Ein Wolf im Tierpark (Foto: picture alliance/Holger Hollemann/dpa)

"Mit der Geschlechtsreife gehen Wölfe auf Wanderung"

Interview: Frank Hofmann   30.08.2022 | 09:09 Uhr

Mitte August hat ein Wolf in der Nähe des Saarpfalz-Kreises eine Ziege gerissen. Der Wolf könnte auf der Suche nach einem neuen Revier sein, sagt die Wolfsexpertin Tatjana Schneider. Ob er sich in der Gegend ansiedle oder nur durchziehe, könne man nicht sagen.

Mitte August war es noch ein Verdacht, dass in Rheinland-Pfalz in der Nähe zur saarländischen Landesgrenze möglicherweise ein Wolf eine Ziege gerissen hat. Inzwischen hat sich der Verdacht bestätigt: Es war ein Wolf.

Audio

Wolfspark-Leiterin: "Der Wolf ist nicht auf einen Konflikt aus"
Audio [SR 3, (c) SR 3 Frank Hofmann, 30.08.2022, Länge: 04:48 Min.]
Wolfspark-Leiterin: "Der Wolf ist nicht auf einen Konflikt aus"
Fragen von Frank Hofmann an die Leiterin des Wolfsparks Werner Freund in Merzig, Tatjana Schneider.

"Wenn Wölfe geschlechtsreif werden, mit ca. zwei Jahren, gehen sie auf Wanderung, machen sich auf die Suche nach einem Territorium und einem Partner", sagt Tatjana Schneider, die Leiterin des Merziger Wolfsparks Werner Freund.

Der Anfang war in der Lausitz

Im Jahr 2000 seien die ersten beiden Wölfe nach Deutschland in die Lausitz gekommen - und zwar aus Polen, so Schneider. Die beiden Wolfsdamen haben sich auf dem dortigen Bundeswehrareal niedergelassen und Nachwuchs bekommen.

Aus diesem ersten Wolfsrundel habe es dann Abwanderungen gegeben. Und es könnten durchaus weite Stecken sein, die die Tiere auf der Suche nach einem neuen Territorium zurücklegen.

Wäre auch das Saarland ein Revier für Wölfe?

Ob sich der Wolf auch im Saarland niederlassen wird, das könne man derzeit nicht sagen, so Tatjana Schneider. "Es könnte sein, muss aber nicht." Entscheidend sei für Wölfe, dass es in dem Gebiet genug Nahrung, Platz und auch Ruhe für die Aufzucht der Jungen gebe.

Wenn der Wolf da ist

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch im Saarland ein Wolf auftaucht. Dass man dem Tier dann auch begegne, sei jedoch sehr, sehr unwahrscheinlich, sagt die Wolfsexpertin. Wölfe seien extrem scheue Tiere und mieden den Kontakt mit Menschen.

Falls der unwahrscheinliche Fall doch eintreten sollte, dass man einem Wolf begegnet, lautet ihr Rat: stehen bleiben und beobachten, was das Tier macht. In der Regel sei es so, dass der Wolf bei einer Begegnung mit dem Menschen weglaufe. "Er ist nicht auf einen Konflikt aus und wir stehen nicht auf seinem Speiseplan", so Schneider.


Mehr zum Thema


Beitrag

DNA-Auswertung liegt vor
Test bestätigt: Wolf hat Ziege in Martinshöhe gerissen
Im August waren in Rheinland-Pfalz in der Nähe der Landesgrenze zum Saarland mehrere tote Weidetiere gefunden worden. Zuletzt eine Ziege in Martinshöhe und zwei Schafe in Rosenkopf. Nun hat sich bestätigt, was bereits vermutet wurde: Ein Wolf war der Verursacher.


Audio

Der Ziegenbesitzer: "Ich muss das nicht haben, dass sich der Wolf hier niederlässt"
Audio [SR 3, Nadine Irmer, 30.08.2022, Länge: 02:44 Min.]
Der Ziegenbesitzer: "Ich muss das nicht haben, dass sich der Wolf hier niederlässt"
Es ist nun Gewissheit: Mindestens ein Wolf treibt in unserer Region sein Unwesen, das ergab die DNA-Probe. In Martinshöhe bei Bruchmühlbach Miesau hat er eine Ziege gerissen, in Rosenkopf in der Gemeinde Zweibrücker Land zwei Schafe. SR-Reporterin Nadine Irmer ist nach Martinshöhe gefahren und hat mit dem Besitzer der Ziegen gesprochen, der die Tiere als Hobby und zur Landschaftspflege hält.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 30.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja