Steharbeitsplatz im Büro (Foto: dpa)

Könnte die 15-Stunden-Woche kommen?

ARD-Themenwoche "#WIE LEBEN - Bleibt alles anders"

  17.11.2020 | 12:45 Uhr

Morgens aufstehen, frühstücken und dann geht’s zur Arbeit. Das machen die meisten an fünf Tagen in der Woche. Im Durchschnitt haben die Deutschen im vergangenen Jahr 34,8 Stunden pro Woche gearbeitet. Halb so viel wie vor 200 Jahren. Die Arbeitszeit sinkt. Der Volkswirt John Maynard Keynes hat schon im Jahr 1930 die 15-Stunden-Woche vorausgesagt. Doch könnte sie wirklich kommen?

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ARD-Themenwoche "#WIE LEBEN": Könnte die 15-Stunden-Woche kommen?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 17.11.2020, Länge: 03:06 Min.]
ARD-Themenwoche "#WIE LEBEN": Könnte die 15-Stunden-Woche kommen?

15 Stunden in der Woche arbeiten? Kai sähe darin eine Herausforderung, denn man müsste die gewonnene freie Zeit neu gestalten, sagt er. Seine Kolleginnen Ulrike und Sabine arbeiten bereits weniger pro Woche: 25 Stunden. Die gewonnene Zeit für Familie und Freizeit bedeuten für die beiden, die im Einzelhandel arbeiten, aber auch: Versicht auf Einkommen. 15 Stunden arbeiten - das kämen für die beiden nicht in Frage. Das wäre finanziell nicht tragbar, sagen sie.

Höhere Produktivität, geringere Arbeitszeit

Aktuell dürfte das wohl bei vielen der Fall sein. Auf lange Sicht gesehen könnte es aber Wirklichkeit werden. Im Jahr 1930 galt beispielsweise die 48 Stunden Woche. An sechs Tagen wurde gearbeitet. Genau eine Woche Urlaub konnten die Beschäftigten damals nehmen. "Wir haben heute 30 Tage Urlaub, wir haben eine Arbeitszeit von meistens unter 40 Stunden in der Woche und der Wohlstand ist massiv gestiegen", sagt Peter Bofinger, Prof. für Volkswirtschaft.

Obwohl wir heute weniger arbeiten, sind die Durchschnittseinkommen höher als damals. Der Grund: Weil in der Industrie werden immer mehr Maschinen eingesetzt werden, gelingt es seit Jahren, in kürzerer Zeit mehr zu produzieren, also die Produktivität zu steigern. Kürzere Arbeitszeiten seien in der Zukunft deshalb absolut möglich, sagt Peter Bofinger. Der technische Fortschritt durch Digitalisierung und der Einsatz von Roboter entwickle sich weiter "und insofern fände ich es nicht unrealistisch, dass wir vielleicht in 20 oder 30 Jahren dann als Regelarbeitszeit die Vier-Tage-Woche haben".

Die Gewerkschaften

Die IG Metall jedenfalls arbeitet daran und zieht in die nächste Tarifrunde genau mit dieser Forderung. Die Beschäftigten wünschten sich mehr Flexibilität, sagt Gewerkschaftsvertreter Ralf Reinstädtler. Aktuell gehe es auch nicht nur um die Produktivität, sondern auch um die Verteilungsfrage, sagt der Betriebsratsvorsitzende von Bosch Oliver Simon. Wenn immer weniger Aufträge da sind, müsse die Arbeit eben auch anders verteilt werden.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 17.11.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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