Familie Soltani  (Foto: SR/Marc Drumm)

Familie Soltani lebt mittlerweile in Ottweiler

mit Informationen von Kerstin Gallmeyer   09.02.2022 | 11:54 Uhr

Sie erinnern sich sicher an die Bilder aus Afghanistan aus dem vergangenen August, die viele von uns sehr bewegt haben: Die USA und die anderen NATO-Staaten, darunter auch Deutschland, zogen ihre Soldaten aus dem Land ab. Die Taliban eroberten Stück für Stück von Afghanistan zurück. In der Folge verließen nicht nur Angehörige der westlichen Nationen das Land - auch die afghanischen Ortskräfte, die unter anderem für die Bundeswehr gearbeitet hatten, versuchten zu fliehen. Familie Soltani aus dem Norden Afghanistans ist zunächst auf eigene Faust über Pakistan geflohen und nun - Monate später - in Ottweiler angekommen. Mit Hilfe eines alteingesessenen Ottweilers, versuchen sie sich ein neues Leben aufzubauen.

Es ist ein grauer und ungemütlicher Tag Anfang Februar. Der erste Monat des neuen Jahres ist gerade herum – doch für Familie Soltani sind es die ersten Wochen ihres neuen Lebens. Mitte Januar sind Mohamad Soltani und seine Frau Aisha mit ihren fünf Kindern bei Paul-Gerhard Zeiger in Ottweiler eingezogen. Über 5000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Vater Mohamad hat dort als Sicherheitsmann für eine deutsche Organisation gearbeitet. Dann kamen die Taliban zurück an die Macht und mit ihnen die Angst aller Ortskräfte vor Rache und Verfolgung.

Schwierige Flucht

Die Familie entschloss sich zu einer riskanten Flucht und musste dafür alles aufgeben, erzählt die 39-jährige Mutter Aisha: "Unser Leben war in Gefahr. Erst flohen wir nach Kabul. In ein Safe-House. Mehrere Monate ohne Job und Einkommen. Das Geld ging aus. Wir mussten unser Grundstück verkaufen um die Flucht zu finanzieren. Tausende von Dollar kostete das. Vieles ging nur durch Bestechung." Mit einem Bus ging es raus aus Kabul. Danach stundenlang zu Fuß.

Unvorstellbar anstrengend, besonders für die Kinder - sie sind zwischen einem und 10 Jahre alt. Am Ende brachte sie ein Flieger von Pakistan nach Deutschland. Erst Leipzig, dann Lebach, und schließlich Ottweiler. Wo sie nun die obere Etage im Haus des 80 jährigen Paul-Gerhard Zeiger bewohnen. Der ehemalige Rechtspfleger hat die Situation in Afghanistan schon lange mitverfolgt und war berührt vom Schicksal der Ortskräfte: "Als ich gelesen hatten, dass das Saarland auch solche Ortskraft bekommt, wusste ich ja schon, wie das läuft, das die Kreise zunächst die Leute bekommen und die wiederum unter verteilen auf die Gemeinden, und das man statt ihr auch welche bekommt. Was lag näher, als bei der Stadt anzurufen, sagen er ich bin bereit, ich nehme mir jemand."

Sprachbarriere Deutsch

Die Muttersprache der Familie ist Dari, Deutsch müssen die sieben erst noch lernen. Bei den Behördengängen geht deshalb nichts ohne Dolmetscher- Einschulung der Kinder, Jobcenter, Krankenversicherung, Kinder- und Elterngeld – zu regeln gibt es zur Zeit extrem viel. Viel Arbeit, bei der Paul-Gerhard Zeiger hilft. Umso dankbarer sind ihm Mohamad Soltani und seine Familie. Mit seiner Hilfe haben sie ein neues Heim gefunden

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 09.02.2022 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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