Eine Million Kakteen-Exemplare in Steinfeld. (Foto: Kim Beisel)

Arizona in der Pfalz

Im Kakteenland Steinfeld ist sogar die Suppe aus Kaktus

Katja Preißner   29.06.2019 | 11:07 Uhr

Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Steinfeld an. Steinfeld liegt in der Pfalz, in der Nähe von Landau, aber das „Kakteenland“, das Sie dort besuchen können, ist mehr Arizona als südliche Weinstraße.



Eine Million Kakteen-Exemplare in Steinfeld. (Foto: Kim Beisel)
Von wegen nur stachelig. Kinterbunte Farbenvielfalt!

Bis zu fünf Meter hoch

Riesige Säulenkakteen wie in Arizona. „Schwiegermuttersitze“ – so groß und rund, dass eine echte Schwiegermutter darauf locker Platz hätte. Es hilft nichts: manchmal muss Kim Beisel, die Chefin, mit der Säge kommen!

„Wir haben hier in der Spitze fünf Meter im Gewächshaus, und manche Kakteen wachsen uns über den Kopf. Dann müssen wir die abschneiden und machen Kopfstecklinge. Die werden rückbewurzelt, und der untere Teil treibt dann wieder aus.“

Eine Million Kakteen-Exemplare in Steinfeld. (Foto: Kim Beisel)
Und dann bekommt der Steckling schon ein Blütchen.

Eine Million Exemplare

Aber keine Sorge, von der Nackenstarre vom Bestaunen der Riesen erholt man sich im Kakteenland an der südlichen Weinstraße schnell: einfach zu den Tischen mit den Mini-Sukkulenten gehen und weiterstaunen.

„Wir haben eine Million Exemplare, über tausend verschiedene Arten. Und nicht nur alles, was stachelt, sondern im weitesten Sinne ‚Sukkulenten‘ – das heißt wasserspeichernde Pflanzen. Da zählen auch die Aloe dazu, die Wolfsmilchgewächse und Agaven.“

Aloe vera-Pflanze (Foto: SR)
Aloe vera-Pflanze

Wüstenpflanzen-Paradies in der Pfalz

Es ist eine eigene Welt in der gläsernen Halle auf 3000 Quadratmetern. Eine Welt aus Licht, Grün und bunten Blüten. Eine Welt voller Skulpturen, die in Wahrheit natürlich Pflanzen sind. Man muss im liebenswerten Sinn verrückt sein, um auf die Idee zu kommen, in der Südpfalz ein Paradies für die Wüstenpflanzen zu schaffen.

Karl Werner Beisel, der Vater von Kim Beisel, ist ein solch „Verrückter“. „Er war früher einmal was ganz anderes im Leben“, erzählt die Tochter, „ging mit 50 in den Vorruhestand und hat dann ein Kakteenland aufgebaut.“

Audio

Tour de Kultur 2019: Arizona in der Pfalz
[SR 3, (c) SR/Katja Preißner, 09.07.2019, Länge: 02:50 Min.]
Tour de Kultur 2019: Arizona in der Pfalz
SR-Reporterin Katja Preißner hat Kim Beisel mit ihren Millionen Kakteen besucht.

Es gibt sogar ein Kaktus-Restaurant

1980 eröffnete die inzwischen riesige Kakteen-Gärtnerei mit eigener Zucht und wurde zum Treffpunkt für Sammler und Touristen, die Führungen buchen können. Im hauseigenen Kaktus-Restaurant gibt es unter anderem Kaktus-Suppe, Kaktus-Flammkuchen und Kaktus-Soufflé.

Der „Kaktus-Virus“ hat sich unübersehbar vererbt: Kim Beisel hat nicht nur die Führung des Hauses von den Eltern übernommen, sondern die promovierte Biologin schwärmt auch mit leuchtenden Augen von den grünen Lebenskünstlern, die bis zu drei Jahre ohne Regen in der Wüste überdauern.

So schöne Blüten wie Orchideen

„Es ist keine normale Pflanze. Sie sind neben den Orchideen die schönsten Blüher. Aber auch so hat der Kaktus schon tolle Formen und Strukturen!“

Kakteen sind so vielfältig wie Orchideen. (Foto: pixabay / fxxu)
So wunderschöne Blüten!

Diese Formen rückt der Kaktus nicht über Nacht raus. Kakteen lehren Geduld, auch im Kakteenland in Steinfeld. „Die gehen frühestens im vierten Jahr in den Verkauf“, erklärt Kim Beisel. Hinter den Kulissen, in der „Kakteen-Kinderstube“, steht sie vor langen Tischreihen mit kleinen Töpfen voller Kieselsteinchen.

Bis zu 4.000 Euro für einen Kaktus

Nein, Halt – eines der Steinchen entpuppt sich bei genauem Hinsehen als Baby-Kaktus mit zarten Härchen! Er wird weiterwachsen. Wenn man ihn lässt, hundert Jahre lang und mehr. So wie die Prachtexemplare, die am gegenüberliegenden Ende der Halle stehen und bis zu 4.000 Euro kosten!

Eine Million Kakteen-Exemplare in Steinfeld. (Foto: Kim Beisel)
Kakteen wie riesige Schraubwindungen.

„Es ist kein normales Grünzeug, das in einer Saison schon wieder vorbei ist“, so Kim Beisel, „aber deswegen auch was sehr Nachhaltiges und wertsteigernd.“ Die Größe macht’s allerdings nicht immer aus. Vor neugierigen Blicken – und langen Fingern – verborgen, stehen hinter den Kulissen auch die Sammlerstücke.

Schamanische Medizin

Experten wissen, warum das winzige bräunliche Häufchen im Topf bis zu stattlichen 200 Euro kostet! „Das sind Zwerg-Kakteen ohne Stacheln, die in der schamanischen Medizin verwendet werden“, erläutert die Chefin des Kakteenlands. „Die sind 70 Jahre oder älter, die sehen aus wie ein Fossil. Das ist was für Sammler, was dann speziell auf Anfrage verschickt wird.“

Kakteen sind so vielfältig wie Orchideen. (Foto: pixabay / mozo190)
Vor allem Japaner sind ganz wild auf die Aloe-Vera-Produkte aus der Pfalz.

Rund zehntausend Pakete gehen pro Jahr vom Kakteenland aus auf die Reise – die meisten mit Aloe Vera oder der hauseigenen Aloe-Kosmetik gefüllt. In einer eigenen Halle hat Kim Beisel ihr bio-zertifiziertes" Deutsches Aloe Vera Zentrum" untergebracht.

Spiralförmiger Säulenkaktus

Insbesondere Japaner sind dagegen nach einer weiteren Spezialität der Beisels verrückt, nach dem „Pfälzer Korkenzieher-Kaktus“! Ein grüner Säulenkaktus, spiralförmig gedreht – die perfekte Verbindung aus südlicher Weinstraße und dem Kaktus-Eldorado der Beisels.

Kakteen sind so vielfältig wie Orchideen. (Foto: pixabay / 12019)
Nicht nur in der Natur, in Arizona, werden Kakteen riesig, auch in der Pfalz.

„Eigentlich eine Mutation aus der Natur durch einen veränderten Hormonhaushalt“, erläutert Kim Beisel. „Mein Vater hat das über 30 Jahre hinweg selektiert. Bei der ersten Generation waren ein oder zwei Prozent der Nachkommen drehend. Dann hat er die erneut miteinander bestäubt.

Man muss ja immer warten, bis sie geschlechtsreif sind und das erste Mal blühen. Da liegen fünf bis sieben Jahre dazwischen. Mindestens.“ Geduld haben sie drauf, im Kakteenland. In Arizona oder Mexiko sollte man mal flott die Städtepartnerschaft mit Steinfeld klarmachen!


Auf einen Blick


Kontakt
Kakteenland Steinfeld
Wengelspfad 1
76889 Steinfeld
Tel.: (06340) 12 99
E-Mail info@kakteenland.de
www.kakteenland.de

Öffnungszeiten:
Täglich geöffnet (außer 25. und 26.12. sowie an Neujahr),
März - Okt.: Mo. - Fr. 8.00 - 18.00 Uhr,
Nov. - Febr.: Mo. - Fr. 8.00 - 17.00 Uhr,
ganzjährig Sa., So. und Feiertage: 9.00 - 17.00 Uhr,
Heilig Abend 24.12.: 8.00 - 15.00 Uhr
Silvester 31.12.: 8.00 - 15.00 Uhr.
Die Öffnungszeiten der „Grünen Kaktus-Küche“ variieren (Infos auf der Internetseite).

Eintritt:
Der Eintritt ist frei.
Das „Kakteenland“ ist barrierefrei.
Im Gewächshaus gibt´s Sitzgelegenheiten. Führungen (auch für Kinder) und Kindergeburtstage kann man per Mail buchen. Auch eine große Edelstein- und Mineralienabteilung gehört zum „Kakteenland“.

Anfahrt:
Am besten mit dem Auto (die nächsten Bus- und Bahnhaltestellen liegen etwa eineinhalb Kilometer entfernt). Ab Saarbrücken über A 6 und A 8 Richtung Zweibrücken, B 10 Richtung Pirmasens/Landau, B 48 Richtung Bad Bergzabern/Annweiler-West/Annweiler-Sarnstall, nach dem Kreisverkehr weiter auf B 48 bleiben, weiter auf B 38, links ab nach Steinfeld/Kaplaneihof/Deutschhof, rechts auf L 545, am Ortsrand Steinfeld links auf L 546 und nach circa einem Kilometer rechts ab auf Wengelspfad – bis am Waldrand der Parkplatz „Kakteenland“ kommt. Wenn das Navi den „Wengelspfad“ nicht kennt, versuchen Sie´s mit „Albrechtser Ring“. Von dort aus weiter bis zum Wald. Das Kakteenland liegt auf den Koordinaten: N49°02.811´ E8°03.388´.

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