Der Römerpfad bei Trier (Foto: Michael Schneider)

Wanderung durch die Jahrtausende

Tour de Kultur 2021: Der Römerpfad bei Trier

Anna Becker   19.07.2021 | 06:00 Uhr

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Auch wenn die Römer vor nun rund 2.000 Jahren in der Gegend vielleicht in Sandalen unterwegs waren, für diese Wanderung empfiehlt sich festes Schuhwerk. Denn die Pfade auf dem rund zehn Kilometer langen Rundweg sind teilweise schmal, und am Ende hüpft man sogar von Stein zu Stein über das Bett des Butzerbachs. Aber das ist nur eines von vielen spannenden Abenteuern, die man auf dem Römerpfad erleben kann.

Der Römerpfad bei Trier (Foto: Michael Schneider)

Starten, wo die Römer Kupfer ausgruben

Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz Ramsteiner Weg bei Butzweiler. Von dort folgt man einfach den bronzefarbenen, runden Zeichen mit dem Kopf eines Mannes darauf. „Als Emblem haben wir die römische Münze des Kaisers Maximinus Thrax genommen“, erklärt Heinrich Wagner vom Heimatverein Butzweiler e. V. „Die Münze wurde bei Ausgrabungsarbeiten an dem römischen Kupferbergwerk, den sogenannten Pützlöchern, gefunden.“ Und dieses Bergwerk erreicht man schon nach wenigen Minuten Fußmarsch. Die Pützlöcher sind ein Bergwerk aus römischer Zeit, das man in den Sommermonaten auf Anfrage mit Heinrich Wagner oder einem seiner Kollegen besichtigen kann. Hier gruben die Römer Schächte in den Boden, um grünschimmernden Malachit und tiefblauen Azurit abzubauen, Mineralien, die Kupfer enthalten. Das ist an den Wänden noch sichtbar.

Nichts für Spinnen-Phobiker

Es gibt verschiedene Theorien, was die Römer mit diesen Bodenschätzen gemacht haben. Möglich wäre die Nutzung als Material für Münzen oder aber auch zum Glasfärben. „Das ist meiner Meinung nach die nächstliegende Variante der Nutzung. Malachit und Azurit waren sehr als Farben begehrt, und das Azurit war sehr wertvoll und auch künstlich nicht herzustellen.“ Wer mit Begleitung in die schmalen Schächte krabbelt, sollte sich eine Taschenlampe mitnehmen und keine Angst vor Spinnen haben. Denn heute ist das Bergwerk ein Wohnparadies für die Große Höhlenspinne. Die Weibchen verpacken jeweils mehrere hundert Eier in weißen, murmelgroßen Kokons, die in den Schächten von der Decke hängen. Der Nachwuchs schlüpft im Herbst.

Sandsteinquader für die Porta Nigra

Sansteinquader auf dem Römerpfad bei Trier (Foto: Michael Schneider)

Nach dem Bergbau nutzten die Römer das Areal weiter als Steinbruch. Auch davon sind außen noch sichtbare Spuren erhalten: tiefe Keile in den Felsen von Hammer und Meißel, die nur erahnen lassen, welche Mühe notwendig war, um die Steine heraus zu schlagen. Die großen Sandsteinquader wurden unter anderem verwendet, um die Porta Nigra im rund zehn Kilometer entfernten Trier zu bauen.

Hier liegt die Süd-Eifel einem zu Füßen

Panoramablick auf dem Römerpfad bei Trier (Foto: Michael Schneider)

Mit wunderschönem Blick über die Süd-Eifel geht es über Felder und am Waldrand vorbei zum nächsten Relikt aus der Römerzeit: einer Langmauer, von der ein kleines Stück rekonstruiert wurde. Während sich Heinrich Wagner an die aufgeschichteten Steine lehnt, erzählt er: „Die Römer haben hier mit der Langmauer, die in ihrer gesamten Länge über 72 Kilometer lang ist, einen landwirtschaftlichen Bereich abgegrenzt. In dem Bereich wurden dann vermutlich Viehzucht und Landwirtschaft betrieben, um dann die größeren Städte wie Trier und so weiter mit Lebensmitteln zu versorgen.“ Quer über die Reste der Langmauer folgt man dem Römerpfad weiter in die Vergangenheit. Immer wieder entlang des Weges entdeckt man rot-gelbe Felsen zwischen den Bäumen. Der warm leuchtende Buntsandstein entstand hier vor rund 250 Millionen Jahren.

An einer Stelle kann man sich für einen Abstecher entscheiden und erreicht so die Hochburg. Das ist ein fast 50 Meter hoher Felssporn, eine keltische Fliehburg mit kleinen Höhlen.

Genovevahöhle auf dem Römerpfad bei Trier (Foto: Michael Schneider)

Weiter entlang des Hauptweges gibt es aber die noch viel größere Genovevahöhle zu entdecken. Durch Auswaschung, Winderosion und Frostsprengung hat sich im Buntsandstein-Felsen ein großer, fast runder Hohlraum gebildet. Über in den Stein geschlagene Stufen steigt man hinauf und fühlt sich darin wie in einer rot-gelben Kathedrale.

Die Römer hätten hier nicht gewohnt, weiß Heinrich Wagner: „Aber zu früherer Zeit wurde diese Höhle hier genutzt als Unterkunft. Man schätzt, vor circa 2.000 bis 3.000 Jahren, dass die Höhle hier bewohnt war. Man kann hier noch Löcher in den Wänden sehen, wo eine zweite Etage eingezogen war, also eine Holzdecke. Dadurch war die Höhle dann auch nicht für jeden zugänglich. Man kann sich vorstellen, dass mit Leitern der Zugang gewährleistet war und man dann Feinde oder Wildtiere auch gut abhalten konnte.“

Weiter geht es durch den schattenspendenden Wald zur nächsten Höhle. Der Römerpfad führt einen direkt an der Klausenhöhle vorbei, die deutlich kleiner ist, als die Genovevahöhle. Bis vor 200 Jahren wurde sie von Eremiten bewohnt, und in den Felswänden sind noch eingeritzte Fratzen erkennbar. Sie sollten das Böse aus der Höhle fernhalten.

Wer sich dann noch frisch und energetisch fühlt, sollte den Abstecher zum Geyersley machen. Denn die Aussicht von diesem Felsvorsprung über die Baumwipfel ist wunderschön.

Die Burg Ramstein (Foto: Michael Schneider)

Wer weiter dem Hauptweg folgt, bekommt ein Relikt des Mittelalters zu sehen. Burg Ramstein ist heute zwar eine Ruine, dafür aber eine mit Hotel und Restaurant. Man erreicht die Burg nach etwa drei Vierteln des Weges und kann sich hier eine Pause gönnen. Praktischerweise führt der Wanderweg durch den Biergarten des Restaurants. Alternativ dazu kann man am Ende der Wanderung in Butzweiler im Restaurant am Brunnen einkehren. Wegen der Corona-Pandemie sollte man vor einem Besuch bei beiden Gaststätten vorher anrufen und Öffnungszeiten sowie Regelungen erfragen.

Auf der letzten Etappe des Römerpfads durchquert man das schmale Tal des Butzerbachs, der hier sanft über moosbedeckte Steine fließt. An manchen Stellen muss man den Bach überqueren und dafür von einem Stein zum anderen hüpfen. Das macht nicht nur Kindern Spaß. An seinem persönlichen Lieblingsort hat Heinrich Wagner selbst eine Bank aufgestellt: „Hier ist eine herrlich romantische Gegend. Es ist eine Stelle, wo man etwas Ruhe genießen kann. Hier plätschert der Bach so leicht vor sich hin. Und im Winter kann man hier wunderbar Vögel beobachten. Ein herrlicher Platz zum Erholen.“ Weiter geht es bachaufwärts das verwunschene Tal hinauf entlang an sieben kleinen Wasserfällen. Eine Freude für Augen und Ohren, denn es plätschert, sprudelt und spritzt.

Seilbrücke auf dem Römerpfad bei Trier (Foto: Michael Schneider)

Bevor man den Ausgangspunkt wieder erreicht, wartet zum Abschluss noch ein leicht wackliges Abenteuer: Eine 30 Meter lange Hängebrücke, die es zu überqueren gilt.

Der Römerpfad ist als Premiumwanderweg ausgezeichnet, sehr abwechslungsreich und kurzweilig zu laufen. Denn durch die vielen Sehenswürdigkeiten auf der Strecke gliedert sich der Weg in mehrere kleine Etappen. Diese Wanderung durch die Jahrtausende bietet eine tolle Mischung aus Kultur, Geschichte und Naturerlebnis.


Auf einen Blick


Kontakt: Heimatverein Butzweiler e. V.
Remigiusstr. 1
54309 Butzweiler
Tel.: (06505) 87 55
E-Mail: vorsitzender@heimatverein-butzweiler.de

Das Innere des römischen Bergwerks kann nur auf Anfrage besichtig werden (1. Mai - 31. Okt.)
Tel.: (06505) 89 50 oder (0651) 435 54 36

Anfahrt
Detaillierte Informationen zu Routenverlauf und Anfahrt: www.roemerpfad.de

Infos
Premiumwanderweg bei Newel-Butzweiler, nahe Trier.
Startpunkt: Wanderparkplatz Ramsteiner Weg (folgen Sie in Butzweiler am Klaus-Pauli-Platz der Beschilderung „Römisches Kupferbergwerk/Pützlöcher“. Die Straße Ramsteiner Weg führt Sie etwas außerhalb von Butzweiler auf den ausgeschilderten Parkplatz.);

Alternative Startpunkte: Parkplatz am Brunnen „Klaus-Pauli-Platz“ oder Parkplatz unterhalb der Burg Ramstein; Strecke: 10 Kilometer.

Der Römerpfad ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, gut beschildert und kann selbstständig begangen werden.

Aufgrund der Corona-Pandemie werden alle Wanderer gebeten, den Weg ausschließlich gegen den Uhrzeigersinn zu gehen, damit ein Begegnungsverkehr an den engen Stellen ausgeschlossen ist. Das entspricht der oben beschriebenen Richtung. Das Ordnungsamt kontrolliert hier, besonders am Wochenende und an Feiertagen.

Einkehrmöglichkeiten (bitte vorher aktuelle Öffnungszeiten und Regeln erfragen)

  • Gasthaus Restaurant am Brunnen www.restaurant-am-brunnen.de, Tel.: (06505) 301
  • Hotel-Restaurant Burg Ramstein, www.burg-ramstein.de, Tel.: (06505) 1735


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