Wasser steht in einem Tunnel der Kupfergrube in Stolzemburg (Foto: SR/David Differdange)

Ein unbekanntes Kapitel luxemburgischer Industriegeschichte

Die Kupfergrube von Stolzemburg

David Differdange   25.07.2022 | 06:00 Uhr

Wer über die industrielle Vergangenheit Luxemburgs spricht, meint in der Regel die Gruben, Hochöfen und Fabriken im Süden des Landes. Ein bedeutendes Kapitel Industriegeschichte, das in diesem Jahr auch in Esch-sur-Alzette, der europäischen Kulturhauptstadt 2022, im Mittelpunkt steht.

Der Norden Luxemburgs blickt auf eine gänzlich andere Geschichte zurück. Über Jahrhunderte war die Region von der Landwirtschaft geprägt.

Anders das kleine und auf den ersten Blick unscheinbare Dorf Stolzemburg. Über 200 Jahre lang wurde dort im Ourtal, in der Nähe von Vianden, Kupfer gefördert.

Vor Ort kann man diesem unbekannten Kapitel luxemburgischer Industriegeschichte auf den Grund gehen. Es gibt im Dorf ein kleines Museum und die Möglichkeit, Führungen unter Tage zu buchen.

Wer hat das Kupfer entdeckt?

Zwei Personen stehen vor dem Eingang der Kupfergrube in Stolzemburg (Foto: SR/David Differdange)

Die Anfänge des Stolzemburger Kupferabbaus liegen laut einer Legende im 15. oder 16. Jahrhundert, erklärt Fremdenführerin Germaine Kiefer: „Angeblich merkten Bauern, dass das Vieh, das am Klangbach hier in der Nähe getrunken hat, an Vergiftungserscheinungen litt.“ Nach einigem Suchen sei man so auf die erste Kupferader gestoßen.

Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass noch deutlich früher Kupfer in der Gegend gewonnen wurde. „Historiker sind der Meinung, dass hier bereits Kelten und Römer nach Kupfer geschürft und es abgebaut haben. Aber dafür gibt es keinen Beweis, keine Spuren“, sagt Germaine Kiefer. 

Den Anfang machten Privatleute

Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert waren es Privatleute, die in Stolzemburg nach Kupfer suchten und in den Abbau investieren. Das änderte sich 1854, als die Stolzemburger Minengesellschaft gegründet wurde. „Die hatte das Recht, auf einem Areal von mehr als 2.000 Hektar Kupfer abzubauen. Zu dieser Zeit wurden Versuchsstollen in den Berg gegraben“, erklärt Germaine Kiefer. Diese Spuren sind bis heute entlang des Wanderwegs zu sehen, der aus dem Dorf zur alten Kupfergrube führt.

Abbau bis kurz vor Kriegsende

Ein Blick in einen unterirdischen Tunnel der Kupfergrube in Stolzemburg (Foto: SR/David Differdange)

Über die Jahrhunderte entstanden bei Stolzemburg in zwölf Etappen bis zu 170 Meter tiefe und Hunderte Meter lange Stollen. Bis 1944 wurde immer wieder Kupfer in Stolzemburg abgebaut, in den Kriegsjahren unter deutscher Besatzung für die Rüstungsindustrie. Das Vorrücken der Alliierten beendete schließlich die letzte Phase der Kupferförderung im Norden Luxemburgs.

Besichtigung mit Gummistiefeln und Regencapes

Zwei Personen gehen durch einen schmalen Gang zwischen zwei Felsen (Foto: SR/David Differdange)

Heute stehen große Teile der Stolzemburger Kupfergrube unter Wasser: Besucherinnen und Besucher werden vor dem Betreten mit Gummistiefeln und Regencapes ausgestattet. Diese Ausrüstung ist zwingend notwendig, denn der Weg in den Berg führt durch einen alten Entwässerungsstollen. Schon nach wenigen Schritten steht man die meiste Zeit des Jahres knöcheltief im Wasser.

Das Wasserproblem

Der technische Fortschritt, vor allem die Entwicklung modernerer Pumpen, hatte in Stolzemburg immer wieder die Hoffnung auf ein profitables Geschäft geweckt. Doch der Kampf gegen das Wasser war zu teuer, die Kupfergrube blieb zumeist unrentabel. Und das, obwohl das Kupfererz besonders rein war. „Der Kupfergehalt hier in Stolzemburg war relativ hoch. Doch eine Schmelzhütte stand hier nur ganz am Anfang. Das Kupfererz wurde deshalb nach Givet in Nordfrankreich oder sogar bis nach Swansea in Wales exportiert“, berichtet Germaine Kiefer.

Wie hart die Arbeit in Stolzemburg gewesen sein muss, lässt sich bei einem Besuch in jedem Fall erahnen. Bis zum Schluss wurde das Kupfererz in Handarbeit abgebaut.

Es war ein harter Job

Hinzu kamen die Feuchtigkeit und die bedrückende Enge der Galerien: Wer über 1,80 Meter groß ist, sollte bei einem Besuch in jedem Fall gebückt gehen. Und auch der Aufstieg aus der alten Kupfergrube ist ein kleines Abenteuer. Er führt über eine sehr schmale, feuchte Metalltreppe ins Freie.

Kein Wunder, dass manche Besucherinnen und Besucher lieber den Weg zurück durch den Entwässerungsstollen wählen.


Auf einen Blick


Kontakt
Syndicat d’Initiative Stolzemburg
5A, rue Principale
L-9463 Stolzembourg
Tel.: (00352) 26 95 05 66
E-Mail: tours@visit-eislek.lu und info@stolzembourg.lu
www.stolzembourg.lu/kupfermine/

Das Museum ist auch der Treffpunkt für Führungen.

Öffnungszeiten
Die unterirdischen Galerien sind von Ostern bis Ende Oktober geöffnet. Die Führungen durch Museum, entlang des Wanderwegs und durch die Kupfergrube dauern rund drei Stunden.

Eintritt
Erwachsene: 9 Euro
Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre: 5 Euro


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