Ein Hund an einer Leine. (Foto: SR)

In Saarbrücken heißt es jetzt "Assistenzhunde willkommen"

mit Informationen von Eva Lippold   16.05.2022 | 12:15 Uhr

Gesetzlich ist seit Juli 2021 immerhin eines klar geregelt - Assistenzhunde dürfen überall da rein, wo Menschen mit Straßenkleidung Zutritt haben. Doch das wissen viele nicht - und so ist es für Menschen, die auf einen Assistenzhund angewiesen sind, im Alltag oft schwierig. In Saarbrücken soll sich das nun ändern.

Schätzungsweise 150 bis 200 Saarländer und Saarländerinnen sind auf einen Assistenzhund angewiesen. Im Einzelhandel, in Behörden und vor allem im medizinischen Bereich wird ihnen der Zutritt mit Hund jedoch häufig verweigert.

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Saarbrücken will assistenzhundfreundlicher werden
Audio [SR 3, Eva Lippold, 16.05.2022, Länge: 03:04 Min.]
Saarbrücken will assistenzhundfreundlicher werden

Um dagegen ein Zeichen zu setzen, hat sich die Landeshauptstadt Saarbrücken nun der Kampagne "Assistenzhunde willkommen" des Vereins Pfotenpiloten angeschlossen.

Freier Zugang zu Behörden

Das bedeutet: freien Zutritt mit Assistenzhund bei Behördengängen in Saarbrücken. Gleichzeitig soll auch ein Zeichen für mehr Akzeptanz gesetzt werden. Aufkleber in allen städtischen Bereichen werden künftig darauf hinweisen, dass Assistenzhunde willkommen sind. Denn gerade Menschen, denen man ihre Behinderung nicht ansieht - wie Diabetiker oder Epilektiker - stoßen bisher häufig auf wenig Verständnis für ihren Begleithund.

Aufklärungsarbeit gefragt

Das wird auch immer wieder vom Verein "Pfotenpiloten" beobachtet. Der Verein setzt sich bundesweit dafür ein, dass die Akzeptanz für Assistenzhunde in Deutschland wächst. Denn obwohl gesetzlich klar geregelt ist, dass diese speziell ausgebildeten Hunde überall dort Zutritt haben, wo Menschen in Straßenkleidung rein dürfen, seien Betroffene im Alltag ständig damit konfrontiert, dass einem der Zutritt in Einzelhandel, in Behörden oder Kulturstätten verweigert werde - oft aus Unwissenheit, sagt Hannah Reuter vom Verein.

Ein Assistenzhund kann lebenswichtig sein

Leben mit Epilepsie
Epilepsiehund Moses gibt Sicherheit
Die 16-jährige Franziska leidet seit ihrer Kindheit an Epilepsie. Unbeaufsichtigt konnte sie so gut wie nie das Haus verlassen. Zu groß war die Sorge vor einem Anfall. Doch nun gibt es Moses. Der junge Labrador ist ein Epilepsiehund. Er kann Franziska rechtzeitig vor einem Anfall warnen - und gibt ihr so ein Stück Freiheit zurück.

Eine Betroffene ist die 16-jährige Franzi. Sie hat Epilepsie, manchmal sechs bis acht Anfälle am Tag - und das kann zu gefährlichen Situationen führen. Ohne ihren Begleithund Moses geht Franzi deshalb nirgends hin. Denn Moses spürt vor ihrem Frauchen, dass ein Anfall naht. "Er stuppst mich und im Gehen blockiert er", erzählt sie Franzi.

Doch Franzi und Moses wurde in der Vergangenheit schon häufig der Zutritt verweigert, gerade bei Behördengängen. Das habe sich zwar mittlerweile gebessert, sagt ihre Mutter Heike Weller. Aber es gebe immer noch viele Bereiche, in denen es schwierig werde - vor allem in Krankenhäusern.

Assistenzhunde auch in Winterbergklinik

Aber auch hier tut sich etwas. Denn die Winterberg-Klinik schließt sich als erste Klinik im Saarland der Kampagne an - außer in medizinisch heiklen Bereichen sind dort Assistenzhunde künftig willkommen. Natürlich werde ein Hund nicht in den OP dürfen, sagt der ärztliche Direktor der Klinik, Christian Braun. Aber wenn am Hauptgang oder in der Notaufnahme keine Barriere mehr sei, sei das schon eine Verbesserung.

Saarbrücken ist nach Merzig die zweite assistenzhundfreundliche Stadt im Saarland - bundesweit haben sich 50 Städte und Gemeinden der Kampagne angeschlossen.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" vom 16.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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