Mit dem Fahrrad durch das Queichtal. (Foto: Christian Ignatzi)

Zwischen roten Felsen und alten Burgen

Unterwegs auf dem Queichtalradweg

Christian Ignatzi   17.06.2019 | 12:48 Uhr

Las Vegas? Ein moderner Freizeitpark? Weit gefehlt. Wir befinden uns in Hauenstein in der Pfalz – der ehemaligen Schuh-Hochburg Deutschlands.



Dort, wo die Frauen der Soldaten einst Pantoffeln für ihre Männer nähten, ist noch heute viel von der Schuhproduktion erhalten geblieben. So viel, dass es beinahe wirkt wie in einer anderen Welt, wenn man durch ein Spalier von roten Felsen in den Ort fährt, in dem es an allen Ecken und Enden Kaufaufforderungen in Signalfarben gibt.

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Tour de Kultur: Queichtalradweg
[SR 3, (c) Christian Ignatzi, 10.07.2019, Länge: 03:01 Min.]
Tour de Kultur: Queichtalradweg
SR-Reporter Christian Ignatzi hat den Queichtalradweg getestet.

Die Reklametafeln werben für die Outlets, die in Hauenstein Schuhe verkaufen. Das mag ganz nett sein, auf einer Fahrradtour durch die Natur ist man aber dann doch froh, nur in Hauenstein zu starten. Denn von dort fahren wir auf einem ausgebauten Radweg entlang abwärts durch das Queichtal.

Der Fluss gibt dem Radweg den Namen

Wir beginnen unsere rund 50 Kilometer lange Fahrt nach Germersheim am Schusterdenkmal, das etwas subtiler als die Neonwerbung an die lange Schustertradition in Hauenstein erinnert.

Mit dem Fahrrad durch das Queichtal. (Foto: Christian Ignatzi)
Der Radweg führt durch Annweiler am Trifels.

Entlang der Queich führen uns die grünen Wegschilder mit einem weißen Fahrrad und dem Namen des Flusses auf unserem Weg durch die Pfalz. In Hauenstein beginnt zunächst ein ausgebauter Radweg, den wir abwärts ins idyllische Queichtal nutzen und der uns über Wilgartswiesen bis nach Rinnthal führt.

Erstes Highlight: die Wiligartaburg

Auf halber Strecke sehen wir auf der linken Seite die Wilgartaburg. Sie gilt als eine der ältesten Burgen der Pfalz und stammt wohl aus dem neunten Jahrhundert. Einer Sage nach lebte hier die Gräfin Wiligarta nach dem Tod ihres Mannes ein Einsiedlerleben, um für seine Ausschweifungen zu büßen.

Mit dem Fahrrad durch das Queichtal. (Foto: Christian Ignatzi)
Für Autor Christian Ignatzi eine Mischung aus Pfälzer Weindorf, Metz und Venedig.

Nachgesehen haben wir aber nicht, denn unsere Tour führt uns ohne eine Pause dort weiter vorbei an den so markanten roten Sandsteinfelsen. Hinter Rinnthal geht es für ein kurzes Stück auf eine Landstraße, ehe die Tour auf einem gut ausgeschilderten Radweg weiter nach Annweiler führt.

Wassergässchen und Mühlräder

Dort verläuft der Weg mitten durch die historische Altstadt des Örtchens mit Pfälzer Wein-Flair. Was man nicht ahnt, wenn man den Ort nur von der Bundesstraße aus kennt: Die kleinen Wassergässchen, in denen sich ein Mühlrad dreht, haben etwas von einer Mischung aus Pfälzer Weindorf, Metz und Venedig.

Mit dem Fahrrad durch das Queichtal. (Foto: Christian Ignatzi)
Der Schipkapass ist eigentlich ein Knotenpunkt zwischen Nord- und Südbulgarien. Hier ist er ein Durchlass durch die Stadtmauer.

Von dort hat man schon einen guten Blick auf einen der Höhepunkte unserer Tour: den Trifels. Wer Zeit – und ein E-Bike oder eine ordentliche Kondition – hat, sollte es sich nicht nehmen lassen, einen Abstecher zu der wohl vornehmsten Reichsfeste der Stauferzeit zu machen, die auf einem der drei Felsen thront und daher ihren Namen hat.

Hort der Reichskleinodien

Berühmt geworden ist die Burg deshalb, weil sie als mittelalterliches Staatsgefängnis einmal einen ganz besonderen Insassen beherbergte, den englischen König Richard Löwenherz. Vor 800 Jahren war die Reichsfeste das Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Mit dem Fahrrad durch das Queichtal. (Foto: Christian Ignatzi)
Blick auf die burg Trifels (rechts).

Dort befinden sich auch die prächtigen Reichskleinodien. Die Nachbildungen dieses Reichsschatzes kann man dort noch heute besichtigen. Und rund 100.000 Menschen nehmen diese Möglichkeit jedes Jahr gern wahr.

Gut ausgebauter Radweg

Wir entscheiden uns diesmal aber dagegen, zur Burg hoch zu fahren, und begeben uns stattdessen hinter Annweiler auf die alte B 10, die als ausgebauter Radweg durch Queichhambach führt. Nach einem weiteren Stück auf der Landstraße haben wir mit dem Örtchen Albersweiler etwa die Mitte der Strecke erreicht, ehe der schön ausgebaute Radweg uns vorbei an im Sommer blühenden endlosen Sonnenblumenfeldern in das Winzerdörfchen Siebeldingen führt.

Mit dem Fahrrad durch das Queichtal. (Foto: Christian Ignatzi)
Und immer wieder unberührte Natur.

Der Ort ist für seine hervorragenden Winzer und Weinlagen bekannt und ist die Heimat der klassischen Pfälzer Rebsorten Bacchus und Morio-Muskat. Zwischen den Fachwerkhäusern im Ortskern versteckt sich der Geilweilerhof, in dem Weinproben möglich sind.

Mühle mit Biergarten

Danach führt uns die Route entlang der Queich über Godramstein nach Landau, dort mitten durch die Einkaufszeilen der Stadt und weiter über Offenbach und die Neumühle bis zum Ottersheimer Teilungswehr. Wer Glück hat, kann hier Störche in den naturnahen Queichwiesen entdecken, uns bleibt der Anblick aber verwehrt.

Hier wird es für einen kurzen Moment etwas kompliziert, denn wir dürfen nicht vergessen, rechts abzubiegen und dem Waldweg zu folgen, ehe es nach etwa 400 Metern an der nächsten Weggabelung wieder nach links geht. Dort führt ein Waldlehrpfad zur Knittelsheimer Mühle, die mit einem gemütlichen Biergarten und regionalem Essen Gelegenheit zu einer Pause bietet, doch weit ist es von dort nicht mehr.

Die Queich hinter sich lassen

Wir fahren weiter Richtung Bellheim, überqueren die Landstraße und fahren am nördlichen Ortsrand entlang bis zum Spielplatz am Schützenhaus. Dort biegen wir links ab und folgen dem Weg etwa 800 Meter nach Norden bis zur Waldgrenze. Die Queich haben wir nun schon seit einiger Zeit hinter uns gelassen. Nach weiteren 500 Metern biegen wir rechts ab und folgen dem Weg bis zur Holzmühle.

Von dort radeln wir den Waldweg entlang bis nach Germersheim – dem Ziel unserer Fahrradtour. Wer mag, kann dort noch über Nacht bleiben, denn die Stadt ist etwa durch geführte Rundgänge durch historische Festungsanlagen sehenswert. Wer aber darauf angewiesen ist, mit dem Zug zurückzufahren, sollte in Landau schon halt machen. Ansonsten ist es nötig, von Germersheim aus den Umweg über Wörth am Rhein zu nehmen.


Auf einen Blick


Kontakt
Südpfalz-Tourismus Landkreis
Germersheim e. V.
Luitpoldplatz 1
76726 Germersheim
Tel.: (07274) 53 300
E-Mail: info@suedpfalz-tourismus.de
www.suedpfalz-tourismus.de

Öffnungszeiten
Der Radweg ist ganzjährig befahrbar. Vorsicht jedoch bei schlechtem Wetter.
Öffnungszeiten Tourismuszentrale:
Mo. - Fr.: 8.30 - 12.00 Uhr,
Di.: 13.30 - 16.00 Uhr,
Do.: 13.30 - 18.00 Uhr.

Preise
Der Radweg ist kostenlos befahrbar.

Anfahrt
Von Saarbrücken über die A 6 und A 8 Richtung Kaiserslautern, dann auf die B 10 Richtung Pirmasens und weiter bis nach Hauenstein, wo ein Hinweisschild auf das Deutsche Schuhmuseum den Weg in den Ort weist.

Tipp:
E-Bike-Ladestationen finden Sie auf der Internetseite unter der Rubrik Radeln und Wandern/Radfahren.

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