Echtes Brot mit Liebe backen. (Foto: Isabel Sonnabend)

Backtradition zum Fühlen

Das Backhaus Lauterbach im Warndt

Isabel Sonnabend   08.06.2019 | 08:31 Uhr

Zehn Uhr morgens in Lauterbach. Am Esstisch sitzen zwölf schwerbehinderte Männer und Frauen von der Lebenshilfe Völklingen. Backpatin Karin, Rentnerin, strahlt in die Runde: „Habt ihr noch nichts zu tun? Das ändern wir jetzt!“ Sie dürfen die Bastkörbe für die Brote einmehlen, und Karin zeigt, wie es geht: Feinfühlig, möglichst gleichmäßig, sollen sie das Mehl in jeden Bastkorb streuen.



Sie befinden sich in einer alten Hausmeisterwohnung. Sie ist umfunktioniert zu einer modernen Backstube. Der Stahlofen in der Backsteinwand ist extra aus Gussstahl angefertigt, mit der klassischen Ofenklappe, Lüftungsschächten und Stangen zum Regeln der Temperatur. Mehrere Backtische stehen im Raum, auf denen sich Mehltüten, Pizzableche und Bastkörbe für Brote stapeln, eine Knetmaschine, deren Silbertopf etwa 40 Kilogramm Teig fasst, und eine traditionelle Holzmulde zum Nachkneten.

Tour de Kultur 2019: Backtradition zum Fühlen
Audio [SR 3, Isabel Sonnabend, 04.07.2019, Länge: 03:08 Min.]
Tour de Kultur 2019: Backtradition zum Fühlen

„Nicht zu viel mehlen! Na gut – den Rest kippen wir raus!“ Karin lacht, sammelt die Bastkörbe ein und stellt sie neben die Knetmaschine. Aus der Knetmaschine wuchtet sie den Teig heraus in die Holzmulde. Er ist zäh, schwer, und sie muss mit beiden Händen kräftig nachkneten: „Das ist wie früher, harte Arbeit, man hat ja nicht umsonst gesagt: Schwer Brot ist schwer zu verdienen!“

Sich das Brotbacken selbst beigebracht

Echtes Brot mit Liebe backen. (Foto: Isabel Sonnabend)
Nur so gelingt's: Wenn's genau nach den Rezeptanweisungen geht.

Zu zeigen und fühlen zu lassen, wie Brot gebacken wird, das ist die Idee des Vereins Backhaus Lauterbach im Warndt. Gegründet haben ihn die Mitglieder im Jahr 2007, auf ehrenamtlicher Basis. Viele sind typische Hausbäcker oder Heimköche und haben sich das professionelle Brotbacken selbst und in Kursen beigebracht.

Sie möchten die Backtradition erhalten, indem sie sie ganz praktisch weitertragen und zwei- bis dreimal in der Woche mehrere Stunden lang für die unterschiedlichsten Gruppen backen, unter anderem für Schulklassen oder Gruppen aus sozialen Einrichtungen. Wenn – wie heute – Menschen zu Besuch sind, die sich körperlich nicht so viel einbringen können, dann dürfen sie kleine Aufgaben erledigen und den Rest an die Backmannschaft abgeben.

Die Temperatur muss stimmen

Günter Schmidt, Erster Vorsitzender des Vereins, betreut gerade am Ofen fachmännisch das brennende Buchenholz. Immer wieder macht er die Klappe auf, schaut in die Hitze: „Ich muss hier erst einmal schauen, dass das die richtige Temperatur bekommt.“

Echtes Brot mit Liebe backen. (Foto: Isabel Sonnabend)
Und dann geht's in den heißen Steinofen.

Er zieht an den Stangen über der Ofenklappe. „Der Ofen muss aufgeheizt werden bei 400 bis 450 Grad, dann wird der Teig eingeschoben bei einer Temperatur zwischen 220 und 270 Grad. Und ich hab’ das hier mit den Stangen genau eingestellt, Luft rein, raus, damit das genau die richtige Temperatur bekommt. Da darf der Ofenbetreuer sich auch nicht ablenken lassen, sonst ist die Pizza verbrannt!“

Es sich gut gehen lassen.

Pizza oder auch Flammkuchen serviert das Team frisch gebacken, während der Teig in der Holzmulde aufgeht. Ihr Mittagessen belegen sich die Gruppen nach Wunsch selbst, die Zutaten bringen sie auf Empfehlung des Teams mit.

Echtes Brot mit Liebe backen. (Foto: Isabel Sonnabend)
Manchmal gibt es auch was ganz anderes.

So überbrückt das Backteam die Minuten, die der Brotteig in der Holzmulde zum Aufgehen braucht. Und so pflegen sie auch die Gemeinschaft beim gemeinsamen Essen. „Dass sich hier jeder wohlfühlt, das ist uns wichtig“, sagt Karin.

Es muss hohl klingen

Nach eineinhalb Stunden schieben Günter und Backpatin Edith das Brot in den Ofen, 100 Laibe würden hineinpassen, heute sind es zwanzig Ein-Kilo-Laibe mit einer Roggenmischung, „die richtig schön knusprig werden“. Eine Stunde später ist das Brot dann so weit: Mit einem Schaber holt Günter jedes einzeln aus dem Ofen, Edith macht dann den finalen Klopftest. Sie nimmt die Brote vom Holzschaber und haut mit der Hand auf die Rückseite: „Wenn es hohl klingt, ist es gut – ei, das ist ja wunderbar!“

Echtes Brot mit Liebe backen. (Foto: Isabel Sonnabend)
Hmmm. Wer will das Küstchen?

Die Stellwerks-Technik ist schon über 100 Jahre alt und funktioniert auch heute noch so in ganz wenigen verbliebenen mechanischen Stellwerken bei der Bahn. Für das Stellwerk Otterbach-Lampertsmühle war 2005 endgültig Schluss. Seitdem regeln Kollegen im weit entfernten Neustadt den Verkehr.

Das Team ist zufrieden

Die Brote werden, jedes einzeln, zum Abkühlen ins Holzregal gelegt, um später in Tüten verpackt zu werden. Damit ist nach zweieinhalb Stunden wieder ein Backtag zu Ende. Er hinterlässt zwölf Männer und Frauen der Lebenshilfe mit einem glücklichen vollen Magen, und Betreuerin Isabelle Neuhardt ist froh, da gewesen zu sein: „Wir konnten nicht so viel mitmachen, aber es war sehr schön zu sehen, wie hier das Brot noch so traditionell gebacken wird – und die Pizza hat auch frisch und fluffig geschmeckt.“

Und er hinterlässt ein zufriedenes Team – „wenn die Leute hier rausgehen und haben einen schönen Tag gehabt, dann ist das für uns gut gelaufen, dann sind wir auch glücklich“ –, das stolz ist, wieder einen kleinen Teil der Backkunst in die Welt getragen zu haben.


Auf einen Blick


Kontakt
Backhaus Lauterbach
im Warndt e. V.
Vorstand Günter Schmidt
Hauptstraße 53
66333 Völklingen
Tel.: (06898) 91 22 680
Mobil: (0170) 18 20 252
E-Mail: meb.office@t-online.de

Öffnungszeiten
Werden variabel abgesprochen.

Eintritt
10,- € pro Person plus Zutaten für Brot, Pizzen, eventuell Flammkuchen und Kuchen, die die Gruppen mit­bringen (auf Empfehlung des Backteams).

Anfahrt
Adresse:
Fröbelstraße 14 66333 Völklingen
Von der Hauptstraße in Lauterbach aus in die Remsingerstraße/Kreuzwaldstraße (je nach Fahrt­richtung), von dort aus über die Felsenbrunnerstraße in die Fröbelstraße. Das Gebäude liegt zwischen der Lauterbachhalle und dem Kindergarten Lauterbach.

Geheimtipp
Das Backteam besteht aktuell aus etwa zwölf Männern und Frauen und sucht noch Verstärkung – Interessierte können sich beim Vorstand melden!

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