Der Friedenszähler von Valmunster (Foto: SR/Lisa Huth)

76 Jahre Freundschaft

Tour de Kultur 2021: Der Friedenszähler von Valmunster

Lisa Huth   19.07.2021 | 06:00 Uhr

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Denis Butterbach vor seinem Friedenszähler (Foto: SR/Lisa Huth)

Nach Valmunster hatten bis vor kurzem noch nicht viele Menschen ihren Fuß gesetzt. Dass inzwischen Tausende den Weg in das klitzekleine Dörfchen fanden, liegt nicht daran, dass in Pandemie-Zeiten Strecken erkundet wurden, die nicht so weit weg sind, sondern an seinem Bürgermeister. Und einem Baum.

Denis Butterbach - ein Rassembleur

Denis Butterbach ist kein normaler Bürgermeister. Als der Ingenieur, Dozent und frühere Unternehmer gefragt wurde, ob er kandidieren wolle, hatte er unter der Bedingung ja gesagt, dass viele mitmachen. In Frankreich nennt man solche Menschen Rassembleur: Einer, der die Leute zusammenbringt und was losmacht. In dem Dörfchen Valmunster hat er seitdem mit seiner Equipe viel bewegt. Unter anderem ist an der Mairie ein Zähler befestigt, der die Tage des Friedens in Europa seit dem 8. Mai zählt. Doch das ist nicht alles.

Aus der großen, weiten Welt ins Dorf

Denis Butterbach -Bürgermeister von Valmunster (Foto: SR/Lisa Huth)

Valmunster liegt im lothringischen Nirgendwo zwischen Boulay und Bouzonville. Von der Grenze ab Saarlouis ist es ein Katzensprung. Der Ort zählt keine 100 Einwohner. Bürgermeister Denis Butterbach war zuvor fast in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Erst als Ingenieur für Total, dann als selbständiger Unternehmer, weltweit operierend mit 60 Ingenieuren und Technikern. Er war Präsident des wissenschaftlichen Rates an der ENIM, der nationalen Ingenieursschule in Metz, heute unterrichtet er dort die Studierenden im letzten Jahr, wie wichtig ein humaner Umgang mit sich, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und auch der Kundschaft ist.

Ein Unternehmer muss etwas von seinem Geschäft verstehen und auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig begreifen, als Männer, Frauen, Ältere, Jüngere, ihnen human begegnen. Ein wichtiger Ansatz in einem Land, dessen Unternehmen im Vergleich zu Deutschland sehr viel hierarchischer und autoritärer geleitet werden. Und ein Unternehmen muss natürlich auch Geld reinbringen. Sonst überlebt es nicht lange. Die Politik begreife das nicht. Darum hat sich Denis Butterbach als Berater und Attaché an der neuen Bewegung des jetzigen Präsidenten Macron beteiligt. Sein Anliegen war es, Politik und Wirtschaft zusammen zu bringen. In Frankreich wollten nämlich beide nichts miteinander zu tun haben, weil sie nichts vom Metier der anderen verstünden.

2.500 Besucher im 100-Seelen-Dorf

Menschen zusammenbringen, das kann Denis Butterbach. So haben bislang rund 2.500 Besucherinnen und Besucher ihre Hand an den Friedenszähler im Ort gelegt. Keine geringe Anzahl für so ein winziges Dorf.

Das Rathaus von Valmunster (Foto: SR/Lisa Huth)

Bislang war Valmunster nur für seine mehr als tausend Jahre alte Kirche auf einem Hügel außerhalb der Ortschaft bekannt. Ungewöhnlich für französische Dörfer: Statt in der Mitte des Ortes liegt das Rathaus direkt unterhalb. Und an der Außenwand befindet sich jetzt der Friedenszähler. Er hat die Form eines Baumes. Mit seinen Mitstreitern hatte er überlegt, was Europa am besten repräsentiere. „Die Wurzeln stehen für unsere unterschiedlichen Ursprünge. Der Stamm für unser Zusammenwachsen und die Krone für das, was wir gemeinsam aufbauen.“

In den Zweigen dieser Baumkrone: ein blauer Kreis mit zwölf goldenen Sternen. Europa eben. In dessen Mitte zwei elektronische Zähler wie auf einer Tafel vor den Werkstoren großer Fabriken. Dort wird gezählt, wie viele Tage es kein Unglück mehr gegeben hatte. Jeder Arbeiter geht daran vorbei und wird daran erinnert, weiter vorsichtig zu sein.

„Ich denke, das ist für den Frieden zwischen Deutschland und Frankreich dasselbe“, meint Butterbach, die Menschen müssten sich jeden Tag klar machen, wie lange dieser Frieden schon hält. Gerade jetzt, da sie an den Grenzen wieder auseinander dividiert worden seien.

Und damit jeder auch zeigen kann, wie sehr ihm oder ihr das deutsch-französisch-europäische Projekt am Herzen liegt, dürfen alle selbst Hand anlegen. Am Stamm wurde eine Hand ausgefräst. Wer die seine dort hineinlegt, gibt dem zweiten Zähler einen Schubs, und schon gehören er oder sie auch zur Gemeinschaft derer dazu, die für das Friedensprojekt sind.

Aus dem Dorf in die Welt

Butterbach denkt aber noch größer. Er möchte, dass diese Idee nicht nur auf den lokalen Raum begrenzt bleibt. Er will Menschen in anderen Ländern anstecken. „Dafür haben wir einen zweiten Friedenszähler produziert, der mobil sein und innerhalb Europas reisen soll.“ Mit Veranstaltungen in Schulen und anderswo, um möglichst viele große und kleine Kinder für den Frieden und für Europa zu sensibilisieren. Butterbach findet nämlich, dass es nichts bringt, hie und da ein bisschen an europäischen Stellschrauben zu drehen. Seine Idee: „Stellt Euch das Europa vor, das ihr wollt. Und dann lasst uns drüber reden, wie wird dahin kommen.“ Auch als Bürgermeister von Valmunster denkt Butterbach als Ingenieur: ein Beruf in dem Dinge gedacht werden, auf die bislang noch keiner gekommen ist.


Auf einen Blick


Denis Butterbach
1 Place de l’Abbé Gabriel Weyland
F-57220 Valmunster
Tel.: (00333) 87 35 73 69
E-Mail: mairievalmunster@free.fr

Öffnungszeiten
Das Kreuz ist außen angebracht und jederzeit zu besichtigen.

Eintritt
Der Eintritt ist frei

Anfahrt
Von Saarbrücken aus über die Autobahn an Forbach vorbei bis zur Mautstelle St. Avold. Von dort über Creutzwald, Hargarten-aux-Mines, Teterchen und Velving bis Valmunster. Von Saarlouis aus über Überherrn und Creutzwald den gleichen Weg.


Die Tour de Kultur 2021


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