Buchcover: Filmrausch – Paul Burgard (Foto: Buchverlag)

Das Saarland im „Filmrausch“

Mit Informationen von Christian Job   07.11.2019 | 17:24 Uhr

In den 50er und 60er Jahren war der Kinobesuch schwer in Mode. Besonders im Saarland konnten die Menschen von Filmen nicht genug kriegen, wie Paul Burgard vom Saarländischen Landesarchiv herausgefunden hat. In seinem neuen Buch „Filmrausch – das Kinowunder Saarland“ erweckt er die lange Kinotradition wieder zum Leben.

"Filmrausch": Buch über Kinos im Saarland
Audio [SR 3, Christian Job, 07.11.2019, Länge: 03:05 Min.]
"Filmrausch": Buch über Kinos im Saarland

Zarah Leander, Heinz Erhardt, Grete Weiser, Marika Rökk, Hans Albers – viele Stars sind ins frühere Saargebiet gekommen, um für ihre Filme zu werben. Sie alle wurden von der saarländischen Delegation an der Zollstation in Homburg-Einöd abgeholt und nach Saarbrücken eskortiert. 1952 etwa stellte Hans Albers seinen Film „Nachts auf den Straßen“ vor. Bei einem Auftritt von Marika Rökk berichtete die Wochenschau:

In der Landeshauptstadt säumte eine riesige Menschenmenge den weiten Platz vor dem Hotel Messmer und harrte geduldig der Dinge, die da kommen sollten. Und Marika kam, ward gesehen, umzingelt und umjubelt.

Unerbittliche Zensoren

Paul Burgard hat viele Plakate, Fotos und Gemälde von den Kinofassaden zusammengetragen. Heute schmunzelt man über Aufreger wie „Liane – das Mädchen aus dem Urwald“ von 1956, aber der Streifen mit der züchtig verdeckten Nackten zeigt, wie unerbittlich die Zensoren gerade hierzulande Strenge walten ließen. „Staat und Kirche waren in dieser Zeit sehr eng miteinander verwandt“, so Burgard. „Dann gab es verschiedene Einflussmöglichkeiten. Das eine war natürlich über die finanzielle Schiene, indem ich mich selbst an Filmverleihen beteilige. Die andere Schiene war über die Zensur.“ Damals habe es eine eigene staatliche Filmzensur im Saarland gegeben, die schlimmer gewesen sei als die Zensur in Spanien.

Eigene Saar-Verleihfirmen importierten die deutschen und internationalen Filme. Große Lichtspielhäuser wurden gebaut, um die Sehnsucht nach heiler Welt zu bedienen, immer mit neuster Technik, gerade im Saarland. „Komplizierter war es im Passage-Kino“, erzählt Burgard. „Das war sehr, sehr lang und schmal. Unten, links und rechts der alten Leinwand, waren die Notausgänge. Die mussten sogar noch tiefer gelegt werden, um überhaupt eine Verbreiterung der Leinwand zuzulassen.“

„Filmrausch – das Kinowunder im Saarland“ von Paul Burgard, Gabi Hartmann und Klaus Peter Weber ist im Geistkirchverlag erschienen und kostet 34,80 €.

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