Taurusrinderherde (Foto: Klaus-Werner Will)

Zwischen Absinkweiher, Taurusrindern und Wasserbüffeln

Tour de Kultur 2021: Der Rundweg durchs Merchtal

Dagmar Scholle   19.07.2021 | 06:00 Uhr

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Wer Pech hat, bekommt sie nicht zu Gesicht, die Tiere mit den großen Hörnern. Denn die Taurusrinder auf den Merchweiler Habichtsweiden haben reichlich Platz und vielfältige Verstecke. Genauso wie die Wasserbüffel. Und, nicht zu vergessen: die Exmoor-Ponies. Aber deswegen enttäuscht nach Hause gehen? Auf gar keinen Fall! Denn die Landschaft rund um den Hahnwiesweiher hat viel zu bieten. Weshalb wir uns den Tieren am besten mit einem Gang um das sonderbare Gewässer nähern.

Der Hahnwiesweiher liegt oben auf einem langgestreckten Hügel. Je nach Route, die man wählt, steigt man also mehr oder weniger schnell hinauf, folgt geschotterten Feldwegen und gelangt schließlich an einen breiten Damm. Auf der einen Seite die große Wasserfläche des Hahnwiesweihers, auf der anderen Seite die steile, dicht bewachsene Böschung. Und, sozusagen am Horizont, der Göttelborner Förderturm.

Blick auf Göttelborn (Foto: Klaus-Werner Will  )

Auf dem Hügel: Ein Weiher und viel Aussicht

Wenn es das Wetter gut meint, dann hat sich an dieser Stelle der Ausflug schon gelohnt. Der Blick ist grandios: weit, ländlich und zugleich industriell geprägt, denn warum sonst hätte man oben auf dem Hügel einen solch prächtigen Weiher vor sich. Er diente lange Jahre als Absinkweiher der Göttelborner Grube, wurde in das Tal hineingebaut wie ein Fremdkörper. Ursprünglich noch viel größer geplant, wehrte man sich in den umliegenden Ortschaften seinerzeit vehement dagegen. Dann kam im Jahr 2000 die vorzeitige Schließung der Grube in Göttelborn. Der Absinkweiher, zu jener Zeit noch längst nicht vollgefüllt mit Abraum und totem Gestein, verblieb als große Wasserfläche in der Landschaft. Und nun spaziert man um diesen weitläufigen Weiher, als hätte er schon immer friedlich dort gelegen. So ändern sich die Zeiten.

Der Hahnwiesweiher - ein Absinkweier (Foto: Klaus-Werner Will  )

Von den vergangenen Zeiten des Bergbaus künden noch viele Spuren. Große Rohre zwischen Weg und Weiher, durch die einst das Schlammwasser gepumpt wurde. Verrostete Schilder immer mal wieder, mit nüchternem Text: Betreten der Bergwerksanlage für Unbefugte verboten. Das kann man getrost ignorieren. Nicht ignorieren allerdings sollte man die neuen Schilder. Die künden von dem, was jetzt ganz allmählich in dieser bergbaugeprägten Landschaft entsteht: neuer Lebensraum für Mensch und Tier. Das große Naturschutzprojekt LIK Nord mit der schönen Bezeichnung Vogelzug und wilde Weiden. Oder auch einfach: Habichtsweiden.

Ein „Landschaftslabor“

Wasserbüffel (Foto: Klaus-Werner Will  )

Wer den Hahnwiesweiher umrundet, ist bei gemütlichem Tempo rund eine Stunde unterwegs. Wird ab und zu Spaziergänger treffen, Jogger, Menschen mit Hunden und auf Pferden, Radfahrer natürlich auch. Ein paar Bänke, auf einfache Weise renoviert, laden zum Verweilen ein; andere liegen noch von Hecken umwuchert im Dornröschenschlaf. Wer eine Picknickdecke dabei hat, findet auch dafür ein paar schöne Plätze, aber: Diese Gegend wird nicht umsonst auch als „Landschaftslabor“ beschrieben. Hier entsteht etwas Neues; die Landschaft ist nicht fertig, nicht immer gleich, sondern, in gewisser Weise ein durchwanderbares Experiment.

Die Taurusrinder haben Nachwuchs (Foto: Klaus-Werner Will  )

Was damit gemeint ist, sieht man hinter dem endlos langen Zaun, der sich seit dem Frühjahr 2020 entlang des Weges von Merchweiler Richtung Steinertshaus erstreckt. Denn meistens sieht man sie ja doch, wenn auch nicht unbedingt aus nächster Nähe, die Tiere, die dort weiden. Eine auf mittlerweile knapp 30 Tiere angewachsene Herde Taurusrinder mit ihren Kälbchen. Sechs Wasserbüffel.

Exmoor-Ponies (Foto: Klaus-Werner Will  )

Und vier Exmoor-Ponies. Die Taurusrinder: eindrucksvoll. Lange Hörner, kräftiger und zugleich anmutiger Körper; Nachzüchtungen des Auerochsens. Die Wasserbüffel: behäbig; die Nase oft auf eigenartige Weise witternd in den Wind haltend. Die Exmoor-Ponies: eine uralte, kleine, wohlproportionierte Ponyrasse mit Ursprung auf den Britischen Inseln.

Der Mensch bleibt Zaungast

Taurusrinder und Pferde auf der Weide (Foto: Klaus-Werner Will  )

Diese Tiere sind nicht nur ein besonderer Anblick, wenn sie so beinahe frei auf ihrer weitläufigen Weide stehen. Sie sind vor allem auch Landschaftspfleger. Indem sie fressen, auch mal den Boden zertreten, sich wälzen, schaffen sie neue Lebensräume. Und halten die Menschen aus diesem Lebensraum heraus. Das ist wichtig, weil sich viele Tierarten von Menschen und Hunden gestört fühlen, mit Rindern aber kein Problem haben. Sodass man als Mensch zwar Zaungast bleibt, dafür aber mit ungewöhnlichen Eindrücken belohnt wird: Vogelgezwitscher, Stille, weite Blicke und natürlich die fast archaisch anmutenden Weidetiere. Ganz im Sinne des „Landschaftslabors“ wird die Weidefläche übrigens allmählich Richtung Hahnwiesweiher erweitert. Schon jetzt sind es eindrucksvolle 56 Hektar, und es sollen noch etliche dazukommen. Auch ein Aussichtsturm ist in Planung: Weitblick auf den Wandel steht also in Aussicht.

Wer dann noch immer nicht genug hat, kann den Ausflug ganz unkompliziert erweitern. Denn nur wenige Autominuten entfernt, von Saarbrücken aus kommend an der Abfahrt Göttelborn, startet am dortigen Park-and-Ride-Parkplatz ein abwechslungsreicher Weg rund um den Kohlbach-Weiher. Unten am Weiher kann man sich mit Hilfe von Stimmtafeln über die reichhaltige Vogel- und Amphibienwelt informieren, dann die Halde hinaufsteigen und den Blick über diese menschengemachte Landschaft genießen. Um danach wieder einzutauchen in den Quierschieder Wald, einen Prozessschutzwald, der den Rundweg abschließt. Wer nach solch einem Tag nichts gesehen hat, der fange einfach nochmal von vorne an.


Auf einen Blick


Kontakt Gemeinde Illingen
Hauptstraße 86
66557 Illingen
Tel.: (06825) 409-0
E-Mail: gemeinde@illingen.de

Wegdaten
Der Rundweg ist ganzjährig begehbar. Länge: circa 4 Kilometer, Schwierigkeitsgrad: mittel. Festes Schuhwerk wird empfohle

Anfahrt
Von Saarbrücken aus kommend Abfahrt Göttelborn, weiter Richtung Merchweiler, dort der Ausschilderung „Rundwanderweg Merchtal“ folgen (in der Ortsmitte nach links ausgeschildert; bis zum Startpunkt fahren). Der Weg führt „bergauf“ Richtung Hahnwiesweiher. Schon nach kurzer Wegstrecke sieht man den Weidezaun und mit Glück auch die Tiere. An der ersten größeren Weggabelung rechts halten, dann läuft man an der derzeitigen Weidefläche entlang.

Tipps
Ergänzend sind auch Abstecher zur Bergkapelle Illingen (mit Einkehrmöglichkeit im Café Marie, falls nicht coronabedingt geschlossen) sowie zur Biberburg im Merchtal empfehlenswert.


Die Tour de Kultur 2021


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