Pilger auf dem Jakobsweg (Foto: Peter Michael Lupp)

Ein kleiner Umweg auf der Straße nach Santiago...

Kleinode auf der Köllertalschleife des Jakobswegs

 

Viele Wege führen zum Heiligen Jakobus nach Santiago de Compostella, und in den letzten Jahren werden immer mehr davon reaktiviert. Gerade auch bei uns in der Region, wo sich mehrere Routen aus dem Osten, dem Norden und dem Westen kreuzen.

Pilger auf dem Jakobsweg (Foto: Peter Michael Lupp)
Pilger auf dem Jakobsweg

So wie die Jakobspilger früher schon Grenzen überschritten haben, so ist auch die Arbeit an diesen alten Jakobswegen grenzüberschreitend. Das Projekt nennt sich Sternenweg/chemin des étoiles. Sein Wahrzeichen sind steinerne Jakobsmuscheln als Wegezeichen, diese Muscheln wurden in einer Qualifizierungsmaßnahme erstellt – Vernetzung, Verbindung ist bei diesem Projekt oberstes Gebot.

Schon der alte Jakobsweg von Mainz über St. Wendel nach Saarbrücken führt ein Stück durch den Köllertaler Wald. Dort, wo Elisabeth von Lothringen früher von Schloss Philippsborn – also da, wo heute etwa das Forsthaus Neuhaus ist – zu ihrem Witwensitz, der Burg Bucherbach mitten im Köllertal gestartet ist, beginnt auch die Köllertalschleife. Die ist zwar ein kleiner Umweg nach Santiago, aber einer, der sich lohnt, meint Peter Michael Lupp vom Regionalverband Saarbrücken. Und das nicht nur, weil es auf diesem Sternenweg drei richtig schöne Stempel gibt. Denn diese Schleife führt zu richtigen mittelalterlichen Kleinoden im Köllertal.

Burg Bucherbach (Foto: Peter Michael Lupp)
Burg Bucherbach

Pilgern hat übrigens Tradition in diesem Tal und auch auf dem Berg, der es nach Saarbrücken hin abgrenzt, dem Riegelsberg. Dort finden seit 1946 regelmäßig Wallfahrten statt, zur Schwarzen Madonna in der Kirche St. Josef. Das Riegelsberger Exemplar ist eine aus Holz geschnitzte Abbildung der Schwarzen Madonna von Altötting und ein Geschenk aus dem berühmten Wallfahrtsort in Bayern. Diese Schwarze Madonna ziert auch einen von drei Pilgerstempeln der Köllertalschleife.

Von Güchenbach aus geht es über Etzenhofen runter ins Köllertal und von dort bequem auf dem Köllertal Rad- und Wanderweg in den ältesten Teil des jetzt zu Püttlingen gehörenden Ortes Köllerbach: Kölln. Dessen Mittelpunkt ist einer der ältesten Sakralbauten des Saarlandes, die Martinskirche. Sie hat als erste Station auf der Köllertalschleife eine steinerne Jakobsmuschel als Wegezeichen bekommen. Ihre Wurzeln sollen bis weit ins 8. Jahrhundert zurückreichen, urkundlich erwähnt wurde sie erstmals 1223. Schon früher müssen Pilger einen solchen Umweg gemacht haben, vermutet nicht nur Peter Michael Lupp vom Regionalverband. Denn im Deckengemälde dieser Martinskirche zu Kölln ist der Heilige Jakobus mit Pilgerhut, Jakobsmuschel und Pilgerstab zu sehen, wie er sich einem Lahmen zuwendet, der kniend um Heilung bittet. Und das ist sicherlich eines der bedeutendsten Zeugnisse des mittelalterlichen Jakobskults in der Region Saarbrücken. Dieser Ausschnitt aus dem Deckengemälde der Martinskirche ist auch das Wegezeichen für die komplette Köllertalschleife.

Nicht weit von diesem geschützten Einzeldenkmal finden Sie unten im Tal die Reste jener Burg Bucherbach, die Elisabeth von Lothringen mal als Witwensitz zugedacht war. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert, wurde in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts vor dem endgültigen Verfall bewahrt und dient heute als Schauplatz für Mittelalter-Märkte und andere Veranstaltungen. Schräg gegenüber, in Uhrmachers Haus, gibt es übrigens, wie in der Martinskirche, den zweiten Stempel dieses Weges.

Auf flacher Strecke erreichen Sie Püttlingen, die Domstadt im Köllertal. Aus heutiger Sicht ging es dort im 16. Jahrhundert wenig christlich zu, als ein Amtmann 14 Frauen aus dem Köllertal in einem Turm gefangen setzte, sie wegen Hexerei anklagte und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilen ließ – als Mahnung heißt dieser Ort mitten in Püttlingen heute noch der Hexenturm. Aber es wurde und wird immer noch auch viel Gutes getan in Püttlingen, zum Beispiel in der alten Kreuzkapelle Richtung Völklingen oder im direkt darüber liegenden neuzeitlichen Kloster Heilig-Kreuz. Das ist seit den frühen 70er Jahren eine Anlaufstelle für Jugendliche im Köllertal und ein Zentrum des fairen Handels, nicht nur mit Bolivien. Die von dem Ungarn Lehoczky entworfene Doppelkirche des Klosters beeindruckt mit ihrem geschwungenen Dach und ihren großen Glasfenstern auch Zweifler. Vor allem das Dreifaltigkeitsfenster hat es vielen angetan. Und die Redemptoristinnen haben für alle ein offenes Ohr, ein warmes Lächeln und oft genug auch Kaffee und Kuchen – ob sie nun den dritten Stempel dieser Köllertalschleife haben wollen oder nicht.

Durch Wald und Wiesen geht es vom Kloster aus über den Wackenweg auf den Dickenberg Richtung Ritterstraße und über den Schocksberg mit seinem Sender, den Hixberg und das Quellgebiet des Burbachs durch den Wald zurück auf den Riegelsberger Kasberg. Oder auch nur an die nächste Saarbahnhaltestelle, an der Sie unweigerlich vorbeikommen. Und wenn Sie wirklich die ganze Strecke ganz zu Fuß gegangen sind, dann wissen Sie, was Sie geleistet haben. Aber unterwegs nach Santiago war das wirklich nur ein kleiner Umweg!

Ulli Wagner


Kontakt


Tourist Information im Saarbrücker Schloss
Schlossplatz 1–15
66119 Saarbrücken

Tel: (0681) 506-1313

E-Mail: touristinfo@rvsbr.de

www.sternenweg.net
www.regionalverband-saarbruecken.de

Wallfahrtskirche St. Josef
Riegelsberg

Tel: (06806) 99 49 30

Martinskirche Kölln
Köllerbach

Tel: (06806) 43 22


Eintritt


Der Eintritt ist frei, allerdings gibt es in den beiden Kirchen und dem Kloster Opferstöcke.


Öffnungszeiten


Ganzjährig und ganztägig.


Tipps


Die Köllertalschleife des Sternenwegs ist ein Rundweg von circa 20 Kilometern und in die Kategorie mittelschwer eingestuft. Dieser Weg führt nur in ganz kurzen Abschnitten an Hauptverkehrsstraßen entlang. Meist nutzt er Nebenstraßen und Waldwege und in weiten Teilen den Köllertal Rad- und Wanderweg neben der ehemaligen Trasse der alten Köllertalbahn. Vor allem dieser Abschnitt ist völlig problemlos auch für Menschen mit Behinderung zu bewältigen und auch rollstuhl- und kinderwagentauglich.

Die historische Köllertalschleife zweigt zwischen dem Forsthaus Neuhaus und der Autobahn bei Riegelsberg vom Jakobsweg St. Wendel-Saarbrücken in den Köllertaler Wald ab und ist entsprechend ausgeschildert. Sie können die Schleife aber auch an jedem beliebigen Punkt beginnen oder beenden, sie kann auch gut in mehrere Einzeltouren aufgeteilt werden, zum Beispiel mit Hilfe der Saarbahn, die mit Etzenhofen ja eine Station direkt im Köllertal hat und das erste kulturhistorische Denkmal dieser Schleife, die Schwarze Madonna in der Josefskirche, befindet sich genau zwischen den Haltestellen Post und Riegelsberghalle.

Diejenigen, für die der Weg das Ziel ist, können diese Köllertalschleife nach Lust und Laune gehen, denn die Burg Bucherbach und der Hexenturm sind immer zugänglich und das gilt im Prinzip auch für das Kloster Heilig-Kreuz. Diejenigen, die sich auch die ganz besonderen Klein­ode, wie die schwarze Madonna oder das Deckengemälde in der Martinskirche zu Kölln anschauen wollen, sind gut beraten, sich rechtzeitig in den beiden Pfarrhäusern und Pilgerstempelstationen anzumelden.

Die drei Muschelpunkte auf der Köllertalschleife sind auch mit einem eigenen GPS-Code versehen, die Route kann also auch als GPS-Track runtergeladen werden.


Anfahrt


Der originäre Einstieg zur Köllertalschleife liegt an der L 259 zwischen Saarbrücken und Riegelsberg und ist mit dem Auto von Saarbrücken City aus entweder über Landstraße zu erreichen, vom Ludwigskreisel über die Rußhütte, Richtung Netzbachtal und dann links die L 259 hoch Richtung Riegelsberg oder über die A 1, Ausfahrt Riegelsberg. Das sind von der City aus rund sieben Kilometer. Die Saarbahn tangiert diese Köllertalschleife aber auch an mehreren Stellen: zum Einstieg geht es von der Haltestelle Riegelsberg Süd über den Friedhof, die erste Station, die Schwarze Madonna in St. Josef erreichen Sie problemlos über die Haltestelle Post.

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