Abt Mauritius Choriol und Frater Wendelinus präsentieren die neuen Kirchenfenster Abtei in Tholey (Foto: Barbara Pendorf/SR)

Richter-Fenster für Tholeyer Abtei vorgestellt

Barbara Grech / Onlinefassung: Axel Wagner   04.09.2019 | 14:28 Uhr

Er gilt als der wohl berühmteste zeitgenössische Maler: Gerhard Richter. Seine Kunstwerke werden für Millionen auf dem Kunstmarkt verkauft. Demnächst wird man drei seiner Werke in der Abtei-Kirche in Tholey bewundern können.

Die Benedektiner-Mönche restaurieren dort gerade die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche. In diesem Zusammmenhang werden auch die Kirchenfenster ausgetauscht. Drei davon werden von Gerhard Richter gestaltet. Heute wurden die Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt.

Entwürfe entstammen Richters „Patterns“

Fenster von Gerhard Richter für Tholey vorgestellt
Audio [SR 3, Barbara Grech, 04.09.2019, Länge: 03:19 Min.]
Fenster von Gerhard Richter für Tholey vorgestellt

Die Entwürfe für die Fenster stammen aus Richters Werk „Patterns“ (englisch für „Muster“), sind also eine Art Zweitverwertung. Das habe Richter immer gemacht, sagte Bernhard Leonardy, Kirchenmusiker und Leiter der Musikfestspiele Saar, dem SR. „Sein großes Anliegen war, diese ‚Patterns‘, diese Entwürfe, wirklich in etwas Konstantes zu gießen. Ich glaube, es sind Entwürfe geworden, die sich sehr stark in Richtung der mittelalterlichen Glaskunst entwickelt haben.“ Die Fenster, so Leonardy, seien eine sinnvolle Fortsetzung der „Patterns“ gewesen, die letztlich in Richters Spätwerk einfließen werden.

Leonardy hatte den Kunst-Coup zwischen der Abtei-Kirche Tholey und dem berühmten Künstler quasi initiiert. Er hatte schon seit etwa zehn Jahren Kontakt zu Richter. Im Zuge der Diskussion über die Abtei habe er Richter dann angeschrieben, ob der sich vorstellen könne, etwas für das älteste Kloster Deutschlands zu tun.

Kostenlose Vorlagen

Nachdem Richter aufgrund seines hohen Alters – er ist inzwischen 87 Jahre alt – zunächst gezögert hatte, entschloss er sich dann doch, die Entwürfe beizusteuern, und zwar für lau. Die Abtei muss lediglich die Produktionskosten zahlen. Echte „Richters“ hätten sich die Mönche in Tholey wohl trotz großzügiger Mäzene und Unterstützung durch das Bistum nicht leisten können.

Im Juli 2020 sollen die neuen Richter-Fenster zu bewundern sein. Dann wird die Abtei-Kirche, nach der Restaurierung, sozusagen der Öffentlichkeit übergeben. Bis zu fünf Millionen Euro wird dann die Sanierung gekostet haben, und man erhofft sich, so Frater Wendelinus, Sprecher der Brüder in Tholey, dann nicht nur mehr Touristen, sondern auch, dass die Betrachter durch diese Kunstwerke wieder näher an den christlichen Glauben gebracht werden.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 04.09.2019 berichtet.

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