Auf dem Weingut Romanushof (Foto: Weingut Romanushof)

Der Zaubertrank

Tour de Kultur 2021: Moselwein mal anders

Sven Rech   19.07.2021 | 06:00 Uhr

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Im Glas: Römerwein

„Man muss ihn mögen“, gibt Roman Auler zu. Der Wein, den er auf seinem Weingut, dem Romanushof in Wintrich an der Mosel erzeugt, schmeckt ein bisschen anders als das Piesporter Goldtröpfchen, der Kröver Nacktarsch oder der Bernkasteler Doktor. Genaugenommen schmeckt er ganz anders als jeder Moselriesling.

Dabei ist der Wein, den Roman Auler kredenzt, gewissermaßen der Urahn der heutigen Moselweine. Denn der Diplom-Önologe hat sich auf die experimentelle Archäologie spezialisiert. Anders gesagt: Roman Auler macht Römerwein.

Danke Julius Cäsar!

Dazu muss man wissen: Dass an der Mosel überhaupt Wein wächst, verdanken wir Julius Cäsar. Der hat bei der Eroberung Galliens auch das Land der Treverer besetzt, sprich: das Gebiet zwischen Saar und Mosel, Hunsrück und Eifel. Eine Unmenge von zerschlagenen Amphoren und die Schuhnägel römischer Legionäre auf einem Acker bei Hermeskeil bezeugen die Anwesenheit von Cäsars Truppen in unserer Region. Die Römer kamen ursprünglich als Verbündete des keltischen Stammes der Treverer gegen feindliche germanische Stämme, aber dann wollten sie nicht mehr gehen, besetzten das Land, gründeten eine Stadt namens Augusta Treverorum, später der Einfachheit halber „Trier“ genannt – und wollten vor allem nicht auf ihren römischen Lebensstil verzichten. Vinum statt Met!

Steinskulptur einer römischen Wein-Galeere (Foto: Weingut Romanushof)

Anfangs kamen wohl noch Schiffe aus Italien, randvoll mit Amphoren von den Hängen des Vesuvs, den Hügeln der Toscana oder der Kolonien in der Provence. Ein reicher Händler hat sich in Noviomagus Treverorum, dem heutigen Neumagen-Dhron, ein solches Schiff im Jahr 220 n. Chr. auf seine Grabplatte meißeln lassen. Rund 1800 Jahre später hat man das Schiff unter der Aufsicht von Fachleuten aus dem Römisch-Germanischen Zentrum in Mainz nachbauen lassen – 18 Meter lang, vier Meter breit schwimmt es seither jeden Sommer über die Mosel und transportiert Touristen von einer römischen Kelteranlage zur nächsten.

Anbau statt Import

Denn natürlich war der Seeweg von Rom nach Neumagen beschwerlich, gefährlich und nicht zuletzt wohl auch ziemlich teuer. Darum begannen die Römer, ihren Wein direkt in den steilen Flusstälern von Mosel, Saar und Ruwer anzubauen – und siehe da: Die rutschigen Schieferböden und das Mikroklima dort erwiesen sich als äußerst positiv für die Weinstöcke. Und so findet sich in beinah jedem Ort entlang der Mosel auch ein Hinweis auf eine „römische Kelteranlage“, die man besichtigen kann. In Piesport ist eine sogar so gut erhalten beziehungsweise restauriert, dass dort alljährlich im Herbst nach Römerart gekeltert und gefeiert wird. Wer zufällig vorbeikommt, könnte glauben, er befinde sich mitten im Dreh zu einem Sandalenfilm. Dann aber stellt man schnell fest: Die tragen gar keine Sandalen. Sondern plantschen barfuß durch die Trauben, dass der Riesling (in spe) nur so spritzt.

Tongefäße statt Holzfässer

Fast alle heutigen Mosel-Weingüter von Renommee lassen sich auf die ein oder andere Art bis zu den Römern zurückverfolgen. Nur Roman Aulers Anwesen hat keinen römischen Keller, keine römischen Fundamente, nicht mal frühchristliche Fresken, weder Fachwerk noch Jugendstilfassade. Es ist ein Einfamilienhaus mit Garage aus dem späten 20. Jahrhundert.

Aber im Garten hat er zwei riesige Tongefäße vergraben, sogenannte Dolien, die rund 1.000 Liter fassen. In solchen Gefäßen haben die Römer ihren Wein reifen lassen, ehe irgendjemand das Holzfass erfunden hat. Aus den Dolien wurde der Wein in schmale 20-Liter-Amphoren umgefüllt, und Roman Auler kann lange Vorträge darüber halten, wie die von innen abgedichtet wurden – denn der gebrannte Ton wäre auf Dauer von der Weinsäure zerfressen worden.

Römische Kelterkunst für heutige Gaumen

Roman Auler vom Weingut Romanushof (Foto: Weingut Romanushof)

Man merkt: Der Mann hat alles gelesen, was die Römer über den Wein geschrieben haben – und er hat es als Winzer gelesen, nicht als Historiker. Im Keller seines Einfamilienhauses (spätes 20. Jahrhundert) hat Roman Auler ein Museum eingerichtet, in dem er alles zusammengetragen hat, was er über die Weinherstellung in der Antike erfahren hat. Und natürlich kann man die Ergebnisse seiner archäologisch-önologischen Experimente auch probieren.

Den Mulsum zum Beispiel – einen mit Honig und vielen weiteren Gewürzen versetzter Wein, auf den die römischen Legionäre ein verbrieftes Anrecht hatten. Mulsum war – ist – nahrhaft, durstlöschend, antiseptisch, antibiotisch und wie jeder Wein auch ein bisschen berauschend. Mulsum kurierte Halsweh, Durchfall und Heimweh, er machte stark und letztlich unbesiegbar. Die Römer hatten den Zaubertrank, nicht die Gallier.

Und wie schmeckt er nun? „Man muss ihn mögen“, sagt Roman Auler.


Auf einen Blick


Weingut Romanushof
Roman Auler
Moselweinstraße 67
54487 Wintrich
Tel.: (06534) 82 49

Öffnungszeiten
Nach telefonischer Voranmeldung

Eintritt
Bitte erfragen

Anfahrt
Saarbrücken – A1 Richtung Trier Ausfahrt 132 nach Reinsfeld nehmen. Dann der B327 Richtung Thalfang folgen, von dort Richtung Bernkastel-Kues. Dabei kommt man automatisch durch Wintrich.


Die Tour de Kultur 2021


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