Belegte Brote (Foto: pixabay)

Stirbt das Abendbrot aus?

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Jil Kalmes   13.06.2022 | 06:00 Uhr

Ein belegtes Brot mit Käse oder Wurst, dazu ein paar Tomaten oder Essiggurken – das „Abendbrot“ war bei vielen deutschen Familien eigentlich immer Standard. Aber mittlerweile kochen viele am Abend und haben lieber warme Pasta, Auflauf oder Schnitzel auf dem Tisch. Ist das gute alte Abendbrot langsam vom Aussterben bedroht?

Die einen machen’s noch, die anderen sind ganz davon abgekommen – dabei war das Abendbrot lange fester Teil der deutschen Kultur und hat seine Anfänge schon im Mittelalter: Kartoffeln, Nudeln oder Reis gab es damals nämlich noch nicht.

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Stirbt das Abendbrot aus?
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 10.05.2022, Länge: 02:30 Min.]
Stirbt das Abendbrot aus?

Brot - die Nummer Eins für Jahrhunderte

Brot sei früher das dominante Nahrungsmittel gewesen, sagt Barbara Krug Richter, Professorin für Europäische Ethnologie an der Universität des Saarlandes. "In Süddeutschland hat man eher helle Brote gegessen weil die Böden auch für Dinkel geeignet waren und in Nordwest-Deutschland und im Norden hat man eher dunkles Roggenbrot gegessen."

Ob hell oder dunkel: Auf jeden Fall wurde Brot gegessen! Und das hat sich so über mehrere Jahrhunderte gehalten, denn Arbeiter hatten keine Zeit zu kochen und auch auf dem Land war das Brot beliebt, weil man es mit aufs Feld nehmen konnte.

Erst Kantine und Henkelmann, dann Abendbrot

Das Abendbrot als feste Familienmahlzeit hat sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts etabliert, als Betriebskantinen entstanden, in denen Männer etwas Warmes zu Mittag bekamen.

Wer in keine Kantine gehen konnte, nahm einen "Henkelmann" mit - eine Art Thermoskanne für warmes Gemüse oder Eintopf. Das war bis in die 70er Jahre Usus. Und da es somit mittags eine warme Mahlzeit gab, wurde am Abend kalt gegessen.

Das gemeinsame Mittagessen wird heute in den Abend verlegt

Von dieser Tradition nehmen heutzutage jedoch immer mehr Menschen Abstand. Das liege unter anderem daran, dass immer mehr Frauen berufstätig seien und das gemeinsame Familienessen dann eben am Abend mit einer warmen Mahlzeit stattfinde.

Außerdem denken immer mehr Menschen über die Zutaten in ihrem Essen nach, in der Kantine oder dem Restaurant könne man das aber nicht immer überprüfen, so die Professorin. Also auch deshalb wird abends vermehrt warm gekocht: Man hat die Kontrolle, was ins Essen reinkommt und was nicht.

Das Brot wird trotzdem bleiben

Das Ende des Brotes sei diese Veränderung aber auf keinen Fall, sagt Krug-Richter. Es verlagere sich vielmehr vom Abend auf den Mittag – zum Beispiel, wenn man sich mittags ein belegtes Brötchen holt.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 13.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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