Wärmestube  (Foto: dpa)

Menschen im Abseits - wie wollen wir ihnen künftig helfen?

ARD-Themenwoche "#WIE LEBEN - Bleibt alles anders"

mit Informationen von Lisa Krauser   20.11.2020 | 16:30 Uhr

Finanzielle, aber auch gesundheitliche und familiäre Notstände können einen schnell an den Rand der Gesellschaft katapultieren. Wie wollen wir leben? Darum geht es in der aktuellen ARD-Themenwoche. Da stellt sich auch die Frage: Wie wollen wir als Gesellschaft mit Menschen umgehen, die unsere Unterstützung brauchen? Etwa Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen - weil sie zum Beispiel keine Arbeit finden oder nicht arbeiten können. Wie können wir sie mitnehmen und wieder integrieren?

ARD Themenwoche ""#WIE LEBEN": Wie wollen wir "Randständigen" besser helfen?
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 20.11.2020, Länge: 03:02 Min.]
ARD Themenwoche ""#WIE LEBEN": Wie wollen wir "Randständigen" besser helfen?

Eine wichtige Anlaufstelle für Menschen, die finanziell kaum über die Runden kommen, ist die Saarbrücker Wärmestube. Dort gibt es ein Frühstück für 50 Cent. Sibi ist einer der typischen Gäste hier. Der Pole ist vor vielen Jahren nach Deutschland gekommen, hat anfangs als Karrosseriebauer gearbeitet. Aber mittlerweile kann er wegen schwerer Rückenprobleme kaum mehr gehen und stehen. Er lebt von Grundsicherung, aber oft reiche das Geld kaum bis zur Monatshälfte, sagt er.

Problem der Stigmatisierung

Armutsquote auch bundesweit gestiegen
Mehr arme Menschen im Saarland
Der Anteil armer Menschen im Saarland ist im vergangenen Jahr gestiegen. Die häufigste Ursache für Armut ist dabei der Verlust des Arbeitsplatzes. Auch bundesweit nimmt die Armut zu.

"Wir sind eine Arbeitsgesellschaft und wer nicht arbeitet, ist nicht viel wert", sagt Jürgen. Er kennt die Sorgen der Gäste, die in die Wärmestube kommen. Jürgen hat selbst viele Jahre auf der Straße gelebt und setzt sich heute für die Rechte armer Menschen ein. Insbesonder nach der Einführung der Hartz IV-Gesetze habe die Stigmatisierung von sogenannten Randständigen zugenommen, sagt er.

Oft seien diese Menschen nur aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage zu arbeiten. Krankheit werde aber oft viel zu lange nicht anerkannt. Für viele bedeute das ein langer Leidensweg von einer Jobcenter-Maßnahme zur nächsten. Und am Ende stehe doch nur Hartz IV oder Grundsicherung. Damit sei ein menschenwürdiges Leben aber nicht möglich, sagt der Sozialarbeiter. 

Mehr Teilhabe gefordert

Das sieht auch Wolfgang Edlinger von der saarländischen Armutskonferenz so: "Die Sorge, die wir haben, ist, dass Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben, keine Chance mehr haben, am gesellschaftlichen Leben sinnvoll teilzunehmen." Hier müsse man viel genauer hinschauen und lernen, jeden Lebensweg erst einmal zu verstehen. Erst dann könne man individuelle Lösungen finden.

Der Umgang mit Menschen am Rande der Gesellschaft sei bisher aber oft alles andere als menschlich. Viele würden einfach als faul abgestempelt und als Nummer behandelt. Das mache es umso schwerer für sie, wieder in ein geregeltes Leben zurückzufinden.

Behördliche Hürden

Vor allem die immensen bürokratischen Hürden seitens des Sozialstaates sieht Edlinger kritisch: Die Haltung, die Betroffenen seien an ihrer Situation selbst schuld oder könnten den Staat hintergehen, sei aber ein grundlegend falscher Ansatz.

Problem Niedriglohnsektor

Große Sorge bereitet der Armutskonferenz akutell die Lage im Niedriglohnsektor. Wegen Corona seien viele Jobs verloren gegangen. Vor allem bei Frauen und 450-Euro-Jobs habe sich die Lage verschlechtert. Hier müsse unbedingt hingeschaut werden, um die Folgekosten, sowohl die finanziellen, aber auch die gesellschaftlichen, so gering wie möglich zu halten.

Auch ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 20.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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