Auf dem Felsenweg Bollendorf – Beaufort in Luxemburg (Foto: SR/Karin Mayer)

Schweiz ganz nah

Tour de Kultur 2021: Der Felsenweg Bollendorf – Beaufort in Luxemburg

Karin Mayer   19.07.2021 | 06:00 Uhr

Zurück zur Übersicht

Man erkennt es nicht auf den ersten Blick, denn um zu den unglaublichen Felsformationen zu kommen, muss man erst einen Anstieg bewältigen. Es geht steil bergauf. Ein schmaler Pfad schlängelt sich durch den Wald, vorbei an Wiesen und wieder durch den Wald. An Felsen denkt man zu diesem Zeitpunkt nicht, dafür ist der Atem zu knapp, der Weg zu fordernd. Nur wenige Wanderer begegnen uns auf diesem ersten Abschnitt der Wanderung. Das hat Charme und einen Grund: Die Strecke, die wir uns vorgenommen haben, ist 20 Kilometer lang. Drei steile Anstiege über 900 Höhenmeter hoch und wieder runter liegen noch vor uns und ich gestehe, bei einer Rast haben wir überlegt, ob uns der Weg zu weit ist. Aber dann sind wir weitergegangen und es hat sich gelohnt. 

Von der Zeit gezeichnete Felsen und eine Passage namens Andrack

Vor Millionen Jahren haben Wassertropfen den Fels gezeichnet (Foto: SR/Karin Mayer)

In der Höhe erreicht man die ersten Felsformationen. Die Wände grau und verwittert. Kreisrunde Tropfen und Furchen hat die Zeit in den Stein gegraben. Das ist 200 Millionen Jahre her. Jetzt blickt der Wanderer auf Unterwasserwelten, die sich im Sandstein eingegraben haben.

Der Weg biegt ab nach rechts, entlang der Märchenfelsenwelt und zwischen den Felsen hindurch. An der engsten Stelle, muss man den Rucksack abnehmen, so eng ist es in der Mandrack-Passage. Das klingt historischer als es ist. Die Passage ist tatsächlich dem Berufswanderer Manuel Andrack gewidmet, der den Weg vor einigen Jahren beschrieben hat. In anderen Routenbeschreibungen ist die Passage der Schlusspunkt, für uns ist sie der Auftakt. 

Und kurz kann man auch mal ganz entspannt laufen

Auch das hat der Felsenweg zu bieten - wenn auch selten: eine liebliche Landschaft (Foto: SR/Karin Mayer)

Nach einem Abstieg erreichen wir Grundhof und haben einen Blick in die Weite. Hier grasen schwarze Rinder, der Löwenzahn hat die Wiese erobert. Der Pfad führt zwischen Hecken und Büschen hindurch. Dabei bleibt der Weg im schattigen Wald und ist damit ideal für sonnige Tage. 

Weiter geht’s: Bergauf und bergab, das ist Programm auf dem Felsenweg. Umso schöner und erholsamer erlebt man das Müllerthal. Der Weg führt jetzt flach durchs Tal und wir können verschnaufen. Zwischen Felsen fließt der Haupeschbach. Es gibt kleine Brücken und Stege, Wasserfälle und bergeweise Sandsteine. Wie Mauern liegen sie neben dem Weg und über uns im Wald.

Hingucker mit Imbiss-Angebot

Die Burg Beaufort (Foto: SR/Karin Mayer)

Wir sind in der kleinen Luxemburger Schweiz und das bedeutet: Auf diesem Teil der Strecke begegnen uns viele Wanderer. Zum einen ist der Müllerthal-Trail eine echte Attraktion, zum anderen führt er uns zur Burg und zum Schloss Beaufort. 

Wir umrunden den Schlossweiher und sehen die Festung aus dem 11. Jahrhundert. Die Ruine wurde saniert und ist Teil des Luxemburger Kulturerbes. Es gibt einen Imbiss und ein kleines Restaurant im Schlosshof. Zu normalen Zeiten werden Führungen durch Beaufort angeboten. Bei unserer Wanderung ist ein Besuch Corona-bedingt nicht möglich. 

Außerdem zieht es uns weiter. Wir haben noch fast die Hälfte der Strecke vor uns. Über einen Holzsteg erreichen wir den nächsten Anstieg. Er führt am Campingplatz vorbei in den Wald. Über die Höhe erreichen wir Dillingen und gehen ein kurzes Stück durch den Ort. Über eine Fußgängerbrücke verlassen wir Luxemburg. Und stehen vor dem Tränenlay: Ein kleiner Bach läuft in winzigen Rinnsalen und Tränen am Fels herab.

Hier haben die Felsen Namen

Schmale Wege führen durch die Felsen (Foto: SR/Karin Mayer)

Hier beginnt unser letzter Wegabschnitt: Es geht steil bergauf, die Beine sind schwer, aber der Blick richtet nach oben. Ein Fels nach dem anderen liegt zwischen Buchen und Ahorn. Der Sandstein macht Eindruck, deshalb haben die Felsen teilweise Namen bekommen. Der Predigerstuhl zum Beispiel ist ein Aussichtspunkt, auf den man steigen kann. Wir entscheiden uns für die Bank am Fuß des Felsens. Die letzte Anhöhe wird nach zwei weiteren Kilometern durch den Wald erreicht. Beim Abstieg kommen wir zum Waldhotel Sonnenberg, der Parkplatz neben dem Hotel kann auch als Startpunkt der Wanderung genutzt werden.

Der Felsenweg ist steinig, aber er hat uns eine echte Auszeit verschafft. Die Landschaft ist überraschend und abwechslungsreich, ein guter Ort zum Abschalten und Durchatmen. Auch wenn die Beine am Ende müde sind, geht man bereichert von vielen neuen Eindrücken nach Hause. Die Schweiz ist eben näher als man denkt. 


Auf einen Blick


Kontakt: Zweckverband Naturpark Südeifel
Ewerhartstr. 14
54666 Irrel
Tel.: (06525) 79 26 130
www.naturwanderpark.eu

Öffnungszeiten
Ganzjährig geöffnet

Eintritt
Der Eintritt ist frei

Anfahrt
A1 bis Trier, A64 Ausfahrt Trier, B51, L42, B418 und L1 bis Bollendorf.

Start/Ziel
Bollendorf, Ufer der Sauer
Die Wanderung ist 20 Kilometer lang.


Die Tour de Kultur 2021


Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja