links sitzend: iMove; stehend: Bettina Maria Bauer (Oberto); rechts: Liudmila Lokaichuk (Morgana) und Valda Wilson (Alcina) in Händels Oper "Alcina" im Saarländischen Staatstheater (Foto: Astrid Karger)

Georg Friedrich Händels "Alcina"

Barbara Grech   06.12.2021 | 15:04 Uhr

Es war sein letzter großer Opern-Erfolg. Auf dem Gipfel seines musikalischen Schaffens komponierte Georg Friedrich Händel Mitte des 18. Jahrhunderts, die Oper "Alcina", die dann im berühmten Covent Garden Theatre in London uraufgeführt wurde. Am 4. Dezember feierte "Alcina" im Großen Haus des Staatstheaters Premiere. Barbara Grech war für uns dabei.

Barocke Musik, im Übrigen hervorragend und sehr präzise gespielt vom saarländischen Staatsorchester unter der Leitung Sébastien Rouland - aber die Bühnen-Szenerie ist alles andere als barock: Das Ganze erinnert irgendwie an das Raumschiff Enterprise - the next generation. Sterile Labor-Atmosphäre, darin ein künstliches Aboretum, eine von Menschen geschaffene Biosphäre, die ordentlich mit Pflanzenschutz-Mittel traktiert wird. Die Natur gezähmt, darin leben Menschen, sektenartig, in einer weißen Ikea-Küchenlandschaft. Was heißt leben? Sie vegetieren fremdbestimmt vor sich hin - mit nur einem Ziel: Alcina, der Herrin und Zauberin der Insel zu huldigen.

Vom Barock in die Neuzeit

Premiere im Saarländischen Staatstheater: Alcina
Audio [SR 3, (c) SR 3 Barbara Grech, 06.12.2021, Länge: 03:10 Min.]
Premiere im Saarländischen Staatstheater: Alcina

Geschickt führt das Bühnenbild von Madelein Boyd dieses Werk aus der Barock-Zeit, in die Gegenwart, beziehungsweise in die Zukunft. Alcina nimmt die Rolle einer Sektenführerin ein, die ihre Untertanen gefügig macht und ihre abgelegten Liebhaber zu Steine, Pflanzen oder Tiere verwandelt. Erzählt wird die Geschichte, wie Bradamante ihren Geliebten Ruggiero aus den Klauen der Alcina befreit und die Zauber-Insel mitsamt ihrer Bewohner erlöst.

"Diese Oper lebt vom Glanz des Gesangs"

In der Mitte: Judith Braun (Bradamante), Markus Jaursch (Melisso) und Melissa Zgouridi (Ruggiero); hinten links: Artavazd Sargsyan (Oronte) in Händels Oper "Alcina" im Saarländischen Staatstheater (Foto: Astrid Karger)

Soweit die Geschichte, die die meisten Opern-Besucher eh nicht wirklich interessiert. Man kommt wegen der Musik. Nur wenige Barock-Komponisten bezaubern die Menschen mit ihren Arien, wie es Georg Friedrich Händel tat. Und da gab es Schwächen im Ensemble. Denn die Alcina-Arien sind Höchstleistungs-Sport. Einige der Protagonisten auf der Bühne arbeiteten sich denn auch an den Kolloraturen ab, wie in Schwerstarbeit. Aber, diese Oper lebt vom Glanz des Gesangs. Den gab es aber auch, beispielsweise bei Artavazds Sargsyan, der den Oronte gab.

Höhen und Schwächen

Händels Oper Alcina im Saarländischen Staatstheater (Foto: Astrid Karger)

Oder bei der absoluten Abräumerin gestern abend, Liudmilla Lokaichuk als Morgana: Da funkelte und perlte der Opernabend, was er fast dreieinhalb Stunden, nicht immer tat. Man hätte sich mehr solcher grandiosen Momente gewünscht und auch etwas weniger Agitprop, der am Schluss die Oberhand gewann. Warum in - gefühlt - jeder zweiten Inszenierung die Dollar-Scheine durch die Luft tänzeln - Achtung Kritik am globalisierten Kapitalismus. Oder - Achtung Klimawandel - irgendwelche Fotos von Klima-Aktivisten noch irgendwo eingebaut werden, ob es passt oder nicht, ist mir ein Rätsel. Alcina - eine Inszenierung des jungen Regisseurs Alessandro Talevi hat seine Höhen - aber eben auch seine Schwächen.

Ein Thema auf SR 3 Saarlandwelle am 05.12.21 in der Sendung "Region am Sonntag".

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