Widerstand gegen Kerosin-Ablass in Rheinland-Pfalz (Foto: SR)

Gutachten gibt Entwarnung

mit Informationen von Lena Schmidtke   31.10.2019 | 07:54 Uhr

Mehr als 140 Tonnen Kerosin haben Flugzeuge in diesem Jahr bereits über Rheinland-Pfalz abgelassen. Der Pfälzer Wald ist offizielles Ablassgebiet für Flugzeuge in Notsituationen. Vielen Leuten macht das Kerosin Angst, auch hier im Saarland.

Wie gefährlich Kerosinablass wirklich für unsere Region ist und wie betroffen die Bürger sind, hat SR 3-Reporterin Lena Schmidtke versucht rauszufinden.

„Wenn man sich den Pfälzer Wald betrachtet, ist das sehr besorgniserregend. Also wenn man sich die Baumspitzen betrachtet, ist das schon echt heftig.“ Schuld an den ungesund aussehenden Baumspitzen ist das Kerosin, sagt Rita. Sie sorgt sich aber nicht nur um die Gesundheit der Bäume, sondern auch um ihre eigene. Und das nicht grundlos: „Kerosin ist ganz klar toxisch, Kerosin ist für die Umwelt toxisch, für die Pflanzen toxisch“, sagt Bernd Kaina, Toxikologie-Professor an der Uni Mainz. Tatsächlich leiden Flughafenmitarbeiter, die etwa beim Tanken mit Kerosin in Berührung kommen an Haut- und Lebererkrankungen, schneller Erschöpfung und Konzentrationsschwäche.

Menge ist entscheidend

Aber, merkt Bernd Kaina an: „Auf die Menge kommt es in der Toxikologie an. Die Menge macht das Gift.“ Wenn ein Flugzeug eben mal zehn Tonnen Kerosin ablässt, dann ist das ja eigentlich eine ziemliche Menge. Ein Großteil davon verdampft zwar noch in der Luft, aber einiges an Kerosin erreicht den Boden. Wie viel ist temperaturabhängig: „Wenn es sehr kalt ist, im Winter in Sibirien bei -40°C, würde mehr als die Hälfte noch unten auf dem Boden ankommen. Bei der Wärme um die 20 Grad, also im Sommer, weniger als 10 Prozent.“ Bei zehn Tonnen abgelassenem Kerosin wäre das also immerhin noch eins Tonne, die auf dem Boden und den Baumspitzen des Pfälzer Waldes ankommt.

Kerosinablass unkritisch

Aber Bernd Kaina gibt Entwarnung: „Wenn man jetzt Fläche plus Verdampfung plus Vernebelung plus Verteilung durch den Wind und so weiter, alles zusammen nimmt, dann ist der gesamte Fall Out – so würd ich es mal nennen – pro Quadratmeter sehr gering.“ Und zwar so gering, dass das Umweltbundesamt in einem Gutachten von Mai den Kerosinablass als unkritisch für die menschliche Gesundheit und die Umwelt einstuft. Bernd Kaina stellt sich hinter dieses Gutachten: „Die Menschen hier sind nicht akut gefährdet. Das ist auf jeden Fall aus Sicht der Toxikologie zu unterschreiben.“ Wenn in Zukunft Flugzeuge Kerosin ablassen, wünscht er sich dennoch, dass die Umweltbelastung mit einem Messwagen geprüft wird und die Kerosinwerte genau beobachtet werden.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" auf SR3 Saarlandwelle am 31.10.19 berichtet.

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