Modellfiguren eines Rentnerpaares stehen auf einem Stapel Münzen (Foto: dpa/Ralf Hirschberger)

Finanzplan 50 +: Gut vorbereitet in die Rente

Yvonne Schleinhege   20.03.2019 | 10:20 Uhr

In den 50ern ist man im besten Alter, zumindest verspricht das die Werbeindustrie. Mit 50 Jahren plus ist man tatsächlich im besten Alter, um sich schon mal auf die Rente vorzubereiten. Wo stehe ich finanziell? Wie möchte ich später leben? Was ist wenn der Pflegefall eintritt? Fragen die man sich spätestens mit Mitte 50 stellen sollte. Die wichtigsten Aspekte fasst der SR3-Verbrauchertipp zusammen.

Meistens lebt man ja mit Mitte 50 in recht stabilen finanziellen Verhältnissen. Umfragen zeigen, dass sich die Menschen dann jedoch häufig Sorgen machen, ob sie ihren Lebensstandard im Alter halten können. Genau deshalb ist es sinnvoll mit Anfang oder Mitte 50 mal eine finanzielle Bestandsaufnahme für die Rente zu machen, rät die Zeitschrift Finanztest in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Altersvorsorge ist eigentlich ein Thema mit dem man sich schon früher befassen sollte, dennoch ist mit 50plus durchaus ein guter Zeitpunkt für einen Rentencheck.

Rentencheck: eine Bestandsaufnahme

Denn in diesem Alter wird die spätere Rente bzw. die finanziellen Mittel, die ich später zur Verfügung habe, schon etwas besser absehbar, erklärt Max Schmutzer von der Finanztest. Heißt man hat die Prognosen, wie die gesetzliche Rente mal ausfallen wird. Zudem hat man die Renteninformation was ggf. die betriebliche Rente oder die private Altersvorsorge mal bringen werden. Der Tipp der Finanztest: am besten nimmt man sich diese ganzen Unterlagen mal vor und schreibt detailliert auf, was da am Ende finanziell für einen rauskommt.

Kassensturz: Einen Finanzplan aufstellen

Der Seite der Einnahmen (Rente, private Altersvorsorge etc.) sollte man dann Ausgaben gegenüberstellen. Sinnvoll ist, laut Finanztest, eine Unterteilung in Basisausgaben (Miete/Wohnen, Versicherungen, Mobilität und Haushaltskosten), Ergänzungsausgaben und Luxusausgaben wie Reisen. Eine Grundregel sagt, dass man in der Rente rund 80 Prozent an finanziellen Mitteln haben sollte, wie zur aktiven Berufszeit, erklärt Max Schmutzer. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass auch die Ansprüche sehr unterschiedlich sind. Daher ist es sinnvoll vorher einmal einen Kassensturz zu machen. Sollte eine Finanzlücke auftreten hat man mit Anfang oder Mitte 50 noch Zeit etwas gegenzusteuern

Checkliste der Finanztest zum Download: test.de/check-50plus

Beratung: Service der Deutschen Rentenversicherung nutzen

Sinnvoll kann es sein, sich in diesem Alter auch mal bei der Deutschen Rentenversicherung Hilfe zu holen. Sie bietet eine umfassende kostenlose Altersvorsorgeberatung an, so Max Schmutzer. Zu dem Gespräch sollte man dann die jüngsten Jahresmittelungen der Betriebsrente, Riesterrente oder der privaten Altersversorgung mitnehmen. Hier bekomme man Hilfe bei der Erfassung aller Ansprüche. Es werde geklärt, was am Ende bei welchem Vertrag rauskommt, was für Sozialabgaben noch abgehen und mit welchen Steuern muss man noch rechnen muss, so der Experte. Hilfe, allerdings kostenpflichtig, gibt es auch bei vielen Verbraucherzentralen oder privaten Rentenberatern.

Aktiv werden: die Rente aufbessern

Wenn man erst mit Mitte 50 mit der Altersversorgung anfängt, dann müsse man schön ganz schon ranklotzen, so Max Schmutzer. Um noch ein Vermögen fürs Alter aufzubauen muss man schon jeden Monat sehr viel Geld zu Seite legen. Aber auch wer die Rente noch etwas aufbessern will hat durchaus einige Optionen. So könne man etwa mit Aktienfonds noch etwas Geld ansparen, so der Tipp der Finanztest. Als Einstieg eignen sich laut Finanztest zum Beispiel börsengehandelte Indexfonds. ETFs bieten aus Sicht der Verbraucherschützer eine Chance auf gute Rendite bei vernünftigem Risiko. Es gibt aber auch keine Garantie, dass am Ende mehr Geld da ist als eingezahlt wurde.

Mögliche Option: Betriebsrente

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz von 2017 gibt es nochmal eine bessere Möglichkeit die eigene Rente aufzubessern. Seit 2019 sind alle Arbeitgeber verpflichtet ihren Mitarbeitern 15 Prozent dazuzugeben, wenn diese mit eigenem Geld für Betriebsrente sparen. Der Nachteil laut Finanztest: Auch auf die betriebliche Rente fallen Steuern und auch Sozialabgaben an. Das mindert die Rente um gut 18 Prozent. Ausnahme: bei kleinen Betriebsrenten unter 155 Euro entfällt diese Beitragspflicht. Wer spät beginnt und nur kleine Beträge einzahlen kann bleibt höchstwahrscheinlich unter dem Freibetrag. Es kann also eine Option sein. Hier sollte man sich individuell beraten lassen, so der Tipp des Experten. Es gebe nicht den perfekten Weg für alle.

Wohnsituation: Wie möchte man im Alter leben?

Das Haus wird zu groß oder die Infrastruktur am Ort ist für das Alter nicht mehr optimal. Dann kann ein Umzug in eine kleinere Wohnung oder ins Ortszentrum für manche eine Option sein. Für Menschen über 50 Jahre mit Eigentum und einem guten Einkommen ist es meist kein großes Problem noch einen Kredit zu bekommen. Bei kleinerem Einkommen ist das durchaus schwieriger. Eine Eigentumswohnung kauften kann so auch mit Anfang 50 noch eine Option für die Altersvorsorge sein, etwa weil man vielleicht Sorge hat, dass die Miete im Alter nochmal steigt und zu teuer wird, oder das die Wohnung plötzlich gekündigt wird. Aber man muss sich eine Immobilie auch leisten können, das gilt im Alter wie in jungen Jahren.

Pflege: Selbstbestimmt leben 

Pflege ist für viele ein Thema um das man sich im Alter sehr viele Gedanken macht. Deshalb ist es natürlich wichtig, dass man sich spätestens mit 55 Jahren auch mal damit befasst. Es geht darum im Falle einer Pflegebedürftigkeit finanziell unabhängig zu bleiben. Denn vielfach ist es so, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nicht die kompletten Kosten für eine Pflege deckt. Bis Mitte 50 ist es laut Finanztest noch einigermaßen bezahlbar eine private Pflegezusatzversicherung (Pflegetagegeldversicherung) abzuschließen, sofern keine schwere Erkrankung vorliegt. Allerdings sollte man die Versicherung sorgsam auswählen und genau überlegen, ob man sich die laufenden Kosten auch im Rentenalter noch leisten kann.

Der Verbrauchertipp: Immer mittwochs in der Sendung "Bunte Funkminuten" auf SR 3 Saarlandwelle.

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