Blick auf den Turm von Drince (Foto: Airdiasol-Rothan)

Der kleine Bruder des Pariser Eiffelturms

Tour de Kultur 2021: Auf dem Turm von Drince sieht man über drei Grenzländer

Kerstin Gallmeyer   19.07.2021 | 06:00 Uhr

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110 Stufen für einen spektakulären Ausblick

Der Turm von Drince (Foto: SR/Kerstin Gallmeyer)

Ob man sich von der Niederländischen Nordsee bis an die Côte d’Azur durchkämpft. Oder ob man nur ein kleines Stück des Fernwanderwegs GR5 durch das französische Département Moselle läuft. Links liegen lassen sollte man ihn nicht: den kleinen, lothringischen Bruder des Eiffelturms. Auch bekannt als der Turm von Drince. Denn hat man seine 110 Stufen genommen, bietet sich eine unerwartet spektakuläre und buchstäblich grenzenlose Aussicht.

Die berühmte Fernwanderroute GR5 schlängelt sich von den Niederlanden über Belgien, Luxemburg und Frankreich bis nach Menton an der Côte d’Azur. Vorbei an Aquädukten, durch die Vogesen und über herausfordernde Alpengipfel – der GR5 hat viel zu bieten. Ein Turm von 25 Metern Höhe, gebaut auf einen kleinen Hügel, ist sicher nicht der Grund, weshalb der GR5 bei abenteuerlustigen Wanderern so beliebt ist. Umso mehr können sie sich über die kleine Entdeckung am Rande ihrer großen Route freuen. Wenn man aber das Glück hat, ohnehin in der Großregion zu wohnen, dann reichen sogar nur ein paar Stunden, um den kleinen Bruder des Eiffelturms zu besuchen.

Die Idee wurde 1900 geboren

Doch seine Geschichte muss von vorn erzählt werden. Und dazu geht’s zurück ins Jahr 1900. Genauer gesagt, auf den 17. Dezember 1900. Da beschloss die in Rombas ansässige Sektion des Wanderclubs Club Vosgien einen Turm zu bauen. Und zwar auf dem Hügel von Drince, gleich um die Ecke. Der Club Vosgien war nach dem deutsch-französischen Krieg von einem deutschen Richter in Saverne gegründet worden und hatte mittlerweile im Elsass und in Moselle einige Ableger bekommen. So auch den Club Vosgien de la vallée de l’Orne. Die Natur- und Wanderfreunde kümmerten sich um die Instandhaltung der Wander- und Spazierwege in ihrem Revier. Das tun sie übrigens bis heute. Aber bleiben wir in der Vergangenheit.

Höher als der Eifelturm

Etwa sieben Jahre nach dem Beschluss vom Dezember 1900 wurde der Plan umgesetzt und ein Turm gebaut. Aus Geldmangel wurde es einer aus Holz. 25 Meter hoch – zusammen mit den etwa 400 Metern, die der Hügel von Drince hoch ist, ergab das stolze 425 Meter. Und damit 101 Meter mehr als der 1889 gebaute Eiffelturm im fernen Paris.

Und wieder mal: die deutsch-französische Geschichte

Historische Aufnahme des Turms von Drince (Foto: Mairie de Rombas)

Und das ist ganz entscheidend: Denn von oben lässt sich bei klarem Himmel 80 Kilometer weit blicken. Über bewohnte Täler und Hügel und über drei Grenzen hinweg. Nämlich über die deutsche, die luxemburgische mit dem Atomkraftwerk von Cattenom am Horizont und über die belgische Grenze. Und natürlich weiter nach Frankreich hinein. „Bei gutem Wetter lässt sich auch das Beinhaus von Douaumont bei Verdun erspähen“, sagt Jean-Pierre Hoeffler, Präsident des heutigen Club Vosgien im vallée de l’Orne. Ein Denkmal der bewegten deutsch-französischen Geschichte. Genauso wie der Turm von Drince selbst. Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand der provisorische Holzturm auf deutschem Reichsgebiet. Und so dauerte sein Leben nur einige Jahre. Es endete, als der Erste Weltkrieg begann. Denn die Deutschen hielten den Ausguck für ein zu großes Risiko – und zerstörten ihn kurz nach Kriegsausbruch 1914.

Aus Holz wurde Stahl

Es dauerte fast 20 Jahre bis zu seiner Renaissance. Im Jahr 1932 entstand an genau dieser Stelle ein neuer Turm. Diesmal aus dem berühmten Lothringer Stahl, genauso wie die große Schwester. Die Eisendame von Paris.

Die geschichtlichen Verhältnisse hatten sich geändert. Lothringen und damit Rombas und der Hügel von Drince gehörten nun wieder zu Frankreich.

Historische Aufnahme einer Frau auf dem Turm von Drince (Foto: Mairie de Rombas)

Auch die Abteilung des Club Vosgien de la vallée de l’Orne in Rombas wurde jetzt von den Lothringern wieder zum Leben erweckt. Und die wollten ihren Aussichtsturm zurück. Allerdings: Die von der hiesigen Baufirma Jost et Collot Frères d’Amnéville veranschlagten Kosten von 30.000 Francs waren nicht leicht zu beschaffen. Doch dank Spenden und einer Tombola konnte am Ende der neue Turm von Drince an gleicher Stelle am 11.9.1932 feierlich eröffnet werden.

Der "Eifelturm" von Rombas

Für die Stadt Rombas wurde der Turm von Drince zum Wahrzeichen. Eben wie der Eiffelturm für die Pariser. „Den Turm kennt einfach jeder Mensch in Rombas, wir sind sehr mit ihm verbunden“, bekräftig Jean-Louis Pironio, der Sprecher der Stadt Rombas. „Er ist nicht nur ein Ausflugsziel, sondern hat eine große symbolische Bedeutung für uns.“

Eben wie der Eiffelturm. Und genauso wie seine große Schwester steht auch der kleine Turm von Drince noch heu­te da: Mit einer Plattform auf 20 Metern und – für komplett Schwindelfreie – einer zweiten und kleineren Plattform noch ein paar Meter höher. Was er bietet: Einen unvergesslichen Blick zwar nicht über das mythische Paris, aber über ein historisch gesehen nicht minder bedeutendes Stück Erde.


Auf einen Blick


Blick auf den Turm von Drince (Foto: Airdiasol-Rothan)

Mairie de Rombas
Place de l’hôtel de ville
F-57120 Rombas
Tel.: (0033 3) 87 67 92 20

Öffnungszeiten
Ganzjährig

Eintritt
Der Eintritt ist frei

Anfahrt
Die Autobahn A4 Richtung Paris, Ausfahrt Marange-Silvange. Dann der N52 folgen. Am ersten Kreisel geradeaus. Am zweiten Kreisel, nach einigen Kilometern und einer Tankstelle, links auf die D181 einbiegen. Nach etwa zwei Kilometern rechts abbiegen, dann im Kreisel die erste rechts raus (Rue Chantereine), nach etwa 500 Metern rechts unter der Brücke durchfahren bis auf den Parkplatz.

Tipp für die Erwanderung des Turms
Es gibt mehrere beschilderte Waldwege, die zum Turm von Drince führen. Gute Parkmöglichkeiten gibt es an der Zone de Loisirs du Fond Saint Martin in Rombas (Chemin de la Croix Navée). Man kann aber auch von Pierrevillers aus starten.

Der etwa sechs Kilometer lange Rundweg ist laut „Club Vosgien de la vallée de l’Orne“ der leichteste Zugang zum Turm.

Eine Erwanderung des Turms lässt sich hervorragend verbinden mit einem Besuch der Stadt Rombas mit ihren vielen historischen Gebäuden, die in der Zeit der Annexion von Elsass und Lothringen nach dem deutsch-französischen Krieg ent­standen sind. Oder mit einem Besuch des benachbarten Amnéville mit seinem berühmten Zoo oder des Thermalzentrums.


Die Tour de Kultur 2021


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