Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Christoph Missy)

Betrügerische Spekulation oder Fehlinvestition?

Wandern auf den Spuren des Wirtschaftskrimis „Consolidiertes Nordfeld“

Renate Wanninger   15.06.2019 | 16:20 Uhr

Wer sich gerne in freier Natur aufhält, Interesse an der Geschichte des Saarlandes hat und dann auch noch einen Wirtschaftskrimi kennenlernen will, der ist beim Wandern auf dem Grubenpfad „Consolidierten Nordfeld“ bei Bexbach-Höchen genau richtig.



Man kann den rund fünf Kilometer langen Wanderweg selbstverständlich ganz einfach ablaufen und die Natur durch den mit vielen Buchen bestückten Mischwald genießen. Der Weg ist schnell beschrieben. Es geht zunächst auf breiten Wegen fast nur bergab.

Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Christoph Missy)
Konstitution und gutes Schuhwerk sind von Nutzen.

Dann werden die Wege etwas schmaler, manchmal leicht holprig. Holzbrückchen führen über kleine Bäche, es plätschert, zwitschert und rauscht im Blätterwald. Am Ende sollte man aber doch etwas Kondition mitbringen, denn wir müssen auf dem Rundweg auch wieder ein Stück berghoch an den Ausgangspunkt zurück.

Der tiefste Schacht wurde gebaut.

Spannend wird das Ganze, wenn wir in die Geschichte der Relikte eintauchen, die uns auf diesem Weg manchmal mehr, manchmal weniger auffällig begegnen. Wir starten am ehemaligen Fördergerüst des Schachtes Wilhelmine, der mit 867 Metern Teufe zu der Zeit der tiefste Schacht im gesamten Saar-Revier war.

Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Wolfgang Henn)
Stolze Arbeiter mit "ihrer" Lok.

Er sollte so wie der Schacht Fortuna nicht lange in Betrieb bleiben. 1889 begann eine Unternehmergruppe im Bereich Höchen/Waldmohr ein Bergbauprojekt, das eines der modernsten und leistungsfähigsten Steinkohle-Bergwerke Europas werden sollte. Über dieses Vorhaben schüttelten einige ungläubig den Kopf, andere investierten richtig viel Geld in dieses Vorhaben.

Das größte Fördergerüst errichtet.

Es kam eine Summe von sechseinhalb Millionen Mark zusammen, die den Bau von Schacht Wilhelmine, von dem heute nur noch Reste zu sehen sind, ermöglichten. Mitten im Wald wurden neben dem damals größten Fördergerüst des Saar-Reviers und den beiden Schachtanlagen großzügige Herrschaftshäuser gebaut, das Stollenmundloch und eine monumentale Rampe für einen Verladebahnhof. Denn man plante, hier 1.000 Tonnen Kohle Tag für Tag auszufahren.

Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Wolfgang Henn)
Über die Rutsche fiel die Kohle in die zum Abtransport bereitstehenden Wagen.

Dafür hatte man modernste Maschinen angeschafft, das benötigte Know­How kam in Form von Investoren und Arbeitern aus Leipzig, wo man eine Menge Erfahrung in Sachen Bergbau hatte, die man hier nutzen wollte. Es war eigens ein Gutachten erstellt worden, aus dem hervorging, dass hier im Höcher Wald eine große Menge Kohle abzubauen, also gut zu verdienen sei.

Modernste Maschinen - alles umsonst

Aber die Zweifler an dem Vorhaben sollten am Ende Recht behalten. Das alles blieben sinnlose Investitionen, auch wenn nur einige Kilometer weiter in Frankenholz das Geschäft weiter boomte. Die geplanten Fördermengen wurden nie abgebaut, das Geld ging aus, 1904 musste die Gesellschaft sich die Pleite eingestehen.

Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Christoph Missy)
Um zu erkennen, was einst wozu diente, gibt es Plaketten und Schautafeln.

500 Arbeiter verloren ihren Arbeitsplatz, 300 davon konnten von der Grube Frankenholz übernommen werden, die weiter expandierte. Die Anlage wurde teilweise zurückgebaut und verkauft, die Herrschaftshäuser abgetragen und im kleineren Stil in Höchen wieder aufgebaut, wo sie bis heute bewohnt sind.

Jugendliche verursachten eine Explosion

16 Arbeiter hatten in den 15 Jahren ihr Leben bei der Arbeit im Stollen verloren. Und das Unternehmen sollte ein weiteres Unglück nach sich ziehen. Drei Monate nachdem das Bergwerk offiziell stillgelegt worden war, kam es zu einem tragischen Unfall, der nicht nur in Höchen und Frankenholz Trauer auslöste.

Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Christoph Missy)
Heute ist sind die Mauerreste bröckelig.

Am Stollenmundloch versuchten fünf junge Menschen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren, in den Stollen hinein zu kommen. Dafür zündeten sie Streichhölzer an und entfachten so eine riesige Explosion. Der Stollen stürzte auf einer Länge von 350 Metern ein, vier der fünf Jugendlichen starben. Dabei handelte es sich um jeweils ein Zwillingspaar aus Höchen und eines aus Frankenholz.

Wirtschaftskrimi wurde nie aufgeklärt

Im Laufe der Jahre eroberte sich die Natur ihr Areal zurück, und man muss heute an vielen Stellen genau hinschauen, wenn man die Relikte erkennen will. Dabei helfen einem aber Schautafeln mit Erklärungen.

Wandern bei Bexbach-Höchen (Foto: Christoph Missy)
Anfangs ein breit angelegter Wanderweg.

Nur die Lösung des damaligen Wirtschaftskrimis sucht man immer noch vergeblich. Denn es konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden, ob es sich bei dem Vorhaben "Consolidiertes Nordfeld" um ein betrügerisches Spekulationsgeschäft oder schlicht um eine absolute Fehlinvestition einiger Unternehmer handelte, die die Hoffnung auf das große Geld in die Irre geführt hatte.


Auf einen Blick


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Anmeldung zur Wanderung über Saarpfalz-Touristik.

Öffnungszeiten
Mo. - Do.: 8.30 - 16.00 Uhr
Fr.: 8.30 - 15.00 Uhr
Veranstaltungsort:
Ehemaliges Jägerhaus Nordfeld
66450 Bexbach-Höchen

Eintritt
5,- € pro Person.

Wegdaten:
Die Wanderung ist fünf Kilometer lang.
Dauer: circa 3 1/2 Stunden.
Es wird festes Schuhwerk empfohlen. Die Wanderung ist eine mittelschwere Tour.

Anfahrt
Mit dem öffentlichen Nahverkehr: Mit Bahn bis Bexbach oder Homburg, weiter mit Buslinie 505 bis Höchen Römerstraße.

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