Einziges maritimes Heimatmuseum im Saarland. (Foto: Heribert Mangold)

Ahoi liebe Landratten, Moin ihr Seebären

Das Maritime Heimatmuseum in Spiesen

Heribert Mangold   23.06.2019 | 10:31 Uhr

Heimatmuseen gibt es viele im Saarland. Da geht es normalerweise um Dorfgeschichte, Landwirtschaft oder zum Teil auch um Funde aus dem Mittelalter oder gar aus der Römerzeit. Ganz anders in Spiesen. Dort steht das einzige Maritime Heimatmuseum im Saarland – mit einem Anker vor Tür und mit Masten zum Fahnen Hissen.



Wenn man bei den Meerliebhabern in Spiesen vorbei schaut, wird man dort auch häufig standesgemäß empfangen: Für die meisten Mitglieder sind Ausgehuniform und Matrosen T-Shirt Pflicht.

Audio

Tour de Kultur: Maritimes Heimatmuseum Spiesen
[SR 3, (c) SR/Herbert Mangold, 11.07.2019, Länge: 03:05 Min.]
Tour de Kultur: Maritimes Heimatmuseum Spiesen
SR-Reporter Herbert Mangold hat beim Maritimen Heimatmuseum angelegt und es sich angeschaut.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sie Kleinode der Seefahrt gesammelt. Ein alter Schiffskompass aus Messing zum Beispiel oder alte Petroliumsignalleuchten. Natürlich auch Buddelschiffe – eines sogar so klein, dass es in die Birne einer Taschenlampe passt.

Einziges maritimes Heimatmuseum im Saarland. (Foto: Heribert Mangold)
Ein Buddelschiff für ein winziges Glühbirnchen.

Meer- und Marineliebhaber

Mehrere hundert Ausstellungsstücke, Modelle und Kleinode der Seefahrt findet man so mitten im saarländischen Spiesen – verteilt auf mehrere Stockwerke. Das meiste ohne modernen Schnickschnack wie GPS, Computer und Google-Maps. Die Mitglieder der Marinekameradschaft lieben vor allem Dinge, die man noch richtig mit den Händen anfassen und begreifen kann.

Zusammengetragen wurden die Ausstellungsstücke von Männern und inzwischen aber auch einigen Frauen, die das Meer, Schiffe und das Wasser lieben. Ursprünglich wurde die Marinegemeinschaft Mitte der 1930er Jahre gegründet. In den folgenden Jahren wuchs sie immer mehr.

Einziges maritimes Heimatmuseum im Saarland. (Foto: Heribert Mangold)
Bei diesem Rettungsring kann man gleich auch noch Seemannsknoten lernen.

Einige Mitglieder fuhren selbst mal zur See

Der Grund: Ein Spiesener hatte beim Wehrerfassungsamt in Sankt Wendel gearbeitet. Er liebte das Meer und die Marine. Deshalb bestimmte er, dass viele junge Männer aus Spiesen und Elversberg zur See fahren sollten.

Nach dem Krieg haben sie dann die Kameradschaft gegründet. Doch das ist Geschichte. Auch wenn einige der Mitglieder selbst auf Schiffen waren – viele Mitglieder sind genau genommen richtige saarländische Landratten, die das Meer, Schiffe und die Traditionen des Nordens sowie der Seefahrt lieben.

Einziges maritimes Heimatmuseum im Saarland. (Foto: Heribert Mangold)
Für die meisten Vereinsmitgleider Pflicht: Uniform oder passende Shirts.

Oft sitzen die Frauen und Männer zusammen, um verschiedene Knoten zu üben, Ausflüge zu planen oder zu überlegen, welche Dinge man noch in der Ausstellung ergänzen könnte.

Wo Traditionen des Nordens lebendig sind

Natürlich gibt es auch einige Uniformen und Bilder oder Originale von verschiedenen Dienstabzeichen. Doch nicht das akkurate Aufzählen etwa von Schiffstypen, sondern der Spaß steht im Vordergrund. Da gibt es Seemannssprüche, Leuchttürme, Glasbilder – und sogar ein Bullauge.

Einziges maritimes Heimatmuseum im Saarland. (Foto: Heribert Mangold)
Und hinter dem Bullauge das Meer.

Seemansgarn spinnen gehört auch dazu

Hier wird gerne die Frage gestellt – wie Spiesen in einigen hundert Jahren aussehen könnte. Mit einem Schmunzeln öffnet dann der maritime Museumsführer ein Schiffsbullauge an der Wand und man sieht das Meer – mit Segelschiffen.

Natürlich werden Seemannslieder gesungen, und es wird immer wieder einiges an Seemannsgarn gesponnen. Und wenn das Wetter mitmacht, pflegt man in Spiesen oder in der Umgebung auch das Boßeln, eine Art Ballweitwurfspiel.

Einziges maritimes Heimatmuseum im Saarland. (Foto: Heribert Mangold)
Gelegentlich wird auch "geboßelt". Boßeln ist ein Ballweitwurfspiel.

In regelmäßigen Abständen versuchen die Mitglieder der Marinekameradschaft auch an die Orte ihrer Sehnsüchte zu fahren – auch wenn das Saarland natürlich schön ist und kaum einer von ihnen hier wegziehen möchte.

Ab und zu Seeluft zu schnuppern und die Planken unter den Füßen zu spüren – das muss sein. Schließlich ist das Maritime Museum mehr als ein Museum – es ist ein Ort mitten im Saarland, wo die Traditionen des Nordens lebendig sind.


Auf einen Blick


Kontakt
Maritimes Heimatmuseum
Marktstraße 4
66583 Spiesen-Elversberg
Tel.: (06821) 97 30 56
www.mk-spiesen.de

Öffnungszeiten
Jeden 1. So. im Monat 14.00 - 18.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung.

Eintritt
Der Eintritt ist frei.

Anfahrt
Auf der A 8 die Autobahnausfahrt Spiesen oder Elversberg nehmen und dann der Beschilderung zum Rathaus folgen. Das Museum befindet sich am Marktplatz, einige Häuser neben dem Rathaus. Wer von Sankt Ingbert kommt, einfach direkt nach Spiesen fahren. Kurz nach der Abzweigung Richtung Rohrbach liegt das Museum auf der linken Seite. Vor dem Museum gibt es Parkplätze.

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