Spielfilme im Wettbewerb
Diese 16 Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konkurrierten um insgesamt neun Preise, darunter um den mit 36.000 Euro dotierten Max Ophüls Preis: Bester Spielfilm.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja