Sicher ins Netz (Foto: Pixabay/WerbeFabrik)

Digitale Vorsorge: Was passiert mit meinen Daten?

Gut zu wissen

Mit Informationen von Yvonne Schleinhege   16.09.2021 | 08:58 Uhr

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung – davon haben viele schon mal gehört. Sie sorgen dafür, dass die Menschen im Idealfall selbst bestimmen, wer sie im Krankheitsfall vertritt oder wie das Lebensende aussehen soll. Aber das Leben spielt sich auch immer mehr im Digitalen ab. Und deshalb ist auch hier eine „digitale Vorsorge“ wichtig.

Gut zu wissen: Digitale Vorsorge - Was passiert mit meinen Daten?
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 16.09.2021, Länge: 04:43 Min.]
Gut zu wissen: Digitale Vorsorge - Was passiert mit meinen Daten?

Homebanking, Versicherungen, Cloud-Dienste, Mobilfunkverträge oder Ratenkäufe - viele Dinge erledigen wir mittlerweile Online. Und damit sind auch viele wichtige Vertragsdaten und Informationen nur noch virtuell vorhanden.

Das kann ein Problem werden, wenn Angehörige, Bevollmächtigte oder Erben keinen Überblick über die Online-Accounts und die dazu gehörigen Passwörter haben. Zusätzliche digitale Vorsorge- und Nachlassregelungen werden daher immer wichtiger, sagt Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland. Sie regeln was passiert, wenn man durch Krankheit, andere Umstände oder Tod die Online-Accounts nicht mehr selbst verwalten kann.

Verträge binden auch über den Tod hinaus

Oftmals herrsche ein Irrglaube, dass Verträge mit dem Tod enden, so die Juristin. Das ist aber nicht so, denn etwa Mobilfunkverträge oder auch Zeitschriftenabos laufen weiter. Wenn sich die Angehörigen sich dann nicht kümmern oder nicht kümmern können, kann das problematisch werden. Das Problem bei Online-Verträgen: Wird der Vertrag nicht mehr bezahlt, dann kommen die Rechnungen und Mahnungen, oft ebenfalls in digitaler Form auf ein Mail-Konto. So erfahren die Angehörigen oder Hinterbliebenen dann meist erst von Verträgen oder Verpflichtungen, wenn ein Inkassoschreiben oder ein gerichtlicher Mahnbescheid vorliegt. Und dann wird es sehr teuer, so Elif Tanto. Wichtig auch zu wissen: Alle übermittelten und gespeicherten Daten verbleiben auch über den Tod hinaus beim jeweiligen Anbieter.

Digitale Vorsorge und digitaler Verwalter

Damit die Angehörigen im Krankheits- oder Todesfall auch wissen, welche „digitalen Verpflichtungen“ man hat, sollte man eine entsprechende „digitale Vorsorge“ treffen. Hier ist es sinnvoll in drei Schritten vorzugehen: eine Konto- und Accountübersicht erstellen, eine Vertrauenspersonen bestimmen und dieser eine Vollmacht ausstellen. Natürlich können es auch zwei oder mehr Personen sein. Diese fungieren dann als Bevollmächtigte und digitale Nachlassverwalter. Wer das ist, legt man in einer Vollmacht fest. Diese Vollmacht muss man mit einem Datum versehen und unterschrieben werden. Das wichtig ist, so die Expertin Elif Tanto, dass diese Vollmacht „über den Tod hinaus" gilt. Entsprechende Mustervollmachten gibt es auf den Seiten der Verbraucherzentrale.

Digitaler Nachlass: Übersicht erstellen

Damit die Vertrauensperson auch einen Überblick hat, welche Benutzerkonten, Verträge oder Accounts vorliegen, sollte man eine Übersicht erstellen, heißt das digitale Leben ordnen. Dazu fertigt man eine Liste mit allen Benutzernamen und Kennworten an. Eine entsprechende Muster-Liste findet man ebenfalls auf den Seiten der Verbraucherzentrale (s.o.). In dieser Liste sollte auch beschrieben werden, wie in welchem Fall mit den Accounts und dem digitalen Nachlass umgegangen werden soll: welche Daten gelöscht werden sollen, wie die Vertrauensperson mit den Account in einem sozialen Netzwerk umgehen und was mit im Netz vorhandenen Fotos passieren soll.

Sicher verwahren und pflegen

Da diese Liste viele sensible und wichtige Daten enthält, sollte sie sicher verwahrt werden. Das kann in einem Tresor sein, oder auch in einem Bankschließfach, so Elif Tanto. Derjenige oder diejenige, die sich um einen digitalen Nachlass oder digitale Angelegenheiten kümmern soll, muss natürlich wissen, wo diese Liste liegt. Natürlich gibt es auch digitale Lösungen, zum Beispiel den Passwort-Manager. Wichtig außerdem: Diese Liste muss immer aktuell sein. In regelmäßigen Abständen sollte man sie also aktualisieren. Das ist auch grundsätzlich sowieso sinnvoll, so die Juristin von der Verbraucherzentrale Saarland, um auch einen allgemeinen Überblick zu haben, wo man überall registriert ist und was man davon nicht mehr nutzt. Diese Kundenkonten o.ä. sollte man dann auch löschen.  

Kommerzielle Verwalter

Inzwischen gibt es auch kommerzielle Anbieter, die sich um den digitalen Nachlass kümmern. Doch wir halten davon wenig, sagt Elif Tanto von der Verbraucherzentrale Saarland. Problematisch sei etwa, dass man ja eigentlich alle Daten und Passwörter weitergeben muss. Davon rät die Verbraucherzentrale ganz grundsätzlich ab. Außerdem seien die Dienstleistungen dieser Anbieter sehr unterschiedlich und damit auch die Kosten unübersichtlich. Einige Online-Anbieter wie Facebook oder Google bieten auch an, dass man vorab festlegen kann, wer im Falle einer Krankheit oder im Todesfall auf die Inhalte zugreifen kann. Zudem kann man in Teilen auch selbst festlegen, was wann passiert.


Weitere Informationen gibt es hier:

www.verbraucherzentrale.de
Vorbeugen mit einer Vollmacht: Sie regelt was passiert, wenn Sie durch Krankheit oder Tod Ihre Online-Accounts nicht mehr verwalten können.


Infos zum Thema Passwortmanager:


Tipp: „Woche der Vorsorge“ der Verbraucherzentralen


Die Verbraucherzentralen bieten zwischen dem 20. und dem 24. September 2021 mehrmals täglich kostenlose Online-Vorträge rund um die Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung und digitale Vorsorge an.

Mehr Infos dazu gibt es hier:
https://www.verbraucherzentrale-saarland.de/woche-der-vorsorge

"Gut zu wissen" - immer donnerstags in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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